VonSascha Karowskischließen
Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) verlängert erneut den Notfall-Fahrplan beim Bus. Es fehlt an Personal. Das könnte künftig im Ausland ausgebildet werden.
München - Bei dieser Menge an Ausfällen könnte man fast ausfällig werden: Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) verlängert abermals ihren Notfall-Fahrplan bei den Bussen – und zwar bis nach der Wiesn! Grund ist weiterhin der Mangel an Busfahrern.
Der Notfall-Fahrplan wird bis nach der Wiesn verlängert: Diese Buslinien sind weiter betroffen
Voriges Jahr hatte die MVG erstmals den Fahrbetrieb ausgedünnt, weil zu viel Personal im Krankenstand war. Betroffen sind seitdem der X30 (Harras – Arabellapark), X35 (Moosach – Alte Heide) sowie die Linien 55 (Ostbahnhof – Waldperlach/Putzbrunn), 58/68 (CityRing): und 62 (Rotkreuzplatz – Ostbahnhof). Zudem kommt es bei den Fahrzeugen auf den Linien 100 (Ostbahnhof – Hauptbahnhof Nord), 145 (Ostbahnhof – Fasangarten), 155 (Max-Weber-Platz – Emdenstraße), 168 (Nymphenburg Süd – Wastl-Witt-Straße) und 177 (Petuelring – Studentenstadt) zu längeren Intervallen.
Ursprünglich war der Notfall-Fahrplan ab Oktober vorigen Jahres bis Februar dieses Jahres angekündigt, zwischenzeitlich aber bis Sommer verlängert worden. Nun soll er insgesamt ein Jahr dauern! Denn mit der ohnehin schön dünnen Personal-Decke müssen die Verkehrsbetriebe auch noch den Schienenersatzverkehr abdecken. MVG-Sprecher Maximilian Kaltner zu unserer Redaktion: „Für einen stabilen Betrieb fehlen uns derzeit rund 50 Fahrer.“ Und die Aussichten werden nicht bessern, sagt MVG-Chef Ingo Wortmann: „Im ÖPNV werden deutschlandweit in den nächsten Jahren mehrere Tausend Beschäftigte in den Ruhestand gehen. Um die Verkehrswende umsetzen zu können, brauchen wir aber nicht nur Ersatz – sondern mehr Fachkräfte.“
Busfahrer werden dringend gesucht: Münchner Verkehrsgesellschaft will Ausbildung in Teilzeit anbieten
Die Verkehrsgesellschaft hat bereits ihr Werben um Fahrpersonal mit diversen Aktionen deutlich intensiviert. „ Im kommenden Jahr wollen wir Busfahrer im europäischen Ausland ausbilden und die Ausbildung in München zusätzlich in Teilzeit anbieten“, sagt Wortmann.
Tatsächlich sei es eine hohe Hürde, dass die Ausbildung so bürokratisch und langwierig sei, sagt SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl. Immerhin sei die MVG schon auf mehrerlei Weise kreativ geworden, ergänzt Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher. Hoffnung mache auch, dass bald weitere Werkswohnungen verfügbar sein würden. „Dadurch kann München in der Konkurrenz zu anderen Städten wieder Vorteile haben“, sagt Bickelbacher. Letztlich gehe es auch darum, den Beruf des Busfahrers bei den steigenden Lebenhsaltungskosten entsprechend attraktiv zu machen, sagt Gradl. „Mit dem neuen Tarifabschluss wird das der Fall sein.“
Personalmangel bei den Verkehrsbetrieben: CSU-Chef dringt darauf, alle Optionen zeitnah zu prüfen
Zur Regel werden dürfe der Notfall-Fahrplan nicht, findet CSU-Chef Manuel Pretzl, der bereits einen runden Tisch zu dem Thema beantragt hatte. „Wir müssen jetzt alle Optionen prüfen. Ziel muss sein, zur Wiesn wieder den normalen Fahrplan zu gewährleisten.“
