VonElisa Buhrkeschließen
Die Zugspitz-Gletscher werden schmelzen, und das bereits in naher Zukunft. Forscher warnen davor, dass der Klimawandel sich immer rasanter entwickelt.
Garmisch-Partenkirchen – Für Experten steht fest: Die verbleibenden Gletscher der Zugspitze in Oberbayern werden abschmelzen. Während im vergangenen Jahr bereits der Südliche Schneeferner seinen Gletscher-Status verloren hat, wird es in wenigen Jahren auch den Nördlichen Schneeferner und den Höllentalferner treffen. Im Interview mit BR24 erläutern ein Glaziologe und eine Polarforscherin, wie gravierend die Folgen für Bayern sein werden.
Zugspitz-Gletscher schmelzen ab: „Langfristig kein Polster mehr“
Definitionskriterium eines Gletschers sei, dass sich das Eis bewegen müsse, erläutert Glaziologe Wilfried Hagg von der Hochschule München gegenüber BR24. Dafür sei eine ausreichende Eisdecke erforderlich. Beim Nördlichen Schneeferner mit dem Schlepplift für Wintersportler „dürften es an der dicksten Stelle noch so um die 30 Meter sein“, so der Gletscherexperte. Zum Vergleich: Am Südlichen Schneeferner waren es 2022 in den meisten Bereichen nur noch ein bis zwei Meter Eisdicke.
Doch im Zuge des Klimawandels schmilzt auch am Nördlichen Schneeferner bereits mehr Eis im Sommer ab, als im Winter an Schnee fällt. Nicht nur Hagg, sondern auch Laura Schmidt von der Umweltforschungsstation Schneefernerhaus gehen deshalb davon aus: Bereits bis Ende der 2020er Jahre wird dem Nördlichen Schneeferner sein Status als Gletscher abgesprochen.
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Gletschersterben in Bayern als deutliches Zeichen des Klimawandels
Auch der starke Schneefall im Mai könne die Situation nicht kitten, erläutert Schmidt gegenüber dem Rundfunksender: „Dadurch, dass der Niederschlag so spät gefallen ist, könnte es sich so anfühlen, aber langfristig ist es natürlich kein Polster mehr.“ Die Polarforscherin weiß: „Die Gletscher hier so sind singulär und so klein, dass es zum Abschmelzen kommt – auf jeden Fall.“
Die Zugspitze und ihre Gletscher
Die Zugspitze ist mit 2.962 Metern der höchste Berg Deutschlands. Südwestlich von Garmisch-Partenkirchen im Wettersteingebirge gelegen, markiert ihr Gipfel die Grenze zu Österreich. Am Zugspitzplatt liegen aktuell noch zwei der verbleibenden vier deutschen Gletscher: Der Nördliche Schneeferner und der Höllentalferner. Die anderen zwei Gletscher, der Blaueis- und der Watzmanngletscher befinden sich in den Berchtesgadener Alpen.
Quellen: alpenverein.de, klimareporter.de
Etwas positiver sieht die Situation noch am Höllentalferner aus, der sich nördlich unterhalb des Zugspitzgipfels befindet. Hier prognostizieren die Wissenschaftler, dass der Gletscher noch bis 2040 erhalten bleibt. „Er hat eine hohe Felsumrahmung, die ihn zum einen vor der direkten Sonneneinstrahlung schützt. Das hilft ihm natürlich, die Schmelzraten gering zu halten“, sagt Hagg. Zusätzlich würden Lawinen dabei helfen, den Gletscher mit weiterem Schnee zu versorgen. „Er erhält also mehr Schnee, als ihm durch seine Fläche durch den normalen Niederschlag zukäme.“
Forscher sind sich einig: Klimawandel geht „mit großen Schritten voran“
Gegenüber BR24 betonen die Wissenschaftler, dass Bayern zumindest im Vergleich mit anderen Weltregionen nicht mit allzu gravierenden Folgen aufgrund des Gletschersterbens rechnen müsse. „Wir werden deshalb nicht an Wassermangel im Sommer leiden wie anderswo auf der Welt.“ Doch das Abschmelzen verdeutliche eben allzu sehr, „dass der Klimawandel da ist und mit großen Schritten vorangeht, dass er sich beschleunigt und dass er auf anderen Ebenen die größte Herausforderung des Jahrhunderts für uns darstellen wird“, so Hagg. Erforderlich seien deshalb schnellere und deutlichere Maßnahmen gegen den Klimawandel.
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