- VonJohannes Thomaschließen
Die Zahl der Einbürgerungen im Landkreis ist im vergangenen Jahr sprunghaft gestiegen – nämlich von 224 auf 380. Das hat einen Hauptgrund.
Schongau - Einer, der alle geltenden Voraussetzungen bestens erfüllt hat, um Deutscher zu werden, ist Dmitry Shaporov (37) aus Schongau. Der gebürtige St. Petersburger ist seit dem 5. Februar auch deutscher Staatsbürger. Bei den Bundestagswahlen hat er bereits abgestimmt. Der IT-Ingenieur war einer der ersten, der den Antrag nach der Gesetzesänderung gestellt hat. Einen Tag, nachdem das Gesetz Ende Juni 2024 verabschiedet worden war, wandte er sich ans Landratsamt Weilheim-Schongau. „Mir war schon länger klar, dass ich das machen werde. Es hat aller super geklappt, nach acht Monaten hatte ich meinen Pass“, so der verheiratete Familienvater, der in Schongau-West wohnt.
Seit 17 Jahren lebt er in Deutschland – IT-Ingenieur hat sein Herz an Bayern verloren
Bekannte von ihm hingegen, die in Großstädten wie München oder Köln einen Antrag auf Einbürgerung gestellt hätten, warteten noch immer, erzählt er. Durchschnittlich dauert so ein Verfahren laut Bundesinnenministerium rund 18 Monate. Am Landratsamt hat sich die Bearbeitungszeit wegen der vielen Anträge aktuell von acht auf rund zehn Monate verlängert.
Shaporov, der bereits eine unbefristete Niederlassungserlaubnis hatte und seit 17 Jahren in Deutschland lebt, handelte so schnell, weil er seit der Gesetzesänderung seinen russischen Pass behalten darf. Das war vorher nicht möglich. „Ich habe eben jetzt zwei Heimaten. Mein Herz ist hier und bei meiner Familie in Russland“, sagt er. Bei ihm ging die Einbürgerung so schnell, weil er sämtliche Voraussetzungen erfüllt und dies auch belegen konnte. Sein Einkommen als Manager bei „M-net“, einer Telekommunikationsfirma, ist weit über dem geforderten Mindesteinkommen. Sein Deutsch – natürlich mit osteuropäischer Färbung – ist exzellent. Weil er in Deutschland, nämlich in Leipzig, seinen Master gemacht hat, musste er auch keinen Sprachtest absolvieren.
Die Möglichkeit, seinen alten Pass zu behalten, ist auch nach Ansicht des Landratsamtes der Hauptgrund, warum so viele Menschen in der zweiten Jahreshälfte 2024 einen deutschen Pass beantragt haben. Das betreffe neben Russen auch Menschen aus den Westbalkan-Staaten, aus der Türkei und auch aus den USA. Weitere Gründe sind die enge Verbindung mit Deutschland, beispielsweise bei Kindern von Gastarbeitern, die in Deutschland geboren wurden, oder der Wunsch, bei Wahlen politisch mitzugestalten. Ein deutscher Pass bietet laut Landratsamt aber auch ganz praktische Vorteile: EU-Freizügigkeit, Visafreiheit für viele Länder und die Möglichkeit, Beamter zu werden.
Wissenstest mit Bravour bestanden
Für Shaporov hat der Pass deutliche Vorteile im Alltag: Gerade als Russe war es für ihn schwieriger, ein Visum für bestimmte Länder zu bekommen. Auch die ganze normale Kontoführung war für ihn vor dem 5. Februar wegen der EU-Sanktionen gegen sein Heimatland deutlich komplizierter.
Ganz am Anfang des Verfahrens musste Shaporov, der schon in München, Köln, Frankfurt, Nürnberg und Leipzig gelebt hat, einen Wissenstest absolvieren und dabei Fragen beantworten wie „Was steht in einer Hausordnung?“ oder „Was wird am 3. Oktober gefeiert?“. Er bestand mit Bravour: 32 von 33 Punkten.
Die Bearbeitungszeiten mögen unterschiedlich sein, die Kosten sind überall die gleichen: 255 Euro (Kinder 51 Euro). Wer einen deutschen Pass will, der kann nach fünf Jahren rechtmäßigen Aufenthalts einen solchen beantragen, nicht erst nach acht Jahren wie bis zum Juni 2024. Frauen und Männer, die besonders gut integriert sind, haben diese Möglichkeit jetzt bereits nach drei Jahren – die neue Bundesregierung überlegt allerdings, das wieder abzuschaffen.
Auch seine Frau hofft auf eine baldige Einbürgerung
Shaporov war übrigens nicht der Erste in der Familie mit deutschem Pass: Seine beiden Töchter (zwei bzw. vier Jahre) haben ihn bereits. Seine Frau, die er bei einer Dienstreise in Moskau kennengelernt hat, als er bereits in Deutschland lebte, lernt derzeit fleißig Deutsch und hofft auf eine baldige Einbürgerung.
Die Behörden fordern von den Neubürgern ein Bekenntnis zur freiheitlich, demokratischen Grundordnung: Rassismus, Antisemitismus und jede andere Form der Menschenfeindlichkeit schließen eine Einbürgerung aus. „Einbürgerungsbewerber müssen sich künftig auch zur besonderen historischen Verantwortung Deutschlands für die nationalsozialistische Unrechtsherrschaft und ihre Folgen, insbesondere für den Schutz jüdischen Lebens, bekennen“, so das Landratsamt in einer Mitteilung.
Die Überreichung des Passes im Landratsamt wird Shaporov im Gedächtnis bleiben. Im Beisein von drei Mitarbeiterinnen des Landratsamtes wurden ihm die Ausweispapiere und ein Grundgesetz feierlich überreicht. „Es war schön, das so zu erleben.“
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