VonPatrick Staarschließen
3000 Zuschauer wollten sich diesen außergewöhnlichen Wettbewerb am Wochenende in Bad Tölz nicht entgehen lassen.
Bad Tölz – Ein Härtetest für alle Beteiligten war das Festival „Brot und Spiele“ im Moraltpark. Für die stärksten Männer Deutschlands, weil sie teilweise Gewichte von über 400 Kilogramm hochlupfen mussten. Für die Ritter, weil sie sich gegenseitig gewaltig mit Schwertern vermöbelten. Gefordert waren aber auch die Zuschauer, auf die am Samstag im Stundenrhythmus sintflutartige Regenfälle niedergingen. Angesichts dessen war Organisatorin Steffi Hörmann mit der Publikums-Resonanz nicht unzufrieden. Am Samstag fanden 1500 Zuschauer den Weg in den Moraltpark, am Sonntag gut 1600.
Wer unvorbereitet bei der Deutschen Meisterschaft der starken Männer zuschaut, der ist erst mal überrascht. Menschen schleppen wettkampfmäßig Toilettenhäuschen, lupfen Autos und stemmen Baumstämme in die Höhe. Eine Zuschauerin verfolgte all dies fassungslos: „Wie stark die alle sind, auch die Frauen. Ich habe schon Probleme, ein Wassertragerl hochzuheben.“
Am besten beherrschte der Gießener Raffael Gordzielik diese manchmal befremdlich anmutenden Disziplinen. Er selbst bezeichnet sich selbst als „German Godzilla“ und „stärkster Rechtsanwalt der Welt“. Seine Mandanten dürften ebenso Respekt haben wie seine Konkurrenten: Gordzielik ist zwei Meter groß und bringt 174 Kilogramm Kampfgewicht auf die Waage. Die Entscheidung über den Deutschen Meistertitel fiel erst in der letzten Disziplin, in der er sich gegen Dennis Biesenbach durchsetzte.
Ein paar Meter weiter pflegten einige Männer und eine Frau ein nicht minder exotisches Hobby: Ritterkämpfe. Und zwar nicht Schau-Ritterkämpfe wie bei vielen Mittelalterfesten, sondern Ritterkämpfe, bei denen es richtig zur Sache geht und mit Vehemenz mit Schwertern aufeinander eingeschlagen wird. Ein Lied davon kann Mit-Organisator Peter Frech singen. Im vergangenen Jahr beteiligte er sich an den Kämpfen und musste einen harten Hieb einstecken, bei dem vier Rippen zu Bruch gingen. Trotzdem hätte er heuer gerne wieder mitgekämpft – was allerdings an einer passenden Ausrüstung scheiterte. Damit dies nicht noch mal passiert, will sich Frech nun selbst eine Ritterrüstung kaufen. „Viele Leute sagen, wir haben einen Vogel“, sagt Helmut Hanus junior, der für die Tiroler Adler kämpfte. „Wir zeigen ihn halt her. Die anderen trauen sich das nicht.“
Der 48-Jährige ist ein Spätberufener. Hanus war lange Jahr Judokämpfer beim TV Lenggries, bis ihn eine Knieverletzung stoppte. Er suchte nach anderen Sportart und wurde auf die Ritterkämpfe aufmerksam – eine naheliegende Entscheidung, schließlich ist Hanus Gründer einer Mittelalter-Gruppe und hauptberuflich Waldarbeiter: „Daher bringe ich einiges für diese Sportart mit.“ Seiner Ansicht nach sind die Ritterkämpfe „eine Mischung aus Rugby und Schach“.
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Als die Ritter ihre Schwerter weglegten, goss es schon wieder wie aus Kübeln. Sehr zum Leidwesen von Florian und Mark Rammböck aus München. Statt mehrere hundert Zuschauern verfolgten nur 48 Unentwegte ihre Feuershow. „Alle sind vor dem Regen davon gelaufen, da kann man nichts machen“, sagt Rammböck, der mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen hatte. Obwohl die beiden ihre Utensilien abgedeckt hatten, hatten sie Schwierigkeiten, Feuer zu entfachen.
Hörmann war erleichtert, dass trotz des katastrophalen Wetters alle Wettkämpfe stattfinden konnten: „Es hätte schlimmer kommen können.“ Immer wieder sei Improvisation gefragt gewesen. So wurde das Kinderprogramm am Samstag kurzerhand vom Festplatz auf die Empore des Jailhouse verlegt.
Tölz habe sich in der Szene mittlerweile einen Namen gemacht, zudem gebe es einen guten Kontakt zu Strongman-Organisator Heinz Ollesch, sagt Hörmann. Sie ist sich daher sicher: „Die Veranstaltung wird auch 2020 wieder in Bad Tölz stattfinden.
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