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Ab 2025 wird das Deutschlandticket teurer: Statt 49 zahlen Bahnreisende dann 58 Euro im Monat. Im Hinblick auf das marode Schienennetz und die permanenten Verspätungen sieht OVB-Reporter Nicolas Bettinger die Maßnahme als ein „fatales Signal“. Ein Kommentar.
Berlin/Rosenheim – „Heute zirka 25 Minuten später“, „die Weiterfahrt verzögert sich“, „Zug entfällt“. Durchsagen oder Anzeigen wie diese sorgen zwar bei etlichen Bahnreisenden für erhöhten Blutdruck. Leider gehören sie jedoch für viele Menschen längst zur erwartbaren Reise-Prozedur – oder sollte man lieber Tortur sagen? Und dass das Deutschlandticket, das wohlgemerkt einst neun Euro kostete und mittlerweile für 49 Euro monatlich zu haben ist, künftig noch teurer werden soll, dürfte für die leidgeplagten Zug-Reisenden blankem Hohn gleichkommen.
Zugegeben, das Deutschlandticket ist in seinem Grundsatz eine gute Sache. Für 49 Euro im Monat mit Bus und Bahn durch die gesamte Republik fahren zu können, ist auch finanziell ein echtes Schnäppchen – zumindest für diejenigen, die die Fahrkarte entsprechend nutzen. Problematisch wird es an dem Punkt, an dem die versprochene Leistung der Deutschen Bahn nicht erbracht wird. Wer etwa von München in die Region Rosenheim pendelt, der wird schnell merken, dass kaum ein Tag vergeht, an dem nichts schiefläuft.
Fragwürdige Auslegung der „betrieblichen Pünktlichkeit“
Und dabei geht es nicht darum, sich über ein paar Minuten Verspätung aufzuregen. Denn auch wenn die Deutsche Bahn einen Halt als pünktlich wertet, solange die Züge ihre planmäßige Ankunftszeit um weniger als sechs Minuten überschritten haben, entscheiden diese wenigen Minuten oftmals schon darüber, ob der Anschlusszug noch erreicht wird, oder eben nicht. Und wer dann improvisieren muss, kommt eben häufig weitaus später an, als ursprünglich geplant. Und das trotz oftmals eingeplanten Puffers.
Diese Unter-Sechs-Minuten-Regel, eine durchaus fragwürdige Auslegung der Zeiteinhaltung, nennt sich in Bahnkreisen „betriebliche Pünktlichkeit“. Nicht auszudenken wären in anderen Branchen die Folgen eines solchen Verständnisses. Etwa, wenn sich Rettungskräfte einen zeitlichen Puffer einkalkulieren würden, bevor sie zum Einsatz erscheinen. Oder wenn Bewerber generell ein wenig später zu bei Vorstellungsgesprächen aufkreuzen.
Viele Gründe für viele Bahn-Probleme
Eines sollte man bei allem Ärger festhalten: Kein Zugführer erreicht den nächsten Bahnhof absichtlich zu spät. Die Probleme, gerade die regelmäßigen Verspätungen, sind auf begründbare Ursachen zurückzuführen. So erklärte zuletzt etwa die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG) gegenüber dem OVB, dass sich die Eisenbahninfrastruktur bayern- beziehungsweise bundesweit „in einem schlechten Zustand“ befinde. Zahlreiche Fahrbahnmängel, Langsamfahrstellen und Störungen der Leit- und Sicherungstechnik nehmen auf allen Strecken, auch im Raum Rosenheim, erheblichen Einfluss auf den Betrieb. Hinzu kommt das weiterhin hohe Bauvolumen, das zu zahlreichen Verspätungen und Ausfällen führt.
Ungeachtet der Frage, warum Deutschlands Schienennetz im Vergleich mit anderen Ländern hinterherhinkt, sollte das marode System zumindest zu dem Bemühen führen, die Kundschaft irgendwie bei der Stange zu halten, Bahnreisende also nicht noch mehr zu verärgern. Und genau in dieses fortwährende Dilemma hinein platzt die Bombe der Preiserhöhung. Ab Januar 2025 soll das Deutschlandticket 58 statt 49 Euro kosten. Darauf einigten sich nun Verkehrsminister von Bund und Ländern. Während dort die Mehrkosten von neun Euro als „maßvolle Preissteigerung“ verkauft wurden, stellt sich dem gemeinen Bürger, der freilich weiß, dass all das irgendwie finanziert werden muss, die Frage: Wie passt eine ungenügende Leistung mit einem steigenden Preis zusammen?
Ein fatales Signal an die Bahnreisenden
Die Deutsche Bahn sollte es also tunlichst vermeiden, ihre Kunden weiter zu vergraulen. Immerhin hat man mit dem Deutschlandticket endlich einen gangbaren Weg gefunden, zahlreiche Menschen von der Straße auf die Schiene zu bewegen. In dem man den Preis hält oder ihn sogar aufgrund der Einschränkungen reduziert, würde man den angefressenen Reisenden ein positives Signal senden, wenngleich der illusorische Gedanke jeden Sinn für die Realität vermissen lässt.
Mit der angekündigten Preissteigerung aber bewirkt man genau das Gegenteil und drängt die Menschen regelrecht zurück in ihre Autos. Noch vollere Autobahnen werden wohl die Folge sein. Und klar ist auch: Bei den angehobenen Mehrkosten von neun Euro monatlich wird es über 2025 hinaus vermutlich nicht lange bleiben.