VonPeter Reinboldschließen
Die Partei tritt ohne Herausforderer für Bürgermeister Rolf Beuting an. In der CSU Murnau ist das ein historischer Vorgang.
Murnau - Die Nachricht, wann auch immer sie ihn in den vergangenen Stunden erreicht hat, wird Bürgermeister Rolf Beuting (ÖDP/Bürgerforum) so oder in ähnlicher Form erwartet haben. Sie war vorhersehbar, keine große Überraschung, weil sie sich seit mehreren Wochen abgezeichnet hatte. Die Murnauer CSU wird in den Kommunalwahlkampf für den Urnengang am 8. März 2026 ohne einen Herausforderer für Beuting gehen. Offiziell ist es seit Dienstagabend, als die Christsozialen im Kultur- und Tagungszentrum ihre Gemeinderatsliste aufstellte. In der Murnauer CSU-Historie in den zurückliegenden Jahrzehnten ein einmaliger Vorgang.
Niemand erklärt sich zur Kandidatur bereit
Während des gesamten Abends kein Wort, wer Beuting den Chefsessel im Rathaus streitig machen soll, weil die anwesenden 32 Mitglieder, die zum inneren CSU-Zirkel zählen und von denen die meisten für einen Platz auf der Liste auserkoren waren, wohl Bescheid wussten. Erst auf Nachfrage der Medienvertreter bestätigte Ortsvorsitzender Dr. Michael Rapp, was er in einem Tagblatt-Gespräch vor Monaten angedeutet hatte. „Es gibt keinen, der sich bereit erklärt hätte, anzutreten“, sagt Rapp. Er habe etliche Gespräche geführt, darunter intensiv mit zwei Personen – einer Frau und einem Mann, Namen wollte Rapp nicht nennen –, allerdings ohne positives Ergebnis. Berufliche, private oder Karrieregründe sagte Rapp, seien bei den Absagen angeführt worden. Dass dabei auch die Befürchtung, gegen Beuting erneut, wie bereits 2014 und 2020, chancenlos zu sein, eine Rolle gespielt habe, verneint Rapp. „Wir haben vor Herrn Beuting keine Angst.“
Wir streben sechs Sitze plus x an.
Allerdings klang auch durch, dass man 2032, wenn auf kommunaler Ebene wieder gewählt wird, sicherlich einen Kandidaten stellen wird. Der CSU-Bewerber dürfte sich in sechs Jahren gute Chancen ausrechnen. Warum? Platzhirsch Beuting hatte, als er seine Kandidatur bekannt gab, erklärt, die kommende Periode, so er denn das Rennen gegen Robert Herz (Bündnis 90/Die Grünen) und Benedikt Hoechner (SPD) machen werde, sei seine letzte.
Mindestens sechs Mandate sollen es wieder werden
Der CSU-Verzicht kann allerdings auch Teil einer Strategie sein. Mit einem erfolgreichen Wahlkampf, der die Schwarzen erneut die größte Stimmenzahl bringen soll und damit die meisten Sitze im Gemeinderat, könnte der Boden für 2032 bereitet werden. Derzeit ist die CSU-Fraktion mit sechs Köpfen ebenso stark vertreten wie die Bürgermeistergruppierung ÖDP/Bürgerforum. Nach dem 8. März 2026 will man an der Poleposition stehen. „Wir streben sechs Sitze plus x an“, sagt Harald Kühn. Der Ex-Bürgermeister, der von 1996 bis 2002 die Murnauer Geschicke lenkte und der danach bis 2013 als Landrat von Garmisch-Partenkirchen wirkte, ehe er ins Maximilianeum wechselte, und CSU-Ortsvize ist eigentlich nicht bekannt dafür, sich weit aus dem Fenster zu lehnen. Er gilt eher als Meister der Zurückhaltung. Ob dieser Aussage zeigte sich Rapp kurz verwundert, um dann schnell auf Kühns Linie einzuschwenken. „Wenn der Herr Landtagsabgeordnete das so sagt, dann ist das wohl so.“
Liste mit 4 Frauen und 20 Männern
Die vier Frauen und 20 Männer, die für die Orts-CSU in den Wahlkampf ziehen, lassen solch eine Einschätzung durchaus zu. Unter den Top Acht auf der Liste stehen mit Spitzenkandidat Rapp, Josef Bierling, Lorenz Brey, Michael Hosp, Franz Neuner und Robert Hutter die derzeitigen Gemeinderäte, dazu kommen Gisela Lücke-Wegmann und Simon Ofenstein. Auch auf den weiteren Plätzen finden sich Frauen und Männer, die man im Markt kennt. „Wir haben Murnau in den zurückliegenden Jahren entscheidend geprägt und mitgestaltet, und das mit Augenmaß und Vernunft. Das wollen wir weiter tun“, sagte Rapp.
Ganz in der Tradition von Ministerpräsident Markus Söder hat er Bündnis 90/Die Grünen als Konkurrent ausgemacht – vor allem wegen deren Haltung zur geplanten Umgehungsstraße, die die Öko-Partei und die neu gegründete Bürgerinitiative, die sich zu Teilen aus Grünen-Sympathisanten speist, „aus ideologischen Gründen“ in Bausch und Bogen ablehnen. „Wir sind dafür, dass sie gebaut wird, weil die Bewohner von Resch- und Weilheimer Straße entlastet werden müssen.“ Lokalpolitik braucht Rapp zufolge „Sachverstand und Liebe zu seinem Ort“.
Wie die anderen Parteien, möchte sich die CSU weiter für Wohnungsbau, den Ausbau von Kindergartenplätzen, Senioren, Kultur und die Vereine einsetzen. Zudem versprach Rapp, die Finanzen des Marktes, dessen finanzielle Spielräume mittlerweile sehr eng sind, im Blick zu haben. Die fünf neuen Querungshilfen am Untermarkt und an der Schloßbergstraße – vor kurzem fertiggestellt – bezeichnete er als „teuer. Das Geld wäre in einer Parkraumanalyse besser angelegt gewesen“. Rapp warb wegen der angespannten Haushaltslage für „Augenmaß“ und dafür „Projekte nur noch über eine Prioritätenliste anzugehen“.
