- VonArno Zandlschließen
Die Unabhängigen Wähler Chieming lösen sich auf. Nach 29 Jahren sei ein Neustart notwendig. Was jetzt folgt und wie das restliche Geld verwendet wird.
Chieming –„Die Unabhängigen Wähler (UW) Chieming stehen für unabhängige, sachbezogene und bürgernahe Kommunalpolitik“, so steht es auf der Facebook-Seite der kommunalen Wählerliste, die aktuell mit dem zweitem Bürgermeister Markus Brunner sowie den Gemeinderäten Sigfried Zenz und Julia Siglreitmeier mit insgesamt drei Personen im 16-köpfigen Kommunalrat vertreten sind. Nun möchten sich die Mitglieder der UW mit der Bürgerlich Bäuerlichen Wählergruppe (BBW) zur Chieminger Liste fusionieren, sagte Vorsitzender Florian Zürcher. Die BBW ist momentan mit Heinz Wallner und Franz-Xaver Mayer im Gemeindegremium vertreten.
Nach der Begrüßung in der Gaststätte Sea Side in Arlaching, wo auch Altbürgermeister Benno Graf zu Gast war, und dem Totengedenken stellte Zürcher die wichtigsten Treffen seit der Jahreshauptversammlung im September 2022 vor. Die Partei habe sich mit Themen wie Seniorenzentrum, Kindergarten, Kreisverkehr und Neubaugebiet in Egerer auseinandergesetzt. Bereits Anfang 2023 sei die Gründung einer „Bürgerliste Chieming“ beabsichtigt gewesen, so der Vorsitzende. Zunächst sei man auf die Orts-Fraktionen von CSU und Grünen zugegangen und habe angefragt, ob die Bereitschaft für eine gemeinsame offene Liste oder dergleichen für die kommende Kommunalwahl bestehe. „Die Rückmeldungen waren sehr zögerlich und verhalten, so haben wir das nicht weiterverfolgt“, sagte Zürcher. Anders seien die Gespräche mit der BBW verlaufen.
Termin zur Fusionierung steht
Hier herrschte schnell Einigkeit bei den Anwesenden, dass die beiden Parteien künftig zusammenarbeiten und beide Gruppierungen zusammenführen möchte. Schließlich trafen sich im November 2024 etwa 40 Personen im Chiemseer Wirtshaus, um über die Pläne zur Fusion der UW und BBW zu diskutieren. Mit BBW-Vorstand Franz Unterreiner einigten sich die UW-Verantwortlichen auf eine Gründungsversammlung der Chieminger Liste am 26. März.
Ein Hauptgrund der Auflösung sei, dass man einen Neuanfang für die Kommunalwahl 2026 starten möchte, um vor allem jüngere Kandidaten mit neuen Ideen für die Gemeindepolitik zu gewinnen. „Gerade jüngere Frauen sind ausdrücklich herzlich willkommen, um sich politisch in der Gemeinde zu engagieren“, so Zürcher.
Wohin mit dem übrigen Geld?
Kassier Franz Mittermaier stellte einen ordentlich geführten Kassenbericht vor, der von Simon Billinger und Margot Hunglinger zustimmend geprüft wurde. Entsprechend einvernehmlich erfolgte die Entlastung der Vorstandschaft. „Am Ende verbleiben in der Kasse 1668,93 Euro“, so Mittermaier. Bevor die Auflösung der UW-Liste ohne Gegenstimme beschlossen wurde, kam es zur Diskussion darüber, was mit dem übrig gebliebenen Geld geschehen soll. „Entweder wir stellen es einem gemeinnützigen Zweck der Gemeinde zur Verfügung oder wir nutzen es als Grundlage für die Gründung der Chieminger Liste“, schlug Zürcher vor.
Letzterem wurde einvernehmlich zugestimmt. Sollte es in den kommenden neun Monaten zu keiner Gründung der Chieminger Liste kommen, wird das Geld der Gemeinde zur Verwendung im Sozialfonds überlassen. Dem Antrag von Gründungsmitglied Josef Wiesholler, mit einem Teil des verbliebenen Geldes die Zeche der Mitglieder am Auflösungsabend zu zahlen, wurde mehrheitlich abgelehnt.
Wehmut bei Gründungsmitgliedern
1996 wurde die UW in Chieming gegründet, „es war eine Erfolgsgeschichte, die seitdem passiert ist. Vor allem die Zeit mit Benno Graf als Bürgermeister und Georg Hunglinger als seinem Stellvertreter. Mein größter Respekt gilt aber allen, die daran mitgewirkt haben“, sagte Brunner, der als Bürgermeisterkandidat 2020 von der UW Unterstützung bekam und dafür seinen Dank zeigte. Brunner übernahm alle Getränke der Auflösungsveranstaltung, „um die Enttäuschung über Sepp Wieshollers abgelehnten Antrag etwas abzufedern“, wie er sagte.
Besonders dankbar für die Gründung der UW zeigte sich Graf, der im Gründungsjahr in den Gemeinderat gewählt wurde und von 2002 bis 2020 Bürgermeister als UW-Mitglied war. Zu seinen Listen-Kollegen der ersten Stunde gehören die langjährigen Gemeinderäte Wiesholler und Hunglinger, denen trotz Verständnis für die Entscheidung zur Auflösung Wehmut im Gesicht stand aufgrund ihrer zurückliegenden Erlebnisse und Erfahrungen. BBW-Vorstand Unterreiner zeigte Verständnis, dass am Ende einer 29-jährigen gemeinsamen Geschichte Trauer besteht, wenn dieser Abschnitt zu Ende gehe. Doch auch die BBW hätte keine Chance mehr gesehen, eigenständig weiterzumachen. Deshalb gelte es nun, zusammen zu helfen und gemeinsam positiv die Zukunft in der Gemeinde zu gestalten.