Für mehr Sicherheit

Diese Brücken im Landkreis werden saniert - oder notfalls abgerissen

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Große Verkehrsbeeinträchtigungen gibt es im Zentrum von Bad Tölz, weil die Isarbrücke repariert wird.
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Allein im Landkreis wird diesen Sommer an fünf verschiedenen Autobrücken gearbeitet. Weitere Großprojekte wie der Austausch der Lenggrieser Isarbrücke sind in der Warteschleife. Der Blick nach Genua freilich zeigt, wie überlebenswichtig die aufwendige Kontrolle und Wartung der Bauwerke ist.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Während man mit dem Auto über eine Brücke fährt, stürzt sie ein: Dieses Albtraum-Szenario von Genua, das mindestens 39 Menschen das Leben kostete, ist in der Region nicht zu befürchten. Die 808 Brücken in seinem Verantwortungsbereich seien so sicher, „dass ich nachts absolut ruhig schlafen kann“, sagt Christoph Prause, zuständiger Abteilungsleiter beim Staatlichen Bauamt Weilheim. Trotzdem: Kontrolle, Reparatur und Austausch von Brücken sind ständig nötig.

Die Autofahrer im Landkreis erleben das gerade hautnah. Auf dem derzeit gesperrten Teilabschnitt der B 472 zwischen Bichl und Sindelsdorf etwa werden zurzeit die Loisachbrücke an der Landkreisgrenze sowie die Brücke über die Bahnstrecke bei Bichl stabilisiert. „Die Brücken selbst sind tadellos“, erklärt dazu Prause. „Aber aufgrund des moorigen Untergrunds gibt es immer wieder Bodensetzungen.“ Deswegen werde der Untergrund nun teilweise mit Glasschaum aufgefüllt. Zudem würden sogenannte Schleppplatten eingebaut.

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Im Zentrum von Bad Tölz lässt die Stadt für 275 000 Euro die Isarbrücke sanieren, nachdem bei einer routinemäßigen Brückenprüfung Schäden an der Dehnungsfuge aufgefallen waren. Seit Ende Juli – und voraussichtlich bis Ferienende – ist eine Fahrbahn gesperrt. Laut Rathaus-Sprecherin Birte Otterbach gibt es im Stadtgebiet 26 Brücken, Stege und verrohrte Bachläufe, die alle drei Jahre kontrolliert werden.

Deutlich weniger Autofahrern dürften Abriss und Neubau zweier Brücken auf der Kreisstraße zwischen Vorderriß und Hinterriß über den Wildbach und den Steinbach auffallen. Laut Christoph Prause rollt der Verkehr über Behelfsbrücken, bis die neuen gebaut seien.

Ganz aus der Nähe: Prüfingenieure nehmen den Zustand der Brücken – hier in Tölz – regelmäßig unter die Lupe.

Und die nächsten Großprojekte sind in der Warteschleife: „Die Brücke auf der Staatsstraße 2063 an der Landkreisgrenze bei Penzberg soll in den kommenden ein bis zwei Jahren ersetzt werden“, kündigt Prause an. Besonders komplex wird das Vorhaben, die Isarbrücke in Lenggries auszutauschen. „Wir haben das für die nächsten drei bis fünf Jahre auf der Agenda.“ Die Kosten würden sich in einer Größenordnung von 3,5 bis vier Millionen Euro bewegen, so Prause. Voraussichtlich werde die neue Brücke leicht versetzt zur jetzigen errichtet – dort, wo vor deren Bau früher die alte Isarbrücke verlief. Die große Herausforderung sei die Frage, ob man an dieser viel befahrenen Verkehrsanbindung für die Bauzeit eine Behelfsbrücke bauen müsse oder den Verkehr über die Bretonenbrücke umleiten könne.

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Im nördlichen Landkreis stünden aktuell keine Brückenbauarbeiten an, sagt Prause. Lebhaft in Erinnerung dürfte vielen Autofahrern aber noch die Rundumerneuerung der Tattenkofener Brücke in Geretsried sein – die auch schon wieder sieben Jahre zurückliegt.

Keine der genannten Maßnahmen wurde oder wird allerdings nötig, weil die jeweilige Brücke in irgendeiner Form einsturzgefährdet wäre, versichert Prause. „Sobald nur der Hauch des Eindrucks aufkommt, dass die Standsicherheit beeinträchtigt ist, wird sofort gehandelt.“ Einsturzgefahr bei hiesigen Brücken komme „Gott sei Dank sehr, sehr selten vor“ – wenn, dann nur nach außergewöhnlichen Ereignissen, zum Beispiel Unterspülung bei einer Flut oder wenn ein schweres Gefährt gegen eine Brücke donnert.

Die Tage der bestehenden Lenggrieser Isarbrücke sind gezählt. Sie wird in den kommenden Jahren ersetzt.

Routinemäßig werde bei allen Brücken alle drei Jahre eine einfache, alle sechs Jahre eine gründlichere Hauptuntersuchung durchgeführt. Es handle sich in jedem Fall um eine „handnahe Prüfung“, so Prause. „Das heißt, die Prüfingenieure schauen sich die Brücken nicht von der Ferne an, sondern sie fahren mit einer Hebebühne jede Stelle des Bauwerks ganz aus der Nähe ab.“ Jeder Riss und jede Korrosionsstelle werde akribisch dokumentiert. Im Staatlichen Bauamt würden die Ergebnisse dann in eine große Datenbank eingespeist und bewertet. „Die Brücken bekommen Zustandsnoten von 1 bis 4.“ Auf dieser Grundlage werde ein Plan für Brückensanierungen erstellt. Ab einer gewissen Grenze werde aus wirtschaftlichen Gründen entschieden, die Brücke abzureißen und neu zu bauen. „Wenn eine Brücke 40, 50 Jahre alt ist, stecke ich keine eineinhalb Millionen Euro mehr rein.“ Im Zuständigkeitsbereich des Staatlichen Bauamts Weilheim – außer Bad Tölz-Wolfratshausen noch vier weitere Landkreise – würden jedes Jahr drei bis fünf Brücken ausgetauscht.

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