VonChristoph Petersschließen
Wie geht es weiter in Sachen Marienheim? Ein Schreiben, das die Einrichtung in diesen Tagen an die Peitinger Haushalte verteilt, lässt aufhorchen. Demnach scheint eine Antwort auf die Frage, ob das Marienheim am aktuellen Standort bleiben kann, gefunden.
Peiting – Es ist ein ungewöhnlicher Schritt, zu dem sich die Verantwortlichen des Peitinger Marienheims entschlossen haben. In einem Schreiben, das derzeit in der Marktgemeinde verteilt wird und der Redaktion vorliegt, wenden sie sich direkt an die Peitinger Bürger. Unterzeichnet ist es von Einrichtungsleiter Franz Straif, Geschäftsführerin Charlotte Straif und dem sozialtherapeutischen Leiter Jörg Reiprich. „Es ist uns nicht entgangen, dass die Zukunft des Marienheims auch zu einem Thema im kommunalen Wahlkampf geworden ist“, heißt es in der Einleitung. „Insofern ist es uns ein Anliegen, Informationen anzubieten, die eine sachliche Sicht auf die Dinge möglich machen sollen.“
Sachlich, das war die Diskussion in den vergangenen Monaten nicht immer. Vielmehr kochten die Emotionen hoch, als im September bekannt wurde, dass die Gemeinde der AWO als möglichen künftigen Träger der Einrichtung ein Grundstück am Bühlach für einen Neubau angeboten hatte. Anwohner fühlten sich übergangen, im Gemeinderat sorgte das Thema für erbitterte Debatten.
Nach einem runden Tisch im November einigte man sich darauf, dass die Möglichkeit eines Verbleibs der Einrichtung im derzeitigen Gebäude an der Bahnhofstraße, das den gesetzlichen Auflagen in Sachen Brandschutz und Wohnqualität nicht mehr genügt, noch einmal geprüft werden sollte.
Diese Untersuchung durch einen Architekten habe im Dezember stattgefunden, heißt es nun in dem Schreiben der Marienheim-Verantwortlichen. Aufhorchen freilich lässt der nächste Satz: „Der schriftliche Abschlussbericht liegt noch nicht vor – wir haben jedoch vorab erfahren, dass ein Umbau am jetzigen Standort als nicht realisierbar gilt.“
Im Rathaus hat man die Aussage ebenfalls überrascht zur Kenntnis genommen. „Uns liegt der Abschlussbericht noch nicht vor, wir warten jeden Tag darauf“, sagt Bürgermeister Michael Asam auf Nachfrage der SN. Sobald dieser da sei, werde er das Thema Marienheim auf die Tagesordnung des Gemeinderats setzen – möglicherweise geht es also schon in der nächsten Sitzung des Gremiums am 28. Januar um die Zukunft der Einrichtung. „Die Entscheidung wird auf jeden Fall vor der Wahl fallen“, betont der Rathauschef. Schließlich drängt die Zeit. im August 2022 endet bekanntlich die Betriebserlaubnis, bis April will die Heimaufsicht wissen, wie es weitergeht.
Dass es weitergeht und der Gemeinderat den Plänen für einen Neubau zustimmt, darauf hoffen die Verantwortlichen des Marienheims. In ihrem zweiseitigen Schreiben an die Peitinger Haushalte weisen sie auf das in der Region einmalige Konzept ihrer Einrichtung hin. „Umgerechnet auf die letzten acht Jahre sind es fast 250 Menschen, von denen viele in einem desolaten Zustand und in großer seelischer Not angekommen sind und die am Ende ihres Aufenthalts mit wiedergewonnener Würde und innerem Halt das Marienheim verlassen haben“. Die Einrichtung sei beispielhaft für eine erfolgreiche und dringend benötigte sozialpsychiatrische Versorgung.
Nicht vergessen dürfe man auch die 56 Beschäftigten. „Für sie hat der Fortbestand des Marienheims existenzielle Bedeutung.“ Und auch für die Anwohner am Bühlach, die dem Vorhaben skeptisch gegenüberstehen, haben die Verantwortlichen eine Botschaft: Sollte der Neubau Realität werden, werde man alles dafür tun, „dass die entstehende Nachbarschaft durch ein gutes Neben- und Miteinander geprägt ist“.
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