Die „Sonnenäcker“-Saison des Netzwerks „Unser Land“ hat wieder begonnen. In Peretshofen bei Dietramszell haben kürzlich elf Pächter ihre Einheiten auf einem Stück Acker in Empfang genommen. Manche legten gleich mit dem Pflanzen von Kartoffeln und Zwiebeln los.
Peretshofen – Noch kann man sich kaum vorstellen, dass auf dem braunen Stück Acker einmal alles bunt blühen wird. Landwirt Hans Schwaiger hat die 1900 Quadratmeter im März bestellt. Er braucht die Fläche im Moment nicht und wandte sich deshalb bereits im vergangenen Jahr an die Solidargemeinschaft Oberland von „Unser Land“. Heuer kooperiert er zum zweiten Mal mit dem Netzwerk. Dieses sucht immer Äcker, sagt Pressesprecherin Adriane Schua.
Schua und ihre Mitarbeiter legten nach der Vorbereitung durch Hans Schwaiger die Bifänge, also die Kartoffeldämme, an. In regelmäßigen Abständen gruben sie dazu Furchen in die Erde. Ein Bifang von 100 Metern Länge bildet eine Pachteinheit. Er kostet 50 Euro. Es ist auch möglich, nur die Hälfte für 30 Euro zu pachten. Die Einnahmen teilen sich die Solidargemeinschaft und der Grundstückseigentümer.
Am Tag der Übergabe machte der Sonnenacker in Peretshofen – einer von heuer drei Äckern in den Landkreisen Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach – seinem Namen alle Ehre. Bei sommerlichen 27 Grad fanden sich die Pächter in T-Shirts und kurzen Hosen zum Markieren ihrer Parzellen und zu den ersten Arbeiten ein. Es ist immer ein fast feierlicher Moment, wenn die Hobbygärtner ihre mit ihrem Namen beschrifteten Pflöcke in die Erde rammen.
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Bei Familie Pavlov aus Geretsried duften die Töchter Jana (9 Jahre) und Ina (7) diese Aufgabe übernehmen. Ihre Eltern Petja und Nikolai haben sich ein Stück Garten mitten im Feld ausgesucht. Im Vorjahr sammelten sie bereits Erfahrungen mit dem Bewirtschaften eines Sonnenackers in Dorfen. Petja Pavlov weiß: „Zwiebeln kann ich jetzt schon in die Erde setzen. Mit dem anderen, vorgezogenen Gemüse warten wir bis nach den Eisheiligen.“ Tomaten, Paprika, Zucchini, Salat und Kräuter wollen die Geretsrieder pflanzen. „Und Gurken, die liebe ich“, ergänzt Jana.
Wenn sich Familien mit Kindern bewerben, freut sich Adriane Schua jedes Jahr ganz besonders. Denn Teil der „Sonnenäcker“-Philosophie ist es, den Menschen die Kreisläufe der Natur und die Wertschätzung für Lebensmittel nahe zu bringen. „Kinder sollen lernen, dass es Erdbeeren nur im Supermarkt das ganze Jahr über gibt und dass hinter jedem Naturprodukt viel Arbeit steckt.“
Die Arbeit hat für Petja und Nikolai Pavlov bereits im März begonnen. Zuhause in ihrer Küche haben sie Töpfe mit Erde gefüllt und Samenkörner hineingegeben. Die ersten zarten Pflänzchen zeigen sich bereits. Nicht alle Pächter ziehen ihr Obst und Gemüse vor. Manche kaufen vorgezogene Pflanzen beim Hofgut Letten, andere fangen erst auf dem Acker mit dem Säen an. Wichtig ist, dass nirgends mineralische Dünger oder Pflanzenschutzmittel verwendet werden.
In Peretshofen kommt eine Besonderheit hinzu: Weil Hans Schwaiger Biobauer ist, darf nur zertifiziertes Bio-Saatgut ins Beet. Der Bauer stellt nun eigentlich nur noch das Regenwasser zum Gießen zur Verfügung – den Rest erledigen die Hobbygärtner und die Natur.
Tanja Lühr
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