Leader-Projekt der EU

Dietramszell will heimische Baukultur erhalten

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Auf dem Gebiet der Großgemeinde Dietramszell soll auch in Zukunft traditionell gebaut werden. Damit will man zur Vorzeigeregion werden.

Als einzige Gemeinde im Landkreis hat sich die Gemeinde Dietramszell für das EU-Projekt „Baukultur Voralpenland“ beworben. Der Kreisbaumeister verspricht sich viel davon.

Dietramszell Moderne Architektur ja, aber sie soll sich harmonisch in das Ortsbild und die Landschaft einfügen. „Wir wollen eine lebenswerte Heimat erhalten. Da ist die Bauweise ganz wesentlich“, sagte Bürgermeisterin Leni Gröbmaier. Die traditionelle regionale Baukultur soll auch in Zukunft bewahrt werden. Deshalb entschloss sich der Gemeinderat am Dienstagabend zur Teilnahme am EU-geförderten Leader-Projekt „Baukultur Voralpenland“.

Kreisbaumeister Andreas Hainz stellte das Förderprogramm vor. „Das Projekt hat Pilotcharakter in ganz Deutschland“, erklärte er: „Wir können damit zur Vorzeigeregion für die ganze Republik werden.“ Beteiligt sind die Landkreise Rosenheim, Miesbach, Garmisch-Partenkirchen und Bad Tölz-Wolfratshausen mit insgesamt 13 Kommunen – aus Bad-Tölz-Wolfratshausen aber nur die Gemeinde Dietramszell.

Ideen aus der Bevölkerung sind ausdrücklich erwünscht

Beispielhaft für die gesamte Region soll bis 2023 eine Strategie erarbeitet werden, wie die Baukultur langfristig erhalten werden kann. Gefragt sind dabei ausdrücklich auch Ideen und Vorschläge aus der Bevölkerung, erläuterte Hainz. Während einer mehrmonatigen intensiven Betreuungsphase durch ein externes Büro finden zu diesem Zweck zahlreiche Workshops, Vorträge und Diskussionsveranstaltungen statt. Bei geführten Dorfspaziergängen sollen Planer und Ortsansässige zusammen überlegen, wo und wie Siedlungen entwickelt werden können, wo Nachverdichtungen oder Ausweitungen sinnvoll sind. Ziel ist es, das erarbeitete Konzept als Leitfaden für zukünftige Baumaßnahmen in allen vier Landkreisen zu verankern.

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„Es geht nicht um Bauvorschriften“, stellte Hainz klar, „sondern um eine Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung bei den Bürgen und Entscheidungsträgern.“ Denn: Auch eine neue Ortsgestaltungssatzung, die in der Gemeinde ebenfalls in Arbeit ist, kann architektonische Auswüchse und gesichtslose Zweckbauten nicht verhindern: „Da finden sich immer Schlupflöcher.“ Stattdessen soll die Baukulturstrategie Vorgaben für deren sinnvolle Umsetzung liefern. Dieses „Handwerkszeug“ helfe auch einem neuen Gemeinderat, betonte Bürgermeisterin Gröbmaier mit Blick auf die Kommunalwahlen im nächsten Jahr, bei denen sie nicht mehr antreten will.

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Die Gesamtkosten des Projekts belaufen sich laut Hainz auf knapp 1,4 Millionen Euro. Etwa die Hälfte davon wird durch das Leader-Programm der Europäischen Union gefördert. Den Rest teilen sich die beteiligten Landkreise und Kommunen. Für Dietramszell bedeutet dies einen jährlichen Eigenanteil von 5000 Euro, über die gesamte Laufzeit also 20 000 Euro. Clara Wildenrath

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