VonFlorian Prommerschließen
Das Feuerwerk gehört zu Silvester wie Bleigießen und Fondue. In München macht sich eine Initiative für ein Verbot der privaten Knallerei und für ein zentrales Feuerwerk stark. Eine Option für Holzkirchen?
Holzkirchen – Für die einen ist das Feuerwerk um null Uhr zentraler Bestandteil der Silvesternacht. Böller, Raketen, sprühende Fontänen, ein kunterbuntes Spektakel für Jung und Alt. Für die anderen ist die Knallerei schlicht überflüssig. Luftverschmutzung, ein Stress für Mensch und Tier, tonnenweise Müll und teuer ist es obendrein. Argumente, die eine Bürgerinitiative in München antreiben, sich für ein Verbot von privatem Feuerwerk einzusetzen. Ihr Alternativ-Vorschlag: ein von der Stadt organisiertes, zentrales Feuerwerk.
„Gute Diskussion, gute Ideen“, befindet Holzkirchens Bürgermeister Olaf von Löwis. Er selbst hält „sehr wenig“ von Feuerwerken. Er weiß aber: Verbieten kann die Gemeinde die Knallerei an Silvester nicht, das Sprengstoffgesetz ist Sache des Bundes. Dabei hat es im Marktgemeinderat durchaus Überlegungen gegeben, wie man den Feuer-Enthusiasmus zumindest eindämmen könnte.
Während er von einem gemeindlich organisierten Pyro-Spektakel nichts hält („Damit würde wir nur laut Ja zum Feuerwerk sagen), kann er sich mit der Idee anfreunden, das Treiben zu bündeln. Ein Abschussplatz am Herdergartenparkplatz, weitere in den anderen Ortsteilen. „Das kann ich mir vorstellen“, sagt Löwis. Freilich in der Hoffnung, dass der ein oder andere seine Raketen daheim lässt, wenn genug andere ringsherum ihre abfeuern. Als Rathauschef sieht Löwis einen weiteren Vorteil, den der Verzicht und der zentrale Treffpunkt für seine Gemeinde mit sich bringen würden. Für den Bauhof bedeutet die große Party zum Jahreswechsel am Morgen darauf jede Menge Arbeit.
Während der Großteil von Holzkirchen nach einer langen Silvesternacht nämlich noch schlummert, rückt der Bauhof aus. Er entfernt, was nach Mitternacht liegen bleibt. Ausgebrannte Feuerwerksbatterien, zerfledderte Knallerbsen, zerborstene China-Böller, leere Bierflaschen. Gut fünf Kubikmeter Silvester-Müll kehrt sein Team jährlich von den Straßen und Gehwegen, schätzt Bauhof-Leiter Peter Heiß: „Jedes Jahr gut ein Container voll.“
Dass gefühlt immer mehr Raketen in den Himmel segeln, kann Heiß nicht bestätigen, wenn er sich den Müll anschaut. „Das bleibt seit einiger Zeit eigentlich gleich.“ Geschossen wurde – statistisch gesehen – zumindest in den letzten beiden Jahren tatsächlich gleich viel. Nach Angaben des Verbandes der pyrotechnischen Industrie zündeten die Deutschen 2016 und ’17 jeweils rund 137 Millionen Euro an Feuerwerk. Vor zehn Jahren waren es noch 30 Millionen Euro weniger.
Der Anstieg in diesem Zeitraum ging freilich mit immer mehr Müll einher. Weil sich in Holzkirchen zudem einige Nachlässigkeiten in dessen Beseitigung eingeschlichen hatten, ergriff der Bauhof vor vier Jahren erzieherische Maßnahmen. Statt bereits frühmorgens auszurücken, kehren sich die Mitarbeiter erst ab dem späten Vormittag oder ab mittags durch die Ortsteile. Den Anwohnern soll so genug Zeit bleiben, selbst ihren Unrat zu entsorgen. Diese Marschroute trägt Früchte. „Teilweise achten die Leute seither genauer drauf“, sagt Heiß. In Zahlen ausgedrückt: Während vor vier Jahren nach Angaben des Bauhofleiters noch bis zu sechs Leute zehn Kubikmeter Müll einsammelten, reicht inzwischen die Hälfte des Personals für halb so viel Müll.
Auch im Rathaus verzeichnet man ein gesteigertes Bewusstsein rund ums Thema Feuerwerk. Zwar habe sich niemand für ein Knall-Verbot eingesetzt, erklärt Pressesprecherin Ewgenia Sabransky. Aber: „Die Bürger informieren sich, in welchem Zeitraum Feuerwerke erlaubt sind und ob es Bereiche gibt, an denen das Zünden von Feuerwerkskörpern untersagt ist.“ Und die gibt es. Laut Paragraf 23 der Ersten Verordnung zum Sprengstoffgesetz ist „das Abbrennen pyrotechnischer Gegenstände in unmittelbarer Nähe von Kirchen, Krankenhäusern, Kinder- und Altersheime“ verboten. Wie berichtet, muss der Burschenverein Holzkirchen-Erlkam deswegen bei seiner Silvester-Sause auf dem Marktplatz auf ein großes Feuerwerk verzichten. Grund: die Nähe zur benachbarten Kirche St. Laurentius.
Und wie steht es um eine Kombination aus Burschen-Party und zentralem Gemeinde-Feuerwerk alle zwei Jahre? „Interessant“, räumt Löwis ein: „Wenn das Geschieße dadurch weniger wird, wäre das nur zu begrüßen.“
Im Tegernseer Tal fordern immer mehr einen kompletten Verzicht auf die Silvester-Böllerei. Ein Vogelschützer warnt derweil vor den teils tödlichen Folgen der Knallerei für Tiere.

