Thema in der Stadtratsklausur

500 Unterschriften für Josefistift-Verbleib

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Der Speisesaal im Josefistift: Das Haus ist mitten in der Stadt und fußläufig gut erreichbar, argumentieren Befürworter des Verbleibs am Standort.

Ende März geht der Stadtrat in Klausur. Ein ziemlich schweres Päckchen im Themenrucksack wird das Josefistift darstellen. Weil der Gesetzgeber unter anderem größere Zimmer vorschreibt, muss das Haus entweder aufwendig umgebaut oder gleich an einem anderen Standort neu gebaut werden. Das sorgt für viel Unruhe bei Bewohnern, Angehörigen und Personal.

Bad Tölz – Von rund 500 gesammelten Unterschriften legitimiert, meldet sich nun Sieglinde Dorfmeister beim Tölzer Kurier zu Wort und fordert schlicht und einfach, dass das Stift, wo auch heute noch meistens Tölzer Bürger leben, dort bleibt, wo es sich seit über 275 Jahren befindet. Nämlich mitten in der Stadt, fußläufig gut von den Angehörigen erreichbar und nicht „abseits vom Schuss“, wenn es etwa ins Badeteil verlegt würde. Dass das Haus trotz Umbaus nicht auf dem modernsten Stand ist, ist der Tölzerin, die selbst dort Angehörige über Jahre begleitete, nicht so wichtig. „Die Leute fühlen sich wohl. Das sagen sie, und das spürt man auch.“

Einer, der auf der Liste unterschrieben hat, ist Claus Janßen, der das Haus ebenfalls gut kennt. Dass die Stadt unter baulichem Zugzwang stehe, könne man ihr nicht vorwerfen. Janßen findet nämlich zunächst einmal eine Gesetzgebung „verrückt“, die die Pflege auf technische Normen wie Zimmergröße und Toiletten reduziert. „Dagegen fehlt es hinten und vorne an Personal.“ Da hake es. Die Politik müsse dafür sorgen, dass der Berufsstand attraktiver wird.

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Auch Janßen nennt weiche Faktoren zugunsten des Josefistift-Standorts im Mühlfeld. Nach dem Kirchgang sei das Stift leicht für die Angehörigen erreichbar, das „Bräustüberl“ sei nahe, das Haus habe viel Sonne und besitze einen schönen Garten.

Heimleiterin Bettina Emmrich wollte sich auf Anfrage nicht zu der Problemstellung Bleiben oder Gehen äußern. Alles werde geprüft.

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Ein Ergebnis gebe es noch nicht, sagt Bürgermeister Josef Janker, macht aber kein Hehl daraus, dass ein Umbau des 95- zu einem 128-Betten-Haus (inklusive acht Kurzzeitpflegeplätze) am Standort geschätzt „25 Prozent teurer“ wäre – und zeitaufwendig. Man würde am Parkplatz hinter dem Haus eine Tiefgarage errichten und darauf den Neubau stellen. Dann würde in zwei weiteren Bauabschnitten erst der eine Flügel dorthin umziehen. Dann werde abgerissen und neu gebaut. Anschließend folge der zweite Flügel. „Das dauert fünf bis sechs Jahre“, erklärt das Stadtoberhaupt.

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Es werden derzeit zwei Alternativ-Standorte diskutiert. Zum einen die Jugendförderung unterhalb des Alten Bahnhofs, die ja einmal in Richtung Jahnschulzentrum umziehen soll. An der Hindenburgstraße würde man das neue Haus „mit gewissen Schwierigkeiten“, zu denen etwa die Hanglage zählt, platzieren können, sagt Janker. Der Standort wurde in einem Gutachten bereits untersucht. Man geht von Kosten in Höhe von ungefähr 140 000 Euro pro Platz aus. Problemlos unterbringen würde man das Josefistift hingegen am ehemaligen Hotelgrundstück an der Arzbacher Straße.

Der längere Zeit angedachte Standort hinter der Stadtklinik ist hinfällig, da die Asklepios-Stadtklinik dort ein zweites neues Personalwohnheim errichten will.

Von Christoph Schnitzer

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