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Hubert Mangold, amtierender Bürgermeister der Gemeinde Schwaigen, hat bei der Aufstellungsversammlung der Gruppierung UVV eine dicke Watschn einkassiert. Zwei weitere Kandidaten für den Chefsessel im Rathaus waren aufgetaucht. Das Rennen machte Dr. Friedrich Glauner, der bereits im Gemeinderat sitzt.
Grafenaschau – Faustdicke Überraschung bei der Aufstellungsversammlung der Gruppierung Unabhängig – Verbindend – Verbindlich (UVV) in Grafenaschau. Bürgermeister Hubert Mangold ist als Kandidat durchgefallen. Unerwartet hatten sich zwei weitere Bewerber für den Chefsessel im Rathaus gemeldet. In denkbar knappen Abstimmungen setzte sich Dr. Friedrich Glauner gegen Dietmar Tilch-Becker durch. Mangold, der hauchdünn die Stichwahl verpasste, überlegt, sich bei einer neuen Liste als Kandidat fürs Rathaus ins Spiel zu bringen. Die Zeit drängt: Bis 8. Januar muss der Vorschlag eingereicht sein.
Ungläubig nahm Mangold das Ergebnis der ersten geheimen Wahl auf, saß kopfschüttelnd am Tisch. Es war mucksmäuschenstill im Saal, als Versammlungsleiter Martin Gratz die Resultate vorlas. Auf den bisherigen Rathauschef entfielen zwölf Stimmen, Glauner und Tilch-Becker – sie hatten jeweils ihre eigenen Anhänger dabei – vereinigten je 13 Stimmen für sich. Fast tragisch: Mangold hatte sich enthalten. „Ich wähl’ mich doch nicht selber!“ Falsche Bescheidenheit, möchte man meinen. Hätte der 61-Jährige für sich selbst gestimmt, wären alle Aspiranten gleichauf gewesen. So kam es zur Stichwahl: Auch hier wurde es dramatisch spannend, die Wahlhelfer mussten mehrmals nachzählen: Glauner hatte letztlich mit 18:17-Stimmen die Nase vorn.
Nachdem Mangold – er hat sich die Entwicklung des Lindenhof-Areals zum Hauptziel gesetzt – seine Bereitschaft zur dritten Amtsperiode zum Ausdruck gebracht hatte, stand Glauner plötzlich im Rampenlicht. „Es ist gut, wenn man eine Wahl hat“, warb er für sich als Bürgermeister-Kandidat und verwies auf „viel Gutes“, das Mangold vollbracht habe. Für Glauner, der bereits im Gemeinderat sitzt, stellte sich die Frage, wie man die unterschiedlichen Gruppen – Landwirte, Selbstständige, Alteingesessene und Zugezogene – besser einbinden könne. „Wie können wir noch stärker gemeinsam vorgehen und uns ökonomisch ausrichten?“, fragte der 65-Jährige.
Dass Glauner antritt, darüber war im Vorfeld spekuliert worden, dass dann aber noch ein dritter Bewerber auftauchte, sorgte für Erstaunen. Vor vier Jahren erst sei er nach Grafenaschau gezogen, bekannte Tilch-Becker. Er wolle andere Ideen, neue Themen einbringen, beispielhaft nannte er das Glasfasernetz. Darüber hinaus, das habe er auch als Feedback von den Bewohnern erhalten, fehle ihm die Gewissheit, wann ein Thema im Gemeinderat abgearbeitet ist. „Ich setze auf ein Zeitlimit für ein Projekt“, betonte der 63-Jährige, der ein Vorhaben nach dem anderen abzuarbeiten plant und vermeiden will, dass vieles zugleich über die Bühne geht.
Nachdem er von den Kontrahenten überrumpelt worden war, schüttelte sich Mangold und fasste Mut. In den nächsten Tagen plant er die Gründung einer neuen Gruppe und braucht Mitstreiter. „Ich überlege, ob ich den Hut in den Ring werfe.“ Das Vorgehen der Konkurrenten kritisierte er. „Nicht die feine englische Art, bei einer Aufstellungsversammlung mit dem Fanclub zu kommen und das Ruder zu übernehmen“, schimpfte Mangold, der Glauner gratulierte. Der lobte Mangold und blickte nach vorn: „Ich hoffe, dass wir heute als Einheit rausgehen“, rief er. Mangold gab an, für den Gemeinderat nicht kandidieren zu wollen.
Die UVV- und LOS-Kandidaten: Unspektakulär verlief die Aufstellung der Gemeinderatskandidaten von UVV. Alle fünf Bewerber sind bereits im Gremium. Die Rangliste: 1. Cornelia Brunn (50, Krankenschwester); 2. Markus Jais (50, Versicherungsfachmann); 3. Tobias Daiberl (44, Elektrotechniker); 4. Victoria Mahr-Hofherr (40, Lehrerin); 5. Hans-Georg Geigl (47, Mitarbeiter der Stadt Weilheim). Für die Liste Ortsteil Schwaigen (LOS) kandidieren Jörg Wohlketzetter, Hans Demmel junior und Marianne Lutz.
