VonAndreas Schmidschließen
Acht von zehn Krankenhäusern in Bayern sind defizitär. Verbessert die Krankenhausreform die Lage? „Dass Klinikschließungen stattfinden, ist klar.“
Es gab mal Zeiten, da galten Bayerns Krankenhäuser als Vorbild für andere Teile Deutschlands. Die wirtschaftliche Situation der Kliniken war stabil; die Mehrheit von ihnen machte Gewinn. Heute ist das anders: 80 Prozent aller bayerischen Kliniken gingen mit einem finanziellen Defizit aus dem Jahr 2023. Das geht aus dem aktuellen bayerischen Krankenhaustrend hervor, den die Bayerische Krankenhausgesellschaft (BKG) am Mittwoch in München vorgestellt hat. „Die dramatische Prognose des vergangenen Jahres hat sich bestätigt,“ sagte die BKG-Vorsitzende, Landrätin Tamara Bischof.
Bayerns Krankenhäuser haben kein Geld: „Werden nicht überleben“
Zwei Drittel der bayerischen Krankenhäuser haben an der Umfrage teilgenommen. Private Krankenhäuser, die teils etwas profitabler wirtschaften, beteiligten sich nur sporadisch. Besonders ernst ist die Lage laut Report bei Unikliniken sowie den großen gemeinnützigen Krankenhäusern, die unter „Schwerpunktversorger“ (circa 500 Betten) oder „Maximalversorger“ (wesentlich mehr als 500 Betten) fallen. Alle an der Umfrage teilnehmenden Kliniken dieser Kategorien machen Verlust – und das seit vielen Jahren.
Insgesamt schrieben 80 Prozent der gemeinnützigen Krankenhäuser rote Zahlen; also jener Kliniken, die schon von ihrer Grundstruktur her nicht auf Gewinne aus sind. Die finanzielle Lage dieser Häuser sei mittlerweile so schlecht, dass ihre Zukunft nicht mehr sicher sei, sagte BKG-Geschäftsführer Roland Engehausen. „Diese Krankenhäuser werden nicht überleben.“ Denn: „Sie haben weder einen Investor noch einen kommunalen Träger, der die Defizite wieder ausgleichen kann.“ Engehausen meint, „diese Kliniken gehen entweder in die Insolvenz oder sagen: Wir machen das Geschäft Krankenhaus nicht weiter.“
Im aktuellen Krankenhausreport geht es auch um die Krankenhausreform, die das deutsche Kliniksystem fundamental verändern wird. Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte sie noch vor dem Ampel-Aus durchs Kabinett gebracht. Kern der „Revolution“, wie Lauterbach das Projekt einst bezeichnete, ist eine Verlagerung von Leistungen. Nicht mehr jede Klinik soll alles anbieten.
Lauterbachs Krankenhausreform
Die Krankenhausreform von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach ist 2024 beschlossen worden. Sie sieht unter anderem eine stärkere Spezialisierung der Krankenhäuser und eine teilweise Abkehr von der Finanzierung über Fallpauschalen vor. Lauterbach will damit die Behandlungsqualität in den Kliniken verbessern und ein unkontrolliertes Krankenhaussterben wegen finanzieller Probleme verhindern.
Krankenhausreform in Bayern: „Dass Klinikschließungen stattfinden, ist klar“
Die Grundidee sei nachvollziehbar, hieß es von Engehausen. „Die Kliniken werden das mitmachen.“ Denn: „Ein ‚Weiter so‘ will niemand.“ Laut Befragung unter den Kliniken waren nur zehn Prozent von Bayerns Krankenhäusern per se gegen eine Reform. Zwar seien die Kliniken nicht mit allen Regelungen einverstanden, hieß es von der BKG. Dass es Änderungen brauche, stehe aber außer Frage.
Ein besonders emotional diskutiertes Thema klammerte die Bayerische Krankenhausgesellschaft am Mittwoch weitgehend aus. Wenn es um die Krankenhausreform geht, ist immer auch von Klinikschließungen die Rede. Wie viele bayerische Kliniken konkret durch die Reform schließen könnten, wollte Engehausen auf Nachfrage des Münchner Merkur nicht sagen. Man werde keine konkrete Prognose abgeben. Aber: „Dass Klinikschließungen stattfinden, ist klar.“ Getreu dem Motto: „Besser ein Schrecken mit Ende als ein Schrecken ohne Ende.“
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