Wie sehr der Alpenraum durch den Klimawandel leidet, zeigte nun der Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende Friedl Krönauer in einem Vortrag im ZUK. Die Zuhörer diskutierten anschließend lebhaft.
Benediktbeuern – Oben schneebedeckte Berge, unten das frische Grün des Alpenvorlands: Dieser schöne Anblick bietet sich dieser Tage – ist für die Zukunft aber stark gefährdet. Denn der Klimawandel setzt diese Landschaft unter Stress. Das machte nun ein Vortrag von Friedl Krönauer deutlich. Der Kreisvorsitzende des Bund Naturschutz sprach vor rund 30 Interessierten im Rahmen des „Klimafrühlings“ im ZUK in Benediktbeuern.
„Es wird ein nicht ganz einfacher Vortrag“, schickte Krönauer voraus. Kompliziert waren allerdings nur die zitierten Studien, die durch viele Zahlen den CO2-Anstieg in der Atmosphäre belegen. Die Folgen waren aber logisch und leicht zu verstehen: Die Temperaturen steigen, die Gletscher schmelzen. Starkregenereignisse häufen sich in den Alpen, das Wasser rauscht immer mehr ungehindert zu Tal, wo es Hochwasser gibt.
Mehr Steinschläge und Murenabgänge
Mit zahlreichen Vergleichsfotos von Gletschern im Verlauf von Jahrzehnten veranschaulichte Krönauer die Gletscherschmelze. Als Beispiele dienten der Mittelbergferner im österreichischen Ötztal oder der Schweizer Morteratschgletscher. Inzwischen müssen Berggeher hunderte Meter mehr zurücklegen, um zum „ewigen Eis“ zu gelangen.
Im der Witterung ausgesetzten Fels nehmen Steinschlag und Murenabgänge zu. „Bergführer sprechen inzwischen von dramatischen Situationen“, berichtete Krönauer. Zusätzlich löse sich der Permafrost auf, der „Klebstoff der alpinen Landschaft“.
Steinböcken und Murmeltieren wird es zu warm
Der BN-Kreisvorsitzende zeigte Fotos vom Fluchthorn an der Grenze zwischen Österreich und der Schweiz, wo am 11. Juni 2023 in knapp 4000 Metern Höhe rund eine Million Kubikmeter Gestein abbrachen und abstürzten – in zum Glück unbewohntes Gebiet. Gebäude sind nach Krönauers Ausführungen zunehmend in Gefahr. Almen, Berghütten und ihre Bewirtschaftung litten zusätzlich unter Wassermangel und einer sich verändernden Vegetation. Bergtieren wie dem Murmeltier und dem Steinbock werde es zu warm in den Alpen. Die Pflanzenwelt verändere sich, heimische Arten bekämen Konkurrenzdruck.
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Beständige Starkregen, die dünne Humusschicht im Gebirge und Gesteinserosion führe wieder zu Felsabbrüchen und Murenabgängen. Starkregen entstehe dann, wenn die Wetterlage sich nicht mehr verändere und Gewitter nicht mehr abziehen. Die Erderwärmung verlangsame den Jetstream, der für Wetterwechsel sorge, was zu langen Regen-, aber auch Hitzezeiten führe.
Landwirte berichten schon, dass der Boden sinkt
Davon sei auch der Bergwald bedroht. „Dabei speichert der Wald Wasser, er reinigt die Luft, speichert CO2 und schützt vor Erhitzung“, referierte Krönauer. Das Alpenvorland wäre eigentlich durchzogen mit großen Moorflächen, die Wasser und CO2 speichern. Durch verstärkte landwirtschaftliche Nutzung seit dem 20. Jahrhundert sei davon aber nicht mehr viel übrig, so Krönauer. „Die Landwirte berichten davon, dass der Boden sinkt“, sagte Krönauer. Bis zu eineinhalb Metern tief sei Boden in landwirtschaftlich genutzten Mooren bereits verschwunden. Die Jahre ihrer Nutzbarkeit seien gezählt.
Nach Vortrag: Applaus, aber auch Kritik
Krönauer erhielt langen Applaus, wurde aber auch kritisiert, dass er positive Ausblicke habe vermissen lassen. Häufig sagte er tatsächlich: „Das wird schwierig.“ Der Schutz der Moore durch Zukauf von Grundstücken durch den Bund Naturschutz etwa scheitere gerade daran, dass schlicht niemand Boden verkaufe.
Nun entspann sich im ehemaligen Bullenstall des Klosters eine Diskussion über subventionierte Landwirtschaft. Ein Gast, ehemaliger Landwirt, berichtete vom Projekt eines neuen Laufstalls eines Bekannten: Lohnen würde sich der erst mit doppelt so vielen Tieren. Das bedeute mehr Mahd auf größeren bewirtschafteten Flächen. Eine andere Besucherin ärgerte sich: „Jeder soll aufs Autofahren verzichten, aber das System, auf das der Einzelne keinen Einfluss hat, wird nicht geändert.“ Ein weiterer Zuhörer betonte, wie wichtig Bildungsarbeit beim Thema Klimawandel weiterhin sei. (bib)