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Das Restaurant „Der Grieche“ in Farchet kann seit dem Feuer fast nur den Biergarten öffnen. Wie es weitergeht ist unklar - eine Sache steht aber fest.
Wolfratshausen – Wirt Iraklis Sakellariou ist müde. Noch müder als sonst nach einer Mittagsschicht im sonnigen Biergarten. Das liegt nicht daran, dass so viele hungrige Gäste in seinem Lokal an der Enzianstraße zu bewirten waren. Regelmäßig kommen inzwischen auch noch andere Besucher: Sachverständige, Gutachter, Handwerker. Nach dem Großbrand über dem Restaurant „Der Grieche“ in Farchet vor drei Monaten will der Wirt das Gebäude wieder instandsetzen. Vieles ist aktuell noch unklar, eines aber steht für ihn fest: „Ein Abriss ist gestrichen. Dass der Grieche zumacht? Gestrichen. Der Grieche bleibt da.“
Drei Monate nach dem Großbrand: „Der Grieche bleibt da“
Nach dem 27. Mai sah das noch anders aus. An diesem Tag brach in dem Wohn- und Geschäftshaus ein Feuer aus. Fast 100 Feuerwehrleute kämpften dreieinhalb Stunden gegen die Flammen. 17 Menschen verloren ihr Zuhause. Der Schaden geht in die Millionen. Sakellarious Lebenswerk ging in Flammen auf. 2001 hatte er sein Lokal eröffnet, 2010 den gesamten Gebäudekomplex gekauft. Andere hätten nach dem Rückschlag vielleicht aufgegeben. Sakellariou hingegen räumte erst einmal einige Äste auf, die im Biergarten verstreut lagen.
Grieche in Farchet: Biergarten ist geöffnet, nur ein Teil des Restaurants
Drei Wochen später servierten der Grieche und sein Team schon wieder Gyros und Souvlaki. Zwei Imbisswagen stehen an der Enzianstraße. Von dort aus versorgt er den Biergarten. Die Küche kann er noch nicht benutzen. Im Restaurant selbst steht nur ein kleiner Teil der Tische zur Verfügung, der Großteil des Lokals ist für die Gäste noch verbotene Zone. Der Wirt möchte das ändern. Am liebsten gleich. So sei er eben. Die Realität ist aber eine andere: „Alles dauert länger“, sagt er. Er beklagt sich nicht darüber. Er erzählt es fast beiläufig.
Bis seine Mitarbeiter wieder in der alten Küche kochen dürfen, wird es noch „acht Monate dauern, vielleicht zehn“. Der Kamin für den Dunstabzug ist beispielsweise kaputt, „geschmolzen“, sagt Sakellariou. In der Küche sieht man das nicht, „aber oben, da, wo das Feuer war, ist alles hin“. Was genau die Ursache für den Großbrand war, habe Sakellariou von den Brandermittlern nicht erfahren. Laut Polizeipräsidium Oberbayern Süd gibt es keine Hinweise auf vorsätzliche Brandstiftung. Gesichert sei, dass das Feuer auf einem Balkon ausgebrochen ist, über dem Restaurant.
Restaurant in Wolfratshausen wurde von Löschwasser beschädigt
Im Lokal haben deshalb nicht die Flammen, sondern hat das Löschwasser Schäden hinterlassen. Die Decke wurde besonders in Mitleidenschaft gezogen. Der Wirt ist zuversichtlich, dass die Versicherung dafür aufkommt. „Das läuft alles.“ Nur läuft die Sanierung eben nicht schnell genug, um in der kalten Jahreszeit, wenn kaum jemand unter freiem Himmel essen und trinken möchte, wieder im Restaurant sitzen zu können.
Sakellariou hat einen Plan. Ob er aufgeht, ist noch nicht sicher. Statt der zwei Imbisswagen – einer für Getränke, der andere für Speisen – möchte er Container-Küchen aufbauen. Auf der Wiese, unter den Bäumen, soll ein großes Zelt errichtet werden, das die Besucher vor Wind, Regen oder gar Schnee schützt. Mit Heizungen möchte der Grieche die winterliche Kälte vertreiben. „Wir müssen schauen, ob das geht“, sagt er. Für seine Idee braucht er Genehmigungen – und Geld. „Ich werde darüber noch mit meiner Versicherung sprechen.“ Ob sie für die Kosten aufkommt, weiß Sakellariou nicht. „Wenn nicht, dann muss ich schauen.“
„Wir haben es schon einmal geschafft“, sagt „Der Grieche“ - er möchte weitermachen
Irgendeine Lösung werde es schon geben. So wie nach dem Brand. „Wir haben es schon einmal geschafft“, sagt der Wirt. Auf das „Wir“ legt er Wert. „Das war nicht ich. Das waren meine Mitarbeiter, meine Freunde, meine Nachbarn, meine Gäste.“ Immer wieder ist er überwältigt, wenn er die voll besetzten Holzbänke in seinem Biergarten sieht. „Es ist unglaublich, wie viele Freunde wir haben. Ich habe keine Kunden. Ich habe nur Freunde.“
Bei Freunden habe er auch eine Bleibe gefunden. Eine möblierte Wohnung in Farchet, ganz nah an seinem Restaurant, sei kurzfristig frei geworden. „Ein Freund hat sie mir und meiner Familie angeboten.“ Er ist dankbar für die Hilfsbereitschaft. Das steht auch auf einem großen Plakat, das er an der Straße aufgehängt hat. Sakellariou kann tun, was er am liebsten macht. „Wenn der Biergarten voll ist, und meine Freunde da sind: Dann macht es Spaß, auch wenn es mal anstrengend ist.“ So soll es weitergehen. Der Grieche bleibt da.
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