VonAndreas Thiemeschließen
Für Mieter in München steigt das Risiko, nach dem Berufsleben in die Altersarmut abzurutschen. Zu diesem Ergebnis kommt eine Wohnungsbau-Studie des Pestel-Instituts – sie zeigt dramatische Wahrheiten.
München – Eine eigene Wohnung oder ein Haus kaufen: In München ist das mittlerweile fast unbezahlbar. Doch auf dem Mietmarkt sieht es nicht viel besser aus: Auch hier steigen die Preise immer stärker an. Die Folge: Münchner geraten immer stärker in eine Wohnfalle – und selbst gutverdienende Akademiker sind langfristig nicht mehr vor der Altersarmut geschützt, wenn sie als Rentner Mieter bleiben. Der Grund: „Wenn die Wohneigentumsbildung nicht mehr funktioniert, belastet das den Mietmarkt massiv“, sagt Ökonom Matthias Günther vom Pestel-Institut, das im Auftrag des Bundesverbandes Deutscher Baustoff-Fachhandel (BDB) die Studie „Wohneigentum in Deutschland“ durchgeführt hat.
Immer weniger Münchner können sich Eigentum leisten
Die zentrale Erkenntnis: Immer weniger Menschen wohnen in den eigenen vier Wänden. „Die Eigentumsquote in Deutschland liegt nach aktuellen Zensuszahlen mittlerweile bei unter 44 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit 15 Jahren“, sagt Günther. Und München liegt hier weit unter dem Schnitt: Gab es 2011 der Studie zufolge 179 287 Eigentümer, betrug die Zahl im Jahr 2022 dann zwar 185 922. Statistisch sank die Eigentümerquote aber von 24,4 auf 23,3 Prozent, weil die Zahl der Mietwohnungen stärker wuchs. München ist damit in Sachen Eigentum Schlusslicht in Oberbayern (siehe Tabelle unten).
Altersarmut in München um 75 Prozent gestiegen – wegen der hohen Mieten
Die Zahl der Münchner Mieter stieg zwischen 2011 und 2022 von 555 200 auf 613 299 an. Dramatisch: In dieser Zeit stieg laut Pestel-Institut auch die Zahl der Altersarmut enorm an – eben weil es so viele Mieter gibt, die die steigenden Preise nicht mehr zahlen können. Teilweise, obwohl sie ihr Leben lang gearbeitet haben! Grundsicherung im Alter erhielten 2010 in München 10 683 Bürger, 2023 waren es 18 780. Ein Anstieg von 75,4 Prozent!
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Mieter drohen im Alter zunehmend sozial abzurutschen
„Altersarmut ist in der Regel Mieterarmut“, erklärt Matthias Günther. Die Gefahr, als Senior sozial abzurutschen, sei in den letzten Jahren um bis zu 15 Prozent gestiegen – in München aber noch einmal deutlich höher. Denn: „Hier sind die Preise für Eigentum am teuersten in ganz Deutschland.“ Und die Mieten sowieso!
Teilweise bleiben nur wenige Hundert Euro zum Leben
Zahlen verdeutlichen das Wohn-Dilemma: Hat ein Zwei-Personen-Haushalt 5694 Euro brutto (3914 Euro netto) verdient, bleiben als Rentner noch 2654 Euro (2389 netto) übrig. Gehen davon noch im Schnitt noch 800 Euro Miete plus 170 Euro kalte Betriebskosten ab, bleiben nur 1419 Euro übrig. Bei weniger Gehalt wird die Rechnung noch drastischer. Bei 1393 Euro Rente bleiben 665 Euro zum Leben. Und Experten wissen: In München ist das Problem noch größer.
Mietenkrise hat längst auch die Oberschicht erreicht
Die Mietenkrise habe „längst die Mittelschicht und auch Gutverdienende erreicht“, warnt Monika Schmid-Balzert vom Mieterverein. „Damit genug Geld zum Leben bleibt, sollte die Kaltmiete eigentlich 30 Prozent des Nettogehalts nicht übersteigen. In München ist das unrealistisch. Immer mehr Menschen geben sogar 50 Prozent ihres Einkommens oder mehr für die Miete aus.“ Einige müssten im Alter die Stadt verlassen – weil München zu teuer ist.
Fazit der Studie: „Wir müssen davon ausgehen, dass die Altersarmut steigt.“ Denn Käufer wird es kaum mehr geben: Um bis zu 33 Prozent seien die Preise angestiegen. Um einen Kredit abzubezahlen, seien bis zu 1900 Euro im Monat nötig – oft 50 Prozent des Nettoeinkommens. Die Zahl der Baugenehmigungen sei dagegen um bis zu 50 Prozent eingebrochen.
