„Wir dürfen unsere Kinder nicht digital abhängen!“

Digitale Tafeln für 55 Klassenzimmer? - Ebersberg plant Technik-Offensive an Grund- und Mittelschule

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Die Schulbank drückten die Ebersberger Stadträte in der Grund- und Mittelschule. pke
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Der Unterreicht an der Grund- und Mittelschule in Ebersberg soll digitaler werden. Für die Stadt bedeutet das: Es dürften hohe Kosten anrollen.

Ebersberg – Die Zusammenkunft am Dienstag begann mit einer Exkursion: die Mitglieder des Umwelt-, Sozial- und Kulturausschuss der Kreisstadt trafen sich zu ihrer letzten Sitzung nicht im Sitzungssaal des Ebersberger Rathauses, sondern in der Mittelschule in der Baldestraße. Erster Tagesordnungspunkt, bevor in der Schulbibliothek weiterberaten wurde: Besichtigung eines digitalen Muster-Klassenzimmers.

Statt grüner Schultafel war dort eine digitale Tafel, ein interaktives Tafelboard, angebracht, die dem Gremium vorgeführt wurde. Vom Lehrerarbeitsplatz aus kann diese bedient werden, ohne dass der Lehrer seinen Schülern den Rücken zuwenden muss.

Ein Mausklick ersetzt den Tafeldienst

Alle möglichen Geräte können angesteuert und die auf die Tafel übertragen werden. Vorbereitete Darstellungen etwa oder vorhandene Lernprogramme. Auch eine Dokumentenkamera kann live Abgefilmtes an die Wand projizieren. Und sogar die Schülergeräte können eingespielt werden. Das Beste: auch mit Hand kann auf die Tafeloberfläche geschrieben werden – so wie gewohnt. Ein Klick und alles ist gelöscht, der Tafeldienst damit überflüssig, niemand muss mehr eine analoge Tafel wischen.

Ebersbergs Mittelschule verfügt bereits über reichlich Technik. Aber, sie muss ausgebaut werden, will man mit der Zeit gehen. Die Stadt also muss investieren. Eine eigene Serverlandschaft, vier verschiedene Wlan-Netze – getrennt für Schüler und Lehrer – gibt es bereits, zwei Computerräume mit ca. 50 Rechnern, 70 Computer für die digitalen Klassenzimmer, 57 Lehrergeräte sowie 46 Leihgeräte für Schüler und Schülerinnen. Zukunftsvision: Interaktive Tafelboards könnten in 55 Klassenzimmern der Grund- und Mittelschule stehen. Doch dafür muss man die Geräte erst einmal kaufen.

Geräte kaufen alleine reicht nicht: Computer-Wartung bereitet Ebersberg Kopfzerbrechen

Damit aber nicht genug: Neben Software und Lizenzen – auch das kostet Geld –, braucht man vor allem Personal, das sich um die Technik kümmert, wie Schulleiter Alexander Bär verdeutlichte: „Jemand muss Support vor Ort leisten, installieren, reparieren, bei Problemen helfen.“ Derzeit erledigt das der Schulleiter selbst, sowie zwei IT-Mitarbeiter der Stadt, „die auch noch andere Aufgaben haben.“

Wesentlich also beim Ausbau der digitalen Schulwelt: man braucht zusätzliches Personal vor Ort für den technischen Support. Diese Aufgabe an die Hersteller der Geräte zu übertragen würde nicht funktionieren, da an der technischen Zusammenstellung immer Geräte verschiedener Hersteller miteinander verbunden sind. Auch externe Firmen zu beauftragen, mache keinen Sinn. „Wir haben das versucht, es endete jedes Mal in einem Fiasko,“ so Bär. Wichtig in der Schule: notwendige Reparaturen müssen unverzüglich erfolgen und nicht erst Tage später.

„Ja, wollen sie den gesamten Unterricht komplett digitalisieren?“ wurde Bär aus den Reihen der Räte gefragt. Nein, eine Mischung soll entstehen, das Beste aus zwei Welten verbunden werden.

Bürgermeister: „Wir dürfen unsere Kinder nicht digital abhängen!“

Kosten für Hardware, Software und zusätzlichem Personal stehen also an. Gehen wir mit der Zeit, oder nicht? Wollen wir eine moderne Schule in einer modernen Stadt? Das sind Fragen mit denen sich die Räte nun beschäftigen müssen. „Wir dürfen unsere Kinder digital nicht abhängen,“ bekannte schon mal Bürgermeister Ulrich Proske (parteilos) im Klassenzimmer. Die Frage sei vielmehr über welchen Zeitraum man die Modernisierung erstecken wolle.

Jürgen Friedrichs von den Grünen machte darauf aufmerksam, dass technische Systeme schnell altern, nicht nur die Hardware, auch Programme. Außerdem: die Sicherheit müsste immer wieder aktualisiert werden. Er wolle sich nicht gegen diese Entwicklung stellen, nur auf die Folgekosten aufmerksam machen, die „ganz schnell aus dem Ruder laufen können.“

Beeindruckt von der Vorführung des digitalen Klassenzimmers waren wohl alle. Nun müssen sich die Räte in Ruhe überlegen, welche Weichen sie für die Schule der Zukunft stellen wollen. Ein Beschluss wurde an diesem Abend noch nicht gefasst. Bei der Exkursion ging es um eine Informationsgrundlage dafür.

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