Porträt

Edi Hien aus Geretsried: Ein barocker Stehauf-Mann

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Sein täglich Brot: Mehr als vier Jahrzehnte berichtet Edi Hien für unsere Zeitung über Eishockey und Fußball. Der Stadt war das kürzlich einen Ehrenpreis (links unten im Bild) wert.

Edi Hien ist Sportreporter, Chronist und Gelegenheits-Schauspieler. Für sein Engagement im Geretsrieder Sport ehrte ihn die Stadt unlängst.

Geretsried – Ein Pferd, das grün-gelb-kariert angemalt durch Geretsried läuft, könnte kaum prominenter sein. Ihn kennt hier jeder, der in irgendeinerweise mit dem lokalen Sport zu tun hat – oder im Kino oder heimischen Fernsehsessel einen Blick für den Nebendarsteller hat: Eduard Hien ist und war vieles in einer Person: Zeitungsreporter, Eishockey-Funktionär, Gelegenheitsschauspieler, barocke Werbefigur, Bänker, Unikum und eine wandelnde Datenbank. Die Stadt zeichnete den 60-Jährigen kürzlich für seine Verdienste um den Geretsrieder Sport mit einem Ehrenpreis aus. Wir tun es an dieser Stelle mit einer kleinen Hommage an einen Mann, der humorvoll und optimistisch seinen Weg geht, obwohl ihm das Leben bisweilen dicke Prügel zwischen die Beine wirft.

Die größte Prüfung für Edi, wie ihn alle nennen, ist der Krebs, der ihm seit sieben Jahren zusetzt und gegen den er bemerkenswert stoisch kämpft. Hien hat sich früh dazu entschieden, offensiv mit seiner Krankheit umzugehen. Er „wollte nicht, dass die Leute irgendwann darüber tuscheln, wie fertig ich aussehe. Der Krebs gehört halt zu mir.“ Von den sieben Chemotherapien, den Bestrahlungen, schweren Operationen und Tagen im Koma hat er sich nicht unterkriegen lassen. Nur am Tag nach einer neuerlichen niederschmetternden Diagnose, gesteht er, „ist es schlimm. Da liege auch ich am Boden. Aber tags drauf ist es wieder okay. Dann mache ich weiter.“

Die Kraft und Struktur für seinen Alltag holt sich der gebürtige Münchner – seine Eltern zogen mit ihm und dem älteren Bruder Thomas ein Jahr nach seiner Geburt nach Geretsried – aus der journalistischen Arbeit im lokalen Sport. Mit 15 sah er sein erstes Eishockeymatch. Davon angefixt ließ sich Hien fortan kaum ein Match des TuS entgehen – was für eine Lokalzeitung, die auf emsige freie Mitarbeiter angewiesen ist, ein gefundenes Fressen war. Seinen ersten Bericht lieferte er 1976 ab, über ein Match in Miesbach. „Auswärtsspiele hatte der Merkur zuvor nie besetzt“, erinnert er sich.

Mehr als vier Jahrzehnte begleitet der 60-Jährige nun das Geretsrieder Eishockey und führt darüber bis ins Detail Statistiken. Parallel arbeitete er rund 20 Jahre als Stadionsprecher, war so noch näher dran an Mannschaft und Klubführung – und obendrein für jede Menge Anekdoten gut: Der Autor dieser Zeilen wurde Zeuge legendärer kulinarischer Duelle, die sich Hien mit seinem inzwischen verstorbenen Zeitnehmer Manfred „Magnus“ Klier lieferte. Was zu Lachshäppchen und Kaviar während einer laufenden Partie in der engen Sprecherkabine an Getränken gereicht wurde? Darüber breiten wir auch 20 Jahre später den Mantel des Schweigens.

Als aus dem TuS- das ESC-Eishockey wurde, blieb Hien natürlich am Ball. Und nicht nur dort. Weil er im TuS – „meine zweite große Familie“ – so gut vernetzt ist, übertrug unsere Zeitung ihm später die Reportertätigkeit im Sektor Fußball. Letzterer ist sein zweites Steckenpferd neben dem Hockey. Mitglied beim FC Bayern ist er schon seit 1974. In diesem Jahr „bin ich von „Mitgliedsnummer 1033 auf 983 vorgerückt“, sagt er grinsend.

Aufgrund seiner Krankheit erhält der gelernte Bänker, dessen Job – ein weiterer Schlag – wegrationalisiert wurde, als er keine 50 war, eine schmale Erwerbsminderungsrente. Zwei Betriebsrenten, Einkünfte aus einer kleinen Bürotätigkeit, der Reporterarbeit sowie aus Statisten- und Werbeaufträgen bessern die Kasse auf. Hiens Name steht in diversen Künstlerkarteien. Seinen ersten Auftritt hatte er bereits in den 1990ern in einem Spot für eine Fast-Food-Kette, der bundesweit in den Kinos lief. Hien mimte einen barocken Bayern im Lodenlook, der sich mit einem Chinesen in einem Bus einen kurzen Schlagabtausch liefert. Redaktionsintern brachte ihm das bayerisch-asiatische Duell den Kosenamen Hi-En ein.

Derlei Neckereien nimmt der 60-Jährige gelassen. Die Ehrung aber kürzlich während der Geretsrieder Sportlergala, zu der man den Ahnungslosen unter einem Vorwand gelockt hatte, die berührte ihn zutiefst, dreimal kräftig schlucken inklusive. „Ich bin da noch vom alten Schlag. Mir bedeutet so etwas sehr viel.“

peb

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