Mehrere Hubschrauber im Einsatz

Großer Rettungseinsatz am Eibsee: 16 Touristen brechen zeitgleich durchs Eis – Helfer fassungslos

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Aktuell sind mehrere Einsatzkräfte am Eibsee im Einsatz, nachdem Personen auf dem Eis eingebrochen sind.
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Am Eibsee lief am Donnerstagmittag ein größerer Rettungseinsatz, nachdem mehrere Personen quasi zeitgleich ins Eis eingebrochen sind.

Update um 18.30 Uhr am 6. März: Manuel Achtner ist immer noch fassungslos über diese geballte Ladung an Leichtsinnigkeit. „Früher sind die Leute mit den Flip-Flops auf die Berge hoch gerannt, heute laufen sie auf dünnen Eisflächen auf dem See umher.“ Der stellvertretende Technische Leiter des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK) ist seit über 25 Jahren aktiv bei der Wasserwacht.

Gruppe aus 16 Touristen betritt das Eis auf dem Eibsee – und bricht gleichzeitig ein

Doch so etwas wie am Donnerstagnachmittag hat er noch nicht erlebt. Eine Gruppe von 16 Touristen aus Indien betrat am Eibsee zeitgleich das Eis und brach dort ein. Binnen Sekunden kämpften einige von ihnen bei Wassertemperaturen um den Gefrierpunkt ums Überleben. Zum Glück hatten Achtner und seine Kameraden genau ein solches Szenario erst vor eineinhalb Wochen am Eibsee geübt und verinnerlicht. Denn sie wissen um die Leichtsinnigkeit vieler, die jetzt bei höheren Temperaturen und Sonnenschein im Frühling wider alle Vernunft Eisflächen betreten.

Wie am Donnerstag. Um 13.55 Uhr gingen bei der Integrierten Leitstelle in Weilheim mehr als 20 Notrufe ein, berichtet BRK-Pressesprecher Sohrab Taheri-Sohi. Die Rettungskräfte rückten umgehend aus. Vor Ort stellte sich heraus, dass mehrere Personen mit Teilen ihres Körpers unter die Eisdecke in das Wasser gerieten. Ein Großteil davon konnte sich aber selbst ans Ufer retten. Drei Beteiligte stürzten komplett in den eiskalten See. Auf den Unfall wurden Passanten am Eibsee-Rundweg aufmerksam. Zwei Männer, ein 37-Jähriger aus Thüringen und ein 43-Jähriger aus dem Landkreis, schnappten sich ein Boot und eilten zu Hilfe. Dem Duo gelang es, die drei Personen – zwei Männer im Alter von 24 und 25 Jahren sowie eine 27-jährige Frau – aus dem Wasser zu befreien.

20 Notrufe auf einmal: 16 Personen brechen durchs Eis auf dem Eibsee

Nach der Bergung suchten die Einsatzkräfte den See weiter ab. „Sie haben weiter gemacht, obwohl anzunehmen war, dass bereits alle Menschen geborgen worden waren“, sagte Lisa Maier, Polizeikommissarin beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd. Der Rettungseinsatz war umfangreich: Mehrere Hubschrauber, sieben Rettungswagen, zwei Krankentransportwagen, ein Notarzteinsatzfahrzeug sowie fünf Schnelleinsatzgruppen der Wasserrettung waren vor Ort.

Sie positionierten sich auf den Parkplätzen unterhalb der Seilbahn-Talstation. Zudem unterstützten eine Schnelleinsatzgruppe für Betreuung sowie Teams der psychosozialen Notfallversorgung die Betroffenen und Einsatzkräfte. Ein Leiter der Bergrettung koordinierte den Hubschrauberlandeplatz, während die Sanitätseinsatzleitung des BRK den Gesamtüberblick behielt.

Eibsee beliebtes Ziel für Touristen: Bilder zeigen, wie zahlreiche Menschen die Eisfläche betraten

Bilder einer Webcam des nahegelegenen Eibsee-Hotels zeigten, dass trotz frühlingshafter Temperaturen zahlreiche Menschen das vermeintlich sichere Eis bis weit in den See hinein betraten – später waren dort auch die Rettungskräfte im Einsatz mit ihren Booten und Seilsicherungen zu sehen. Gerade während der Faschingsferien zieht der Eibsee viele Ausflügler und Touristen an. Am späten Nachmittag waren die Rettungsmaßnahmen vor Ort weitgehend abgeschlossen, die Betreuung der Betroffenen dauert jedoch an. Nun untersuchen Ermittler der Polizei, wie es zu dem Unglück kommen konnte – und ob Fahrlässigkeit eine Rolle spielte.

Update um 15.57 Uhr am 6. März: Laut Lisa Maier, Polizeikommissarin beim Polizeipräsidium Oberbayern Süd, sind gegen 14 Uhr über ein dutzend Menschen auf dem Eibsee durch das Eis eingebrochen. Die meisten von ihnen konnten sich selbst ans Ufer retten, drei Personen mussten durch die Einsatzkräfte aus dem Wasser geborgen werden. Eine Person ist Maier zufolge schwer verletzt und musste vor Ort reanimiert werden.

„Noch immer sind mehrere Hubschrauber und zahlreiche Einsatzkräfte vor Ort. Sie suchen das Wasser noch immer ab, obwohl man davon ausgeht, dass inzwischen alle Menschen geborgen worden sind“, sagt Maier. Diese Aussage deutet darauf hin, dass die Verunfallten vermutlich nicht gemeinsam auf dem zugefrorenen See unterwegs gewesen sind, sondern es sich bei ihnen um mehrere Gruppen gehandelt haben muss.

Mehrere Menschen brechen in See ein – trotz voriger Warnungen der Wasserwacht

Die Wasserwacht warnt im Kreis Garmisch-Partenkirchen schon seit Wochen davor, die zugefrorenen Seen zu betreten. „Ich will den Zustand des Eises vor Ort aus der Ferne nicht bewerten“, sagt Lisa Maier. „Aber zuletzt hatten wir mehrere Tage wärmere Temperaturen und auf Webcam-Bildern von heute erkennt man entlang des Ufers deutlich Seewasser.“ Die Verunfallten haben grob fahrlässig gehandelt, als sie die übrigen Eisflächen betreten haben. 

Dem ILS-Sprecher zufolge waren die Betroffenen zuvor ans Ufer gebracht worden, teilt die Deutsche Presseagentur mit. Es werde momentan unmittelbar niemand mehr vermisst. Das könne sich bei einem laufenden Einsatz aber auch ändern. Nach Angaben des Sprechers waren unter anderem drei Rettungshubschrauber, Wasser- und Bergretter im Einsatz.

Webcam-Bilder belegen riskante See-Spaziergänge – wenig später sind die Rettungskräfte zu sehen

Aufnahmen einer Wetter-Webcam an einem nahegelegenen Hotel zeigten am frühen Nachmittag, dass mehrere Menschen trotz Temperaturen deutlich über dem Gefrierpunkt und bei strahlendem Sonnenschein auf der zugefrorenen Fläche unterwegs waren. Später waren dort auch Rettungskräfte zu sehen. 

Originalmeldung 14.48 Uhr am 6. März: Grainau (Landkreis Garmisch-Partenkirchen) – Ein größerer Rettungseinsatz ist aktuell am Eibsee in Grainau im Gange. Laut ersten Meldungen sind mehrere Rettungs- und Einsatzkräfte vor Ort, um bei einem Unglück zu helfen, das sich heute Nachmittag gegen 14 Uhr ereignet hat.

Mehrere Personen, die sich auf der Eisfläche des Sees befanden, sind laut Polizei in das dünne Eis eingebrochen und ins Wasser gestürzt. Zur Unterstützung der Rettungsmaßnahmen ist auch ein Polizeihubschrauber im Einsatz. Die genauen Verletzungsgrade der betroffenen Personen sind derzeit noch unklar, da weitere Details zu ihrem Zustand momentan nicht bekannt sind.

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Großeinsatz am Eibsee: Rettungskräfte versuchen Personen zu bergen

Die Rettungskräfte arbeiten mit Hochdruck, um die betroffenen Personen schnellstmöglich zu bergen. Die Polizei warnt erneut vor den Gefahren des Betretens von zugefrorenen Gewässern, da die Eisschicht oft nicht tragfähig genug ist.

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