Bauarbeiten auf dem Karl-Lederer-Platz

Ein Besuch am derzeit wohl lautesten Ort in Geretsried

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Hier entsteht die Tiefgarage: Dr. Christoph Gottanka ist Projektleiter auf der Baustelle am Karl-Lederer-Platz. Vor etwa einem Jahr haben die Arbeiten begonnen. 2022 soll das Großprojekt fertig sein.
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Seit einem Jahr ist das Geretsrieder Zentrum eine Großbaustelle. In dieser Zeit hat sich auf dem Karl-Lederer-Platz schon einiges getan, aber viele Arbeiten stehen noch bevor. Was gerade passiert, zeigt ein Besuch am derzeit wohl lautesten Ort der Stadt.

Geretsried – Langsam, aber unermüdlich dreht sich die gelbe Kranspitze in fast 70 Metern Höhe über dem Karl-Lederer-Platz. Wo die Geretsrieder noch vor einem Jahr ihr Auto abgestellt haben und zum Einkaufen oder Eisessen spaziert sind, klafft heute ein riesiges Loch. „Größer als ein Fußballfeld“, sagt Dr. Christoph Gottanka. Der 33-jährige Projektleiter der Firma Krämmel steht an der provisorischen Treppe, die fünf Meter nach unten führt. „Hier entsteht die Tiefgarage.“

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Immer wieder tönt ein lautes Zischen aus der Grube. Ein Bauarbeiter mit blauer Joppe und gelbem Helm spritzt mit einem Luftkompressor die vor ihm liegenden Baustahlgitter sauber, die zur Verstärkung der Bodenplatten eingebaut werden. „Diese Bewehrungsmatten sind industriell vorgefertigt und können wie ein Teppich ausgerollt werden“, erklärt Gottanka. „Das letzte Drittel fehlt noch.“ An der Seite ist bereits der Aufzugkern für die barrierefreie Verbindung zur Oberfläche betoniert.

Tiefgarage soll Platz für 400 Autos bieten

Die Arbeiten an der Tiefgarage, die einmal Platz für rund 400 Autos bieten soll, haben im Spätsommer 2017 begonnen. „Erst wurden Stahlträger in den Boden gerammt, dann die Grube ausgehoben. Außerdem mussten sogenannte Überleitungsdücker eingebaut werden, die das Grundwasser unter der Baugrube durchleiten und den natürlichen Wasserstrom aufrecht erhalten“, erklärt Gottanka. Anfangs hätten viele Anwohner Angst vor Wasserschäden gehabt. Derlei Probleme habe es allerdings keine gegeben. „Es war alles tadellos geplant. Das hat kürzlich das Wasserwirtschaftsamt bestätigt.“

Trotzdem sind auf der Baustelle Kleinigkeiten nicht nach Plan gelaufen. Zum Beispiel wurde das Rohr einer provisorischen Wasserleitung bei Abbrucharbeiten leicht beschädigt, sagt Gottanka. Außerdem ist bei einem Sturm ein Bauzaun umgefallen und hat einen Gartenzaun leicht zerkratzt. „Darüber führe ich eine Liste, die nach Bauende abgearbeitet wird“, erklärt der Projektleiter. Das gehört zum Geschäft. „Mei, es ist halt eine Baustelle.“

Rund 45 Mann arbeiten täglich auf der Baustelle

Rund 45 Mann arbeiten dort täglich, und in einem Jahr hat sich einiges getan. Gottanka deutet auf graue Gebäudeteile zwischen orangefarbenen Holzgerüsten neben der Grube. Dort, wo im vergangenen Frühjahr die Häuserzeile 14-20 abgerissen wurde, entsteht jetzt das Wohn- und Geschäftshaus „Centrum 20“ der Projekt KLP UG. Im ersten Stock ragen schon einige Wände in die Höhe. Vier weitere Etagen fehlen noch. Rechts an das Gebäude grenzt das Erdgeschoss des „Puls G“ an, das auch als Wohn- und Geschäftshaus konzipiert ist. „Es wird immer etwas versetzt gebaut“, sagt Gottanka. „Die Stahlbaukonstruktion wächst schrittweise nach oben.“ Im Sommer sollen der Ausbau stattfinden und Leitungen für Wasser, Heizung sowie Lüftung installiert werden.

Die Tiefgarage sowie die beiden Gebäude sind die ersten zwei Bauabschnitte. Bald kommt mit der Rampe, die die Fahrzeuge zu dem unterirdischen Parkplatz führt, der dritte Abschnitt hinzu. Dafür soll ein fünfter Kran aufgestellt werden, erklärt Gottanka. Gerade helfen vier Stück, die Stahlgitter, Metallstäbe, Container und andere Materialien auf der Baustelle von A nach B zu bewegen.

Kein Bürger kommt zur Sprechstunde

Mit ohrenbetäubendem Brummen rückt ein oranger Laster an. Gottanka muss seinen Stehplatz neben der Grube räumen. Gutes Timing, denn jetzt steht die Bürgersprechstunde an, die einmal im Monat stattfindet. Auf dem Weg zu den Ratsstuben geht Gottanka an seinem Auto vorbei und tauscht die matschverschmierten Stahlkappenschuhe gegen dunkelbraune Wildlederstiefel. Im Gasthaus sitzt der Projektleiter allein im reservierten Separee. An diesem Tag nimmt kein Geretsrieder das Angebot wahr, Fragen oder Anliegen zur Baustelle anzubringen. Die letzten beiden Male sei ebenfalls niemand gekommen, sagt Gottanka. „Das ist zwar schade, aber auch ein Zeichen: Anscheinend ist gerade alles in Ordnung.“

Dass es in den nächsten Monaten vermutlich nicht so ruhig bleiben wird, davon geht Gottanka aus. Diesen Monat werden weitere Straßen zu Sackgassen, außerdem wird die Tiefgarage erweitert. „Wenn sich die Verkehrsführung ändert, ist mehr los“, sagt der Projektleiter. Bislang habe er nur positive Rückmeldungen erfahren. Einzelne interessieren sich für technische Details, grundsätzlich „freuen sich die Bürger über die Kommunikationsmöglichkeit“. Zum Schimpfen sei noch niemand gekommen. Die Geretsrieder haben sich wohl mit ihrem Großprojekt arrangiert.

mh

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