VonChristina Jachert-Maierschließen
Bis sich im neuen Jodschwefelbad die Wannen füllen, ist noch viel zu tun. Aber beim Rundgang durch die Baustelle lässt sich schon erahnen, wie Wiessees Flaggschiff aussehen wird.
Bad Wiessee – Wo im Frühjahr 2020 ein Brunnen leise plätschern wird, dröhnt Techno. Die Handwerker haben einen engen Zeitplan und feuern sich mit lauter Musik an. Ein Ort stiller Entspannung wird das neue Jodschwefelbad der Gemeinde Bad Wiessee nach der Eröffnung, also voraussichtlich ab März 2020 sein. Aktuell geht’s hier betriebsam zu. Der Estrich ist gerade getrocknet, eine ganze Schar Handwerker hämmert und schraubt.
„Es geht gut voran“, sagt Geschäftsführerin Renate Zinser. Es fehlt noch viel, aber vieles ist auch schon sichtbar. Und weil eine große Zahl von Neugierigen einen Blick ins Innere erhaschen wollen, bietet die Gemeinde am kommenden Samstag erstmals Führungen durch die Baustelle an.
Ein früher Zeitpunkt. Noch sind keine Fliesen gelegt, eine Musterkabine wird es erst kurz vor Weihnachten geben, überall baumeln lose Kabel. Bis der 7,6 Millionen Euro teure Bau in Betrieb gehen kann, ist noch sehr viel zu tun. Aber es braucht nur noch wenig Fantasie, um sich die neue Gesundheitsoase vorzustellen. Es ist der Zuschnitt, bei dem sich die Bade-Kabinen um einen Innenhof und Ruheplätze scharen, die geschickt komponierten Sichtachsen und das Spiel mit dem Licht, die das Werk des Star-Architekten Matteo Thun so besonders machen.
Jodschwefelbad Bad Wiessee: Themen der Architektur sind Licht und Wasser
„Hier drin ist es immer hell, auch bei trübem Wetter“, sagt Zinser. Licht und Wasser, das sind die Themen der Jodschwefelbad-Architektur. Große Oberlichter fangen jeden Sonnenstrahl ein, helles Holz lenkt das Licht durch die Räume. Die edlen Holzwände aus Weißtanne sind schon gesetzt, behandelt werden sie nur mit einem UV-Schutz. „Es sind alles natürliche Materialien“, erklärt Zinser. Auch bei Belüftung und Kühlung setzen die Planer auf die Natur. Eine Klimaanlage gibt es nicht, wohl aber ein ausgetüfteltes System, um die natürliche Kühle der nächtlichen Bergluft zu nutzen. Nachts öffnen sich Fenster und schließen dank feiner Fühler selbsttätig, wenn es regnet. Zudem sorgen Belüftungsrohre für Frischluft. Die Motoren zur Steuerung sind verkapselt, damit sie den Schwefeldämpfen standhalten. Die schweflige Luft stellt die Planer insgesamt vor Herausforderungen. „Schwefel zerfrisst Metall“, weiß Zinser. Von der Armatur bis zum Aufzug müssen alle im Badehaus verwendeten Materialien auf die besondere Belastung ausgelegt sein. Riechen wird es im Haus nach Holz und Schwefel. „Den Schwefelgeruch nimmt man aber nach ein paar Minuten nicht mehr wahr“, berichtet Zinser.
Wiesseer Badehaus bietet Rahmen für alte Badetradition
Von einem japanischen Badehaus war anfangs oft die Rede. „Aber es wird ein Wiesseer Badehaus“, sagt Zinser. Das Holz kommt aus der Region, ebenso der Baum, der in den Innenhof gesetzt wird. Aktuell sind drei Exemplare in der engeren Wahl. Neben dem Baum wird Wasser über einen Brunnenstein laufen. Vor allem aber bietet das Haus den passenden Rahmen für die alte Wiesseer Badetradition. „Wir wahren die Intimsphäre“, erklärt Zinser. Der Badegast muss nicht nur vom Handtuch umschlungen über Flure wandern, sondern bleibt stets vor Blicken geschützt. Auch dann, wenn es zur Physiotherapie und zur Massage geht. Die Räume hierfür sind im ebenfalls hellen Untergeschoss angesiedelt. Zudem beherbergt der Neubau eine Arztpraxis mit eigenem Eingang. Wer hier einzieht, ist noch offen.
Teure Technik im Keller des Jodschwefelbads Bad Wiessee
Was das Badehaus so teuer macht – 7,6 Millionen Euro sind veranschlagt –, ist im Keller zu besichtigen. Dort befindet sich die Technik. Dicke Rohre führen heißes und kaltes Jodschwefelwasser, weitere Rohre heißes und kaltes Trinkwasser. Der Rohrdurchmesser des Heilwassers muss groß sein, damit sich die 14 Wannen flugs befüllen lassen. „Wir können nicht jedes Mal zehn Minuten warten, bis die Wanne voll ist“, erklärt Zinser.
Sie tüftelt schon am neuen Schichtplan. Sieben Tage die Woche wird das Badehaus geöffnet sein, je zehn Stunden lang. Die Geschäftsführerin berechnet gerade, auf wie viel Mitarbeiter das 18-köpfige Team wachsen muss, um den Betrieb zu stemmen. Erste Termin werden voraussichtlich ab März gemacht. „Die Nachfrage“, freut sich Zinser, „ist jetzt schon groß.“
Führungen
finden am Samstag, 26. Oktober, und am Samstag, 9. November, um 11 Uhr statt. Dauer: 30 Minuten. Die Teilnehmerzahl ist auf zehn Personen begrenzt. Festes Schuhwerk ist nötig, der Rundgang nicht barrierefrei. Anmeldung nur telefonisch bei der Tourist-Info Bad Wiessee, 0 80 22 /8 60 30.
Lesen Sie auch: Erinnerung an eine Sommerfrische in Haus Jungbrunnen: Auf den Spuren von Adrian Stoop
Gemeinde Bad Wiessee kauft komplettes Jodbad-Areal und Heilquelle
