Eigentlich wollte die Feuerwehr Enzelhausen am Wochenende einfach nur ihr Jubiläum feiern. Doch dann durchkreuzte ein zwölfstündiger Dauereinsatz den Partyplan.
Rudelzhausen/Tegernbach – Es war alles perfekt durchgeplant und vorbereitet für die große Party der Feuerwehr Enzelhausen, die am vergangenen Wochenende ihr 150-jähriges Bestehen feiern durfte: Das Bierzelt stand, der Schweinsbraten war punktgenau gegart und die Gäste hatten eine Riesengaudi mit den unterschiedlichsten Vorführungen der Blaulicht-Organisationen. Am Samstagnachmittag gegen 16 Uhr allerdings wendete sich das Blatt, denn ein gewaltiges Unwetter zog über das Gemeindegebiet Rudelzhausen und ließ sprichwörtlich das benachbarte Tegernbach absaufen. Für zahlreiche Floriansjünger und vor allem den Patenverein der Enzelhausener Feuerwehr hieß es deshalb: die Nacht zum vergangenen Sonntag durchmachen, allerdings nicht feiernd, sondern knietief im Wasser stehend.
Unwetterfront am Samstag mit Starkregen und Sturm
Während am Freitag zum Start des Jubiläumswochenendes mit der Bierzeltparty „Hall of Flames“ noch alles in bester Ordnung war, zeigten sich die Organisatoren der Enzelhausener Wehr am Samstagnachmittag durchaus besorgt. Der Grund der latenten Nervosität: Die Wettermeldungen kündigten eine Unwetterfront mit Starkregen und Sturm an. Dabei hatte das riesige Angebot auf der Rudelzhausener Festwiese für einen großen Besucheransturm gesorgt – unter anderem mit Zielspritzen für die Kinder, dem 30 Meter hohen Kran des THW Freising, einem Parcours mit Gewinnen und natürlich der Möglichkeit, die unterschiedlichsten Fahrzeuge der Feuerwehren mal ganz genau unter die Lupe zu nehmen.
Der Spaß für Jung und Alt hielt jedoch nur kurz an, denn bereits ab 15 Uhr zog sich der Himmel zu, kurz vor 16 Uhr wurden dann zügig sämtliche Gegenstände eingesammelt, die es möglicherweise davonwehen hätte können – wie auch die stark frequentierte Hüpfburg. Schnell war dann klar: Hier braut sich etwas ganz Ungutes zusammen. Die meisten Besucher eilten nach Hause, andere suchten Schutz im Bierzelt.
Das angekündigte Unwetter kam dann nämlich von einer Sekunde auf die andere und verwandelte im Handumdrehen das Areal um das Bierzelt herum in einen eindrucksvollen Stausee. Noch schlimmer erwischte es aber die Heimat der Enzelhausener Paten: In Tegernbach, und das machte schnell die Runde im Bierzelt, war Land unter. Für die Tegernbacher Floriansjünger war damit die Party vorbei – und das für sage und schreibe über 12 Stunden.
Erinnerungen an das Hochwasser von 2021: „Das war ein einziger großer Einsatz“
Im Ortskern von Tegernbach waren die Straßen aufgrund des Starkregen-Ereignisses nämlich teilweise sogar für die Feuerwehr unpassierbar geworden, zudem überschlugen sich die hereinkommenden Meldungen von vollgelaufenen Kellern. „Das war ein einziger großer Einsatz“, erklärte Gruppenführer André Weller dem FT. Heißt im Klartext: Abgerückt wurde gar nicht mehr. Um die Häuser vor Hochwasser zu schützen, wurde zügig im Kindergarten Tegernbach eine Sandsack-Füllstation eingerichtet, was Weller an das massive Hochwasser im Jahr 2021 erinnerte.
Mit der Hilfe von anderen Wehren und zahlreichen Privatpersonen wurden Sandsäcke geschleppt und damit die Türen der betroffenen Anwohner gesichert. Die Überflutung der Straßen, so Weller, kam überraschenderweise in zwei Wellen – kaum waren die Straßen befahrbar, standen die Helfer so zum zweiten Mal knietief im Wasser. Was auch schnell klar war: Die Ortsdurchfahrt Tegernbach musste gesperrt werden. Was diese Sturzflut mit Autos anrichten konnte, zeigte sich bei einem geparkten PKW – dieser wurde nämlich von der Parkbucht mitten in die Straße geschwemmt.
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Öltanks kippen aus: Feuerwehr muss stundenlang Heizöl aus Keller pumpen
Dann kam es allerdings zu einem Ereignis, mit dem die Floriansjünger nicht gerechnet hatten: In einem Keller kippten Öltanks um und das Heizöl lief aus. Mit der Unterstützung der Ölabwehr Altenerding wurden über einige Stunden hinweg insgesamt rund 8000 Liter Öl-Wasser-Gemisch aus dem Keller gepumpt, wie auch rund 2000 Liter Restöl aus den Tanks. Aufgrund der Gefahrenlage mussten dazu die Floriansjünger in Schutzanzüge schlüpfen, wie Weller erklärte.
„Das hat uns heuer vermutlich den Arsch gerettet!“
Im ganzen Unglück dieser Nacht gab es jedoch auch einen Glücksfall. Erst vor kurzem war nämlich im Bereich des Golfplatzes an der Nandlstädter Straße ein Hochwasser-Aufnahmebecken von der Gemeinde fertiggestellt worden. André Weller fand diesbezüglich klare Worte: „Das hat uns vermutlich den Arsch gerettet!“
Dauereinsatz über zwölf Stunden hinweg: Jubiläum lief weiter
Nach über zwölf Stunden konnte dann der gigantische Dauereinsatz um halb sechs Uhr morgens endlich beendet werden. Ins Bett ging es aber für die Tegernbacher Floriansjünger und die unterstützenden Kräfte da noch lange nicht, denn in Rudelzhausen lief das Jubiläums-Programm nämlich weiter – mit der Ankunft der verschiedenen Wehren, der Messe im Bierzelt und dem Festsonntag per se. „So kennt man uns“, betonte Kreisbrandrat Manfred Danner: „Vorhin noch beim Einsatz im Dreck gestanden und jetzt geduscht, g´schneizt und kampelt wieder da!“
Lob gab es auch von der Vize-Landrätin Anita Meinelt: „Bei den bayerischen Feuerwehren ist die Menschlichkeit erhalten geblieben“. Seinen großen Dank sprach Bürgermeister Michael Krumbucher all jenen aus, die in den vergangenen Stunden für ein sicheres Gemeindegebiet gesorgt hatten. Am Sonntag war erfreulicherweise auch wieder die Überschwemmung vor dem Festzelt größtenteils verschwunden – jene Überschwemmung, die am Samstag noch für einen besonderen Shuttle-Service der Feuerwehr gesorgt hat. Weil nämlich die Partygäste, welches das Konzert der Band „Volle Power“ besuchten, nicht mehr trockenen Fußes das Zelt hatten verlassen können, wurden sie per Shuttle-Service für ein kurzes Zeitfenster von rund 3 Stunden durch den kleinen See chauffiert.
Weiter ging es dann am Sonntag: Ab 7 Uhr morgens spielten die Schlossbergmusikanten die Vereine ins Festzelt, anschließend fand eine Zeltkirche mit einer wunderbaren Predigt von Pater Jaczek statt, bevor es zum Mittagstisch mit einer reichlichen Auswahl an kulinarischen Schmankerln ging. Die bestellten, aber für den ausgefallenen Festumzug dann doch nicht benötigten Musikkapellen „Marktkapelle Au“, „Jugend- und Stadtkapelle Mainburg“ und der „Spielmannszug der FF Freising“, unterhielten während des Abbaus der Schlossbergmusikanten und dem Aufbau der Partyband „Zruck zu Dir“ formidabel die zahlreich erschienen Gäste. Die Band „Zruck zu Dir“ selbst hat am Sonntagnachmittag bis zum Abend hin dann noch für eine gewaltige Stimmung gesorgt – unter anderem mit einer „Bobfahrt“ und anschließender Polonaise mit einer geschätzten Länge von bis zu 200 Meter.
Was der Feuerwehr Enzelhausen damit am Sonntag auf jeden Fall gelungen ist: Ein überaus versöhnlicher Abschluss für ein arg verregnetes Jubiläums-Fest, das aber durch viel Engagement und Herzblut der Enzelhausener Floriansjünger doch zu einem großen Erfolg geworden war.
Richard Lorenz
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