VonStephen Hankschließen
Schaulaufen der CSU-Prominenz beim Neujahrsempfang des Kreisverbands auf Gut Kaltenbrunn: Markus Söder hielt die Festrede, und es gab viel Lob für zwei Organisationen.
Landkreis – Wenn die CSU einlädt, kommen sie alle. Mit und ohne Parteibuch. Denn der Neujahrsempfang des Kreisverbands gilt schon längst als eines der gesellschaftlichen Ereignisse im Landkreis. Ohne Politik geht’s freilich nicht, und so stimmte am Sonntag Parteichef und Ministerpräsident Markus Söder das Publikum aufs Landtagswahljahr ein. Er war bereits 2020 zu Gast. Während des offiziellen Teils war vor allem eines gefragt: Ausdauer.
Er wolle die Begrüßung nicht zu sehr in die Länge ziehen, schließlich sei es ein Stehempfang. „Die, die ich nicht namentlich erwähne, sind ganz besonders herzlich willkommen“, sagte der Kreisvorsitzende und Bundestagsabgeordnete Alexander Radwan. Ein geschickter Schachzug. Denn den Hauptredner hatte er, wie er später selbst belustigt einräumte, glatt vergessen.
Söder wünscht vor allem eines: Gesundheit
Markus Söder ließ sich nichts anmerken. Er, der eingangs beim Betreten der Tenne auf Gut Kaltenbrunn bei Gmund schon eifrig Hände geschüttelt hatte, umarmte wenig später von der Bühne aus das gesamte Publikum und wünschte den Gästen zum Jahresauftakt vor allem eines: Gesundheit. „Denn gesund“, sagte er, „übersteht man jede Krise besser als krank.“
Die großen Krisen – sie waren auch das zentrale Thema seiner Festrede. Rund 50 Minuten lang unternahm er einen Ritt durch die großen politischen Themen dieser Zeit und sparte nicht mit Kritik an der Bundesregierung. Es ging um Corona und Krieg, um Atomkraft und Erneuerbare Energien, um Länderfinanzausgleich und Erbschaftssteuer, um Landwirtschaft und technisches Knowhow. „Stark, sicher, sozial und smart“ sei der Freistaat, so Söder, ein wundervolles Land: „Und das soll in Zukunft auch so bleiben.“
Er ist einer unserer besten Landräte, wahrscheinlich auch einer unserer schönsten. Der George Clooney vom Tegernsee.
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Trachtenhut bringt Selbstverständnis zum Ausdruck
Der Ministerpräsident verließ die Bühne mit einem Trachtenhut. „Er ist im Oberland nicht Dekoration oder nur Schutz vor Unwetter, er bringt auch das Selbstverständnis zum Ausdruck“, erklärte Radwan. Er möge ihn künftig auch bei Sitzungen in Berlin tragen, „damit die wissen, was die Stunde geschlagen hat“. Bei der Erbschaftssteuer zum Beispiel. Einmal mehr bezeichnete Söder sie als „zutiefst unfair“ und zeigte sich überzeugt, gute Argumente für eine Klage beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe zu haben. Radwan liegt hier mit ihm auf einer Linie: „Es droht nicht nur ein Ausverkauf der Heimat“, warnte er. Würden Einheimische gezwungen, ihr Eigentum zu verkaufen und wegzuziehen, leide auch das Ehrenamt.
Arbeit der Tafeln und des Krankenhaus-Freundeskreises gewürdigt
Das Engagement der vielen Freiwilligen zu würdigen, war an diesem Vormittag auch Intention der CSU. Nicht nur, dass die Partei wieder viele Vertreter von Vereinen und Hilfsorganisationen zum Neujahrsempfang eingeladen hatte, zwei Organisationen wurden auch besonders gewürdigt. Landtagspräsidentin und Stimmkreisabgeordnete Ilse Aigner würdigte die Arbeit der Tafeln im Landkreis und bat die Gäste um Spenden in die aufgestellte Box. Wie nötig sie Unterstützung haben, skizzierte Gerhard Berberich von der Holzkirchner Tafel. Der Bedarf nehme zu, die Logistik sei aber zunehmend eine Herausforderung. „Es gibt Lebensmittel im Überfluss, aber die Tafeln in Deutschland konnten im vergangenen Jahr 3000 Tonnen nicht annehmen, weil Zwischenlager fehlen“, berichtete er.
Kostantinidis: „Wir Griechen können Geld einsammeln“
Landrat Olaf von Löwis wiederum dankte dem Freundeskreis des Krankenhauses Agatharied und hier speziell dessen Vorsitzendem Stavros Kostantinidis für seine Arbeit. Seit Gründung vor 18 Jahren habe der Verein die Klinik bereits mit rund zwei Millionen Euro unterstützt. Kostantinidis als „Chef-Netzwerker“ komme dabei seit 2013 eine wesentliche Rolle zu. „Wir Griechen können Geld einsammeln“, bekannte der Münchner Rechtsanwalt schmunzelnd, ehe er sich nach dem fast zwei Stunden dauernden offiziellen Teil unter die Leute mischte. Denn das, so Gastgeber Radwan eingangs, sei die eigentliche Stärke des Neujahrsempfangs und während der Corona-Krise schmerzlich vermisst worden: „Die Begegnung, das Gespräch und der Austausch.“
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