VonGabi Wernerschließen
Vor gut einem Jahr hat Kreuth das Siegel Bergsteigerdorf verliehen bekommen. Für die Touristiker lässt sich das Thema prima vermarkten. Und der Bürgermeister sagt: „Es war der Schritt in die richtige Richtung.“
Kreuth – Seit Juli 2018 darf sich Kreuth zu einem erlesenen Kreis zählen: Es ist eines von insgesamt nur vier Bergsteigerdörfern Deutschlands. Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat der südlichsten Tal-Gemeinde den Titel verliehen und hat ein Auge darauf, dass auch künftig die Auflagen eingehalten werden, die den Bergsteigerdörfern zugrunde liegen. Es gilt: weg vom aufwendigen Spaß-Tourismus hin zu einem naturverträglichen Bergerlebnis.
Hier findet Sie den Bericht und die Bilder von der Siegel-Verleihung auf der Königsalm
„Es ging uns nicht vorrangig darum, mehr Gäste zu bekommen“, stellt Bürgermeister Josef Bierschneider (CSU) klar. Vielmehr solle das Siegel dazu beitragen, die Lebensgrundlage in Kreuth für kommende Generationen zu sichern. „Es geht um die Menschen, die hier leben“, betont der Rathaus-Chef.
Trotzdem greifen die verantwortlichen Touristiker das Thema natürlich gerne auf. Das Siegel Bergsteigerdorf sei kein bloßer „Marketing-Humbug“, sondern stehe für ehrliche und gelebte Werte, sagt Thomas Baumgartner, Marketing-Leiter bei der Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT). „Viel mehr Authentizität kann man gar nicht bekommen“, erklärt der Fachmann, der die Entwicklung durchweg positiv sieht.
Auch die Statistik spricht für sich. Sowohl bei den Gäste- als auch bei den Übernachtungszahlen gab’s für Kreuth im vergangenen Jahr ein deutliches Plus. Ob die guten Zahlen ausschließlich auf den Bergsteigerdorf-Hype zurückzuführen sind, lässt sich schwer sagen. Aber: „Das mediale Echo nach der Verleihung war groß, das haben wir gut nutzen können“, meint Baumgartner.
Kreuth will nun den eingeschlagenen Weg konsequent weiter gehen. Dazu gehört es auch, die Philosophie der Bergsteigerdörfer mit Leben zu füllen. Erste Schritte wurden hier bereits getan, sagt Bierschneider und nennt als Beispiele den Verzicht auf die Silvester-Böllerei zur vergangenen Jahreswende und die Einführung des Bergsteigerbusses. Weitere Projekte sind in Arbeit. So soll etwa im Rahmen der Förderung des Naturtourismus ein Umwelt- und Informationsgarten auf dem Gelände des ehemaligen Friedhofs in Riedlern entstehen. Verschiedene Pflanzbereiche „sollen das Bewusstsein für den Erhalt der Natur schärfen“, sagt Bierschneider. Schon in Kürze sei außerdem ein Runder Tisch mit den örtlichen Lebensmittelproduzenten geplant. „Ziel ist es, die regionale Lebensmittelproduktion weiter zu stärken.“
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Zusätzliche Wanderwege will die Gemeinde Kreuth nicht ausweisen, wohl aber die bestehende Infrastruktur sorgsam pflegen und erhalten. „Wir haben letztes Jahr eigens einen neuen Mitarbeiter für den Bauhof eingestellt, der sich schwerpunktmäßig um den Unterhalt der Wanderwege kümmert“, berichtet Bierschneider. Auch eine Schilder-Kampagne ist bereits beauftragt. Neue Tafeln sollen im Bergsteigerdorf Kreuth die Wanderer dafür sensibilisieren, auf den Wegen zu bleiben und respektvoll mit den Tieren und den arbeitenden Menschen auf den Almen umzugehen. „Es sind viele kleine Schritte, die wir hier machen“, erklärt Bierschneider.
Wo viele Menschen in den Bergen unterwegs sind, muss natürlich auch der Rettungsdienst funktionieren. Gerade im Tegernseer Tal ist das eine große Herausforderung, die ehrenamtlichen Bergwacht-Kräfte stoßen hier regelmäßig an ihre personellen Grenzen und brachten sogar schon die Einrichtung einer hauptamtlichen Stelle ins Gespräch. Bierschneider sieht sein Bergsteigerdorf hier durchaus in der Verantwortung. Es gebe zwar noch keine abschließende Lösung, räumt der Rathaus-Chef ein, aber man sei bereits mit Vertretern der Bergwacht und den anderen Tal-Gemeinden im Gespräch und wolle auch das zuständige Innenministerium mit ins Boot holen. „Das Thema ist bei uns angekommen“, versichert der Bürgermeister.
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