Konzert im Kursaal

Ein Juchizer auf das Lebensfeuer: Alfons Hasenknopf begeistert in Heilbrunn

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Alfons Hasenknopf (Mi.) und seine Band mit Steffi Rösch (Keybord) und Michael Leitinger (Percussions).

Mit viel Charme wickelte der bayerische Liedermacher Alfons Hasenknopf das Publikum in Bad Heilbrunn um seinen Finger.

Bad Heilbrunn Auch im zehnten Jahr zeigt die von Rosmarie Rieker organisierte Konzertreihe „Musikalisches Bad Heilbrunn“ keinerlei Abnutzungserscheinungen. Die Begeisterung ist nicht müde geworden, das Stammpublikum treu geblieben. Auch beim Auftritt von „Alfons Hasenknopf & Band“ blieb im gemeindlichen Kursaal kein Platz leer.

Man musste kein absoluter Fan von dessen musikalischer Stilrichtung sein, einem Mix aus altbairischem Mundart-Pop, Jodeln und rockigen Klängen, Blödeleien und Tiefgründigem, um sich doch vom eigentümlich gebrochenen, aber auch starken Wesen, von der sympathischen Ausstrahlung und vom Charme dieses Musikers aus dem niederbayerischen Altötting vereinnahmen lassen zu können.

Alfons Hasenknopf erzählt in seinen Songs aus dem Leben gegriffene, stark autobiografisch gefärbte Geschichten. Häufig geht’s um einen lustigen, scheinbar banalen Schmarrn, wie etwa im „Schoaßerl-Lied“ um jene Winde, die man draußen in der Natur nicht verdrücken muss. Und dann kommt ihm auf den Bergen auch so ein fröhlicher, befreiender Juchizer aus. Doch schnell kippt die Stimmungslage ins Nachdenkliche, ganz Ernste, wenn er die auf seiner Seele lastenden Dämonen mit einem trotzigen „der schönste Moment ist immer jetzt“, einem „steh auf“ und einem „zeig Courage, dann bist du ein Sieger“ in die Schranken verweist. Kunst quasi als Therapie einer tief gekränkten Seele.

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Das erklärt sich daraus, dass in seinem Leben Höhen und Tiefen, fragiles familiäres Glück, Abgründe und Abstürze immer „ganz dicht beinander“ gelegen sind: Aufgewachsen im Schoß einer musikalischen Großfamilie, doch der Vater ein labiler Alkoholiker, der den Seinen keinen Schutz gab. Bereits mit sieben Jahren tritt Alfons Hasenknopf als singender und jodelnder Kinderstar im Münchner „Platzl“ auf – und wird eines Abends von einem Besucher beiseite gezerrt und sexuell missbraucht. Dieses traumatische Missbrauchserlebnis habe ihn „beschmutzt“, habe ihm „den Stecker gezogen“ und ihm das „Lebensfeuer genommen“, sagt er.

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Seither kämpfte er dagegen innerlich an und hat sich dann eines Tages mit seinem Schicksal geoutet – Erfolge, aber auch Rückzüge ins Einzelgängertum und schwere depressive Phasen inklusive. Zusammen mit seiner Frau hat er den Verein „Suibamond“ gegründet, um Kindern und Jugendlichen mit ähnlichen Erlebnissen zu helfen. Alfons Hasenknopf ist dafür mehrfach ausgezeichnet worden. Und das Bayerische Fernsehen hat ihn in der Reihe „Lebenslinien“ porträtiert. Auch sein Heilbrunner Publikum zeigt sich berührt – Lachen und Betroffenheit inklusive, aber auch viel Empathie für einen ehrlich und authentisch wirkenden Musiker und Menschen.  (rbe)

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