VonSilke Schederschließen
Viele Bundespolitiker reden darüber, die Fluchtursachen bekämpfen zu wollen. Der Lenggrieser Andreas Krieg tut auch etwas dafür.
Lenggries/Mbour – Es sind die kleinen Dinge, die oft mehr bewirken als riesige Mengen an Fördermitteln. „Die Gelder kommen meist nicht dort an, wo sie nötig sind“, sagt Andreas Krieg. Eine grundlegende Schulbildung, eine Lehre oder kleine Kredite, um ein eigenes Geschäft aufbauen zu können – das hilft den Ärmsten der Armen aus Sicht des Lenggriesers wirklich. Deshalb engagiert er sich seit Jahren im Verein „Hilfe für Straßenkinder in Mbour“. Am Ende des Jahres zieht der Vize-Vorsitzende Bilanz und gibt einen Ausblick auf die kommenden Monate.
Große Pläne für das kommende Jahr
Die Pläne sind groß. Im Juli 2019 will der Verein ein eigenes Ausbildungszentrum in der 200 000-Einwohner-Stadt Mbour im Senegal eröffnen. „Hier sollen Jugendliche zu Schreinern, Elektroinstallateuren, Schneidern sowie in der Metallverarbeitung ausgebildet werden“, sagt Krieg. 106 000 Euro kostet das Projekt geschätzt, ein Viertel der Kosten übernimmt der Verein. Für den Rest hat die Gruppierung bereits Anfang des Jahres beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit Fördermittel beantragt. „Ein Prozess, der sich auch durch die langwierige Regierungsbildung auf Bundesebene extrem in die Länge gezogen hat“, ärgert sich Krieg, „Wir hätten gerne früher mit dem Bau begonnen.“
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In den Weihnachtsferien werden sich Krieg und seine Familie selbst ein Bild vom Baufortschritt machen. „Natürlich haben wir wie immer viele Sachen zum Verteilen mit.“ Neben Kinderbekleidung verschenken die Kriegs Hygieneartikel und Süßigkeiten für die Kleinsten. Anfang des Schuljahrs hatten die Ehrenamtlichen bereits Schulmaterialien und -uniformen sowie Wasserflaschen an die Buben und Mädchen verteilt. Aktuell gibt es an der vereinsgeförderten Schule sieben Grundschulklassen. Die Lehrkräfte würden von der Stadt Mbour bezahlt und seien sehr engagiert. Parallel zum Schulbetrieb läuft ein Nähprojekt. „Hier werden Mädchen von örtlichen Schneidern unterrichtet und die Mütter unserer Kinder nähen und reparieren die Schuluniformen.“
Kleinkredite für Frauen ein voller Erfolg
Zu einem großen Erfolg entwickelt sich das Projekt „Kleinkredite“. Über 80 Frauen haben seit August 2017 mithilfe des Vereins ein „Mini-Business“ gegründet. „Und die Nachfrage reißt nicht ab“, freut sich Krieg. Konkret bekommen die Projektteilnehmerinnen 50 Euro. Das Geld stecken sie zum Beispiel in den Kauf von Erdnüssen, deren Weiterverarbeitung und Verkauf.
Nicht minder erfolgreich verspricht das Gartenprojekt zu werden, das heuer an den Start gegangen ist. Zu diesem Zweck hat der Verein extra ein Grundstück erworben sowie einen Brunnen, ein Wasservorhaltebecken und einen Geräteschuppen gebaut. Ein örtlicher Gärtner zeigte den Teilnehmerinnen anschließend, wie sie Gemüse richtig anbauen. „Nach einer sehr ertragreichen Ernte in diesem Jahr habe wir uns entschlossen, ein weiteres Grundstück in unmittelbarer Umgebung zu kaufen und ebenfalls Gemüse anbauen zu lassen.“
Krieg spricht selbst vom sprichwörtlichen Tropfen auf den heißen Stein. „An unseren Erfolgen sehen wir aber, dass unser Weg der Richtige ist.“ Denn die Flucht nach Europa ende für die Flüchtlinge nur in einer Sackgasse. Ohnehin verlasse niemand gerne seine Heimat. Damit sie es nicht müssen, dafür kämpft Krieg auch im nächsten Jahr.
Mehr Informationen
Wer mehr über die Arbeit des Vereins wissen möchte, kann am 15. Dezember den ganzen Tag über im HEP-Einkaufszentrum in Holzkirchen an einem Infostand mit den Verantwortlichen ins Gespräch kommen. Die Einnahmen aus dem Crêpe-Verkauf fließen in die Projekte. Weitere Infos im Internet auf www.strassenkinder-senegal.de.
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