Im Porträt

Werkstatt statt Bühne: Ein Schauspieler aus Gauting mit vielen Talenten

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Eine Vorliebe für altes Holz: Sebastian Hofmüller verwandelt im elterlichen Haus und Garten Altes in Kunst.

Kreativ sein ist angesagt in diesen Corona-Zeiten: Ein gutes Beispiel dafür ist Sebastian Hofmüller aus Gauting. Er tauscht Werkstatt mit Bühne und Natur mit Kultur.

Gauting – Die Kreativwirtschaft durchlebt harte Zeiten, so auch freischaffende Künstler wie der Schauspieler Sebastian Hofmüller. Der Gautinger ist verheiratet und Vater von vier Buben. Statt auf der Bühne steht er aktuell in der Werkstatt und lässt als gelernter Schreiner seiner Kreativität freien Lauf. Und er nutzte seinen großen Garten, um als Veranstalter wenigstens ein bisschen Kultur im Würmtal zuzulassen.

„HolzSpiel“ nennt er die Werkstatt im Keller seines Elternhauses. Dort kreiert der Schauspieler und gelernte Schreiner aus Altholz fantasievoll gestaltete Werke wie etwa Leuchten oder Garderoben aus Dachbalken. Das kommt an: Zwei aufwendig gestaltete Schaukelpferdchen waren sofort verkauft.

Bekannt ist der Klinge-Kulturpreis-Träger durch seine erfolgreichen Live-Hörspiel-Tourneen mit Felix Schrank und Erich Kästners „Emil und die Detektive“ oder „Pünktchen und Anton“. Coronabedingt fallen die Gastspiele der „Greumüllerschen Hörspielmanufaktur“ an Schulen komplett aus. Die Flinte wirft der Gautinger deshalb noch lange nicht ins Korn. Im Gegenteil: „Ich habe Glück“, findet der Schauspieler.

Hofmüller lebt mit seiner Großfamilie und seiner Mutter im 1903 erbauten Landhaus des Urgroßvaters mitten in der Gautinger Villenkolonie. Das im Original erhaltene Haus hat einen ursprünglichen Garten mit einem alten Baumbestand. Da er als Veranstalter coronabedingt nicht zu den Maifestspielen in der alten Gautinger Bahnhofs-Pizzeria einladen konnte, öffnete heuer schon zweimal das Tor zu eben diesem Garten und lud dort zu Freiluftveranstaltungen (wir berichteten). „Das war ein voller Erfolg“, freut er sich. Zuletzt waren vor einer Woche die „Zitronen Püppies“ zu Gast.

Eine Vorliebe für altes Holz: Sebastian Hofmüller verwandelt im elterlichen Haus und Garten Altes in Kunst.

Der Aufwand dieser Gastspiele ist enorm. Hofmüller muss nicht nur auf gutes Wetter hoffen. Jede Veranstaltung ist auch mit Behördengenehmigung und Bühnen-Aufbau verbunden. „Und weil die Infektionszahlen schon wieder steigen, hatten wir mit zwei Meter Abstand bestuhlt“. Zudem trugen alle selbst draußen im Garten Masken, „damit ja nichts passiert“. Dank großzügiger Spenden der Gautinger kam Hofmüller mit den „Zitronen Püppies“ bei Null raus. Ein Gautinger hatte am nächsten Tag sogar anonym noch einen Umschlag mit Spende in den Briefkasten gesteckt. Das Geld kann Hofmüller gut gebrauchen, denn 18 000 Programme der Maifestspiele waren schon gedruckt und musste bezahlt werden. „Die musste ich einstampfen.“

Im Übrigen hat er sich auf sein gelerntes Handwerk besonnen. „Ich sammle altes Holz aus Abbruchhäusern“, erzählt der Gautinger. In seiner Garten steht ein beeindruckender Stapel aus dicken Balken. „Die Geschichte wiederholt sich“, sagt der Schauspieler, der schreinern kann. Denn sein Großvater Rudolf Hofmüller, Dramaturg und Theaterkritiker, hatte im selben Keller seine „Möbel-Klinik“. Wie zum Beweis hält Hofmüller das im Original erhaltene Metallschild hoch. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte der Großvater jedoch keine Aufträge mehr, so der Enkel.

Hofmüller wiederum, Absolvent der renommierten Otto-Falckenberg-Schauspielschule, hat das Schreiner-Handwerk von der Pike auf gelernt – unter anderem in der Theater-Schreinerei der Münchner Kammerspiele. „Ich arbeite gern mit alten Dachbalken“, bekennt der Künstler. Für einen Kunden hat Hofmüller gerade eine groß dimensionierte Garten-Holzskulptur mit dem Buchstaben V kreiert. Aber der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Aus mehrfach geölten und glatt polierten alten Dachsparren designt der Holzkünstler auch LED-Lampen. „Wenn ich Probleme habe, hilft mir Elektromeister und Feuerwehrkommandant Stefan Klaußner“, sagt er fröhlich.

Der „HolzSpiel“-Keller, in dem Hofmüller gerade die große alte Tischplatte aus der Gautinger Hubertus-Hütte des Eltern-Kind-Programms bearbeitet, ist klein. Beim EKP entdeckten er und sein Sohn das Holzstück mit beeindruckenden Spur des Borkenkäfers. „Das hat mein jüngster Sohn vom Kindergarten mitgebracht“, erzählt der Künstler. Perfekt geeignet für eine LED-Leuchte, fand er. Das Spiel mit dem Licht fasziniere ihn ohnehin. Über dem heimischen Esstisch zum Beispiel hat er eine an Ketten schwebende Balken-Lampe mit einer großen Glühbirne entworfen: „Mein erstes Stück“, erzählt der kreative Gründer des „HolzSpiels“ stolz.

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