- VonRudi Stalleinschließen
Seit 50 Jahren gibt es im Landkreis das Kreisbildungswerk. Im Interview mit unserer Zeitung blickt Geschäftsführer Andreas Käter auf die vergangenen Jahrzehnte zurück.
Beuerberg – Werteorientierte Erwachsenenbildung: Dafür steht das am 12. Dezember 1972 von Vertretern der Pfarrgemeinden und verschiedener katholischer Organisationen als Verein gegründete Katholische Kreisbildungswerk Bad Tölz-Wolfratshausen (KBW). An diesem Freitag feierte der Verein mit einem Festakt für geladene Gäste im Kloster Beuerberg seinen 50. Geburtstag nach.
Im Gespräch mit unserer Zeitung blickt Geschäftsführer Andreas Käter auf ein ereignisreiches halbes Jahrhundert zurück und erklärt, warum das Kreisbildungswerk auch in Zeiten der digitalen Revolution nichts von seiner Attraktivität und Bedeutung verloren hat. Ganz im Gegenteil: „Ich sehe uns nicht nur als Bildungsdienstleister, sondern auch als Wertekraftwerk für Menschen und Institutionen, die sich konstruktiv an der Gestaltung der Gesellschaft beteiligen wollen.“
50 Jahre Kreisbildungswerk: „Kernaufgabe ist Unterstützung, Begleitung und Beratung von Menschen mit Ideen“
Herr Käter, was genau ist und was leistet das Kreisbildungswerk?
Das Kreisbildungswerk ist ein staatlich anerkannter und werteorientierter Bildungsträger in der Region. Wir sind präsent durch unser zentrales Weiterbildungsprogramm in den 21 Kommunen. Auszeichnen tut uns die vernetzte Struktur weit über den kirchlichen Einflussbereich hinaus. Ehrenamtliche Bildungsbotschafter vor Ort und die vielen Kooperationen mit sozialen Akteuren, Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Tourismus sowie gemeinschaftsfördernde Projekte prägen unser Profil einer werteorientierten Erwachsenenbildung. Eine Kernaufgabe ist die Unterstützung, Begleitung und Beratung von Menschen mit Ideen, damit vor Ort gelernt, relevantes Wissen getankt und über den eigenen Tellerrand hinaus ausgetauscht werden kann.
Warum ist das Kreisbildungswerk 1972 gegründet worden?
Es wurde gegründet von kirchlichen Vertretern, die getragen waren von der Idee des lebenslangen Lernens. Der Grundgedanke war damals wie heute, christliche Werte vor Ort in Gemeinden über ehrenamtliche Bildungsbotschafter anzusiedeln, um kurze Anfahrtswege zu ermöglichen. Damals wie heute ist das eine wichtige Dienstleistung des Bildungswerks, sich vor Ort mit spannenden Referenten zu wichtigen Themen auszutauschen. Und das hat sich in den vergangenen Jahrzehnten weiterentwickelt und professionalisiert.
Erzählen Sie doch bitte mal!
Besonders die Unterstützung ehrenamtlicher und sozial engagierter Menschen und Gruppen im Landkreis ist uns wichtig. Wir geben vielfältige Impulse und Hilfen, damit ein spezifisches Weiterbildungsprogramm vor Ort tatsächlich stattfinden kann. Auch kommen Menschen mit ihren Ideen und Themenwünschen auf uns zu. Daneben entwickeln wir mit unserem Expertenteam im Kloster Beuerberg zentrale Weiterbildungsformate zu relevanten Wertethemen, Spiritualität und Glaube sowie Persönlichkeit und Gesundheit. Wir sind im Laufe der Jahre noch mehr auf den Bedarf und die menschlichen Potenziale vor Ort fokussiert. Das heißt, wirkungsvolle Bildungsarbeit braucht einen Nährboden, um mit sinnvollen Service- und Dienstleistungen zu unterstützen. Zum Beispiel jetzt bei der Flüchtlingsthematik, indem wir die Helfer vor Ort mit Tipps und Anregungen unterstützen, Vereinsverantwortliche mit Weiterbildungsimpulsen versehen, alles, was Mann oder Frau als Lernangebote brauchen, um in unterschiedlichen, herausfordernden Situationen klarzukommen.
50 Jahre Kreisbildungswerk: Ideen für Referenten, Themen und Kommunikation fördern
Das klingt, als bestehe ein großer Unterschied in Ihrer Arbeit zwischen früher und heute?
Ja, es geht mehr um das Bündeln von Bildungsangeboten, immer mehr entlang von großen, uns alle betreffenden Herausforderungen im Zusammenleben wie die digitale Revolution. Und mit einer professionellen Dienstleistung beispielsweise mit Ideen für Referenten, Themen und Kommunikation zu fördern.
Haben Sie dafür ein Beispiel?
Ja, etwa dieses Angebot (zeigt einen Flyer zum Thema Fachkräftegewinnung für Kinderbetreuung). Das kommt aus einem Bedarf heraus, bei dem wir es mit Fachkräftemangel im pädagogischen Bereich zu tun haben. Wir greifen das auf und stellen genau dieses Weiterbildungsformat den Kommunen, in dem Fall den Kitas und Schulen, zur Verfügung, und bieten als regionaler, werteorientierter Träger die Möglichkeit, sich auf diese Weise zu qualifizieren.
(Unser Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus Ihrer Region. Melden Sie sich hier an.)
Was sind denn bei werteorientierter Erwachsenenbildung die Kerninhalte?
Da geht es natürlich um Familie, also gelingendes Familienleben über alle Generationen hinweg, auch um das Thema Persönlichkeitsentwicklung. Es geht darum, nachzudenken und ins Tun zu kommen. Sich zu fragen, was ist wichtig, was gibt mir Orientierung und Halt. Das Zusammenleben und den Zusammenhalt zu befördern, den Blick nach vorne zu richten und in Chancen und Möglichkeiten zu denken. Unter dem Strich, ein positives und optimistisch geprägtes Menschenbild. Das ist für mich werteorientierte Erwachsenenbildung. Man muss die Themen und Herausforderungen immer im Kontext sehen. Jeder Mensch hat Werte. Was er vielleicht braucht, ist eine Unterstützung, dass er sich dieser Werte bewusster wird oder Impulse, wie er das in Gemeinschaft erleben kann, wie er seine Ziele besser erreichen kann. In diesem Kontext sind Werte enorm wichtig, damit das, was wir im Moment durchmachen, der digital geprägte Wandel, gelingen kann.
Das Kreisbildungswerk steht klar dafür, das Leben, das Miteinander zukunftsorientiert zu gestalten.
Stichwort Digitalisierung: Welche Herausforderungen bringt die für das KBW?
Die Herausforderung liegt einmal darin, dass die Institution Kirche müde und auch überfordert wahrgenommen wird und sich in großen Teilen aus der Fläche zurückzieht. Und auf der anderen Seite die Künstliche Intelligenz oder digitale Revolution, die zu gestalten ist. Das hat unterschiedliche Auswirkungen auch auf die Menschen. Es gibt viele kritische Stimmungen, einige lassen das gar nicht an sich heran oder auch Resignation, weil sich viele nicht mehr abgeholt fühlen von Kirche, Politik und gesellschaftlich relevanten Institutionen. Und in diesem Spannungsfeld ist Wertevermittlung, Lernen und eine bewährte Bildungsinfrastruktur – wie wir sie seit 50 Jahren bereitstellen – enorm wichtig. Das Kreisbildungswerk steht klar dafür, das Leben, das Miteinander zukunftsorientiert zu gestalten.
Inwiefern stellen Sie da Veränderungen fest?
Ein großes Bedürfnis ist in den Kommunen vor Ort, sich menschlich zu begegnen, sich zu treffen. Wir haben ja mit dem Umzug hierher nach Beuerberg nochmals unsere Strategie, unsere Ausrichtung neu sortiert. Und wir verstehen uns zu 100 Prozent als Präsenzanbieter. Wir werden kein digitaler Anbieter werden. Natürlich nutzen wir die Möglichkeit, die die Digitalisierung bietet, beispielsweise, dass Teilnehmer in einem Veranstaltungsformat hybrid zugeschaltet werden können.
Kreisbildungswerk konzentriert sich „bewusst weiter auf menschliche Beziehungsarbeit in Präsenz“
Also sehen Sie das Internet nicht als bedrohliche Konkurrenz, weil da keine persönliche Begegnung stattfindet?
Ja so sehe ich das. Es geht uns um den persönlichen Kontakt, themenbezogenen Austausch und natürlich nach wie vor auch um die Nähe zu den Bürgern und Bürgerinnen. Sich als Weiterbildungseinrichtung quasi zu digitalisieren, auf digitale Erwachsenenbildung zu setzen, wäre eine strategische Alternative gewesen. Aber wir haben uns bewusst weiter auf die menschliche Beziehungsarbeit in Präsenz konzentriert. Mit der Ergänzung, dass wir uns in einem digitalen Wandel befinden, in dem wir sowohl inhaltlich wie auch vom professionellen Instrumentarium die Technologie nutzen. Das Internet ist eines der Hauptmedien geworden für die Veröffentlichung und Kommunikation unserer Bildungseinrichtung und Dienstleistungen. Die Digitalisierung revolutioniert auch unsere Kommunikation und unsere Zugänge zu den Teilnehmern. Aber da stehen wir als Gesellschaft meiner Meinung nach erst am Anfang.
Das KBW ist im vorigen Jahr nach Beuerberg umgezogen. Warum?
Wir haben mit dem Kloster Beuerberg und insbesondere mit dem Diözesanmuseum schon seit vielen Jahren eine sehr gute Zusammenarbeit. Zum Beispiel haben wir zu den Ausstellungen ein begleitendes Bildungsprogramm kreiert und umgesetzt. Als wir uns vor einigen Jahren über die Kooperation unterhalten haben, hat Herr Dr. Kürzeder uns als Partner für sein Projekt gewinnen können, was uns gefreut hat. Wir haben uns auch in der Franzmühle in Bad Tölz sehr wohlgefühlt. Leider waren dort die Rahmenbedingungen nicht mehr optimal. Wir hatten zum Beispiel Wasserrohrbrüche, die zweimal unseren Betrieb ziemlich lahmgelegt hatten. Deshalb haben wir gesagt: Wir brauchen eine neue Geschäftsstelle.
Hat der Umzug auch Auswirkungen auf die Arbeit des Kreisbildungswerks?
Neben den räumlichen Aspekten ist der inhaltliche Grund: Die werteorientierte Erwachsenenbildung ist sehr gut zu verbinden mit dem klösterlichen Umfeld und der hier spürbaren Atmosphäre. Wir haben ja nicht nur das Kloster Beuerberg, in dem wir wirken. Wir waren jahrzehntelang im Kloster Benediktbeuern, kooperieren mit Schlehdorf und Bernried und sind dort nach wie vor im gesamten Landkreis sehr aktiv.
50 Jahre Kreisbildungswerk: Highlight war das erste Lernfest 1998
Dort entstanden die Lernfeste, ein Highlight in der Geschichte des Kreisbildungswerks.
Ja, das war es sicher. 1998 war das erste Lernfest, 2014 das letzte. Es war eine Wahnsinnszeit, wir haben vom Grimme-Institut eine bundesweite Auszeichnung bekommen, wir waren und sind als lernende Region Modellregion in Deutschland. Aber es gab auch andere Highlights.
Welche zum Beispiel?
Erst einmal das Profil der theologisch-spirituellen Bildung, da haben wir hier im Landkreis über 20 Jahre ein qualitativ sehr hochwertiges Angebot gehabt für Menschen, die sagen, ich möchte für mein Leben, meine Situation spirituelle, theologische Glaubensimpulse. Da wurden zum Beispiel spirituelle Wege entwickelt und begleitet. Wir verstehen uns ja auch als regionales, in Anführungsstrichen, Pilgerbüro. Das war ein ganz wesentlicher Schwerpunkt. Ich glaube, der Mensch braucht mehr als nur Wissen und materielle Dinge. Er braucht auch was fürs Herz und für die Seele.
Wenn Sie in die Zukunft blicken: Wo sehen Sie das Kreisbildungswerk in 20, 30, 40 Jahren?
Ich sehe uns in Zukunft als ein wichtiger Partner für alle Institutionen oder ehrenamtlich Aktiven, um deren Themen und Ziele mit unseren Möglichkeiten der Unterstützung und Begleitung noch besser zu kommunizieren, zu vermitteln und für die Menschen vor Ort nutzbar zu machen. Und ich sehe uns in der Tat auch als ein Wertekraftwerk, nicht nur hier im Kloster. Wir wollen für Menschen und Institutionen, die sich konstruktiv an der Gestaltung unserer Gesellschaft beteiligen wollen, nicht nur Bildungsdienstleister in Form von Organisation, Vermittlung und Veranstaltung sein, sondern auch Energie- und Kraftspender. So, dass die Menschen ihren Weg gut gehen, ihre Ziele besser erreichen können – und dass sie merken, dass sie nicht alleine sind, sondern dass es einen verlässlichen, nachhaltigen Bildungspartner gibt.
Aktuelle Nachrichten aus der Region Wolfratshausen/Geretsried lesen Sie hier.
