Wer dort wohnt, arbeitet und Geld ausgibt

Große Studie zu Münchner Altstadt: „Zusammen denken, damit es zu keinem Infarkt kommt“

  • schließen

Die Stadt hat eine Mega-Studie zur Altstadt in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse liegen nun vor, wir zeigen hier die wichtigsten Fakten.

München – Wie steht es um unsere Altstadt, wohin geht die Entwicklung und welche Möglichkeiten hat die Verwaltung, um darauf zu reagieren? Um diese Fragen zu beantworten, hat die Stadt eine Mega-Studie in Auftrag gegeben. Untersucht wurden dazu in erster Linie das Graggenauer-, Anger-, Hacken- und Kreuzviertel – zum Teil mit einer Onlinebefragung, aber auch mit Interviews vor Ort. Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU) hat die Ergebnisse Donnerstagabend (21. März) im Literaturhaus vorgestellt.

Die Innenstadt in München trägt erheblich zur Wirtschaftskraft der Landeshauptstadt bei.

Münchner Innenstadt ist multifunktional und vielfältig

Fazit: „Die Innenstadt zeichnet sich sowohl für Einheimische als auch für Besucher aus der ganzen Welt durch Multifunktionalität aus und trägt mit ihrem vielfältigen Angebot, ihrer Attraktivität und Qualität aber auch ihrer Erreichbarkeit maßgeblich zum Wohlstand der Landeshauptstadt bei“, sagt Baumgärtner. Die Innenstadt sei ein attraktiver Wirtschaftsstandort. „Damit das so bleibt, müssen wir alle Aspekte mit Wirtschaft und Politik zusammen denken, damit es zu keinem Infarkt kommt.“ Wir zeigen hier die wichtigsten Fakten rund um die Altstadt!

Mega-Studie zur Münchner Altstadt: Fast vier von fünf Betrieben sind dem Einzelhandel (ohne Nahversorger) zuzuordnen

Einzelhandel: Insgesamt gibt es 1018 Betriebe in der Innenstadt nebst 100 Ständen auf dem Viktualienmarkt. Fast vier von fünf Betrieben (79 Prozent) sind dabei dem Einzelhandel abseits der Nahversorung zuzuordnen. Den Schwerpunkt bilden Betriebe aus dem Berich Bekleidung, Texitilien und Schuhe (39 Prozent). Die Branche Hausrat. Wohnbedarf und Kunst nimmt 26 Prozent der Flächen ein. 21 Prozent der Betriebe sind im Bereich Handel für den täglichen Bedarf tätig, 13 Prozent im Bereich Nahrung und Genussmittel.

Gastronomie & Hotels: In der Altstadt bewirten und beherbergen 399 Betriebe die Gäste. Hinzu kommen 20 Imbissstände auf dem Viktualienmarkt. Die meisten Hotels und Gaststätten befinden sich im Graggenauer- und Angererviertel.

Gesundheit: Es finden sich zahlreiche Anbieter für medizinische Dienste in der Altstadt. Aktuell sind dort 900 Ärzte tätig, das entspricht einem Anteil von 15 Prozent der gesamten städtischen Versorgung.

Neue Studie im Auftrag der Stadt: Hohe Dichte an Rechtsanwälten und Steuerberatern in der Münchner Altstadt

Dienstleitungen: Besondere wirtschaftliche Relevanz für die Wirtschaftskraft haben die Bereich Rechts- und Steuerberatungen. In ganz München gibt es 14.177 Rechtsanwärlte, allein in der Altstadt 892 (sechs Prozent). In der Innenstadt sind es 4280, das entspricht 30 Prozent aller Anwälte in München. Zudem haben die Studienersteller 110 Steuerberater gezählt, im Stadtgebiet sind 1334.

Kunst & Handwerk: Gemäß einer Statistik der Industrie- und Handelskammer gibt es in der Innenstadt rund 600 Betriebe aus dem Bereich Verlage und Veranstaltungen, aber auch Software- und Designwirtschaft. Im Bereich alltagsbezogene Dienstleistungen (Schneider, Reinigung, Friseure oder auch Schlüsseldienste) haben die Studienersteller 300 Betriebe gezählt.

(Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.)

Bildung & Kultur: Im Bereich der Innenstadt befinden sich 14 Schulen und Bildungseinrichtungen sowie private Angebote (z. B. Musikschule). Zudem gibt es 81 Betriebe aus dem Bereich Kultur, darunter Museen, Theater, die Oper und das Ballett.

Neue Studie zur Münchner Altstadt: Im Kreuzviertel wohnen die wenigsten Menschen - insgesamt nur 603

Wohnen: Wohnraum ist in der Altstadt besonders knapp und dementsprechend teuer. Der Anteil der Wohnfläche an der Gesamtfläche ist dort stark unter dem Durchschnitt Im Angererviertel beträgt der Anteil der Wohnfläche 26 Prozent, im Kreuzviertel nur ein Prozent. Zum Vergleich: In ganz München liegt er bei 29 Prozent. Insgesamt leben in den Altstadtvierteln 8700 Menschen, das entspricht weniger als einem Prozent der Gesamtbevölkerung. Im Angererviertel sind es 3671, die wenigsten leben im Kreuzviertel (603). Einpersonenhaushalte gibt es in der Altstadt überdurchschnittlich viele, im Angererviertel 62 Prozent, im Graggenauer Viertel 75 Prozent

Umsatzbedeutung: Im Jahr 2021 vereinte der Einzelhandel in der Innestaft ein Voumen von 2,5 Milliarden Euro. Davon erwirtschafteten die Nahversorger 205 Millionen (8 Prozent) 21 Prozent des gesamten Münchner Einzelhandel-Volumens werden in der Innenstadt erwirtschaftet.

Erwerbstätige: 108.000 Menschen arbeiten in der Altstadt. Das entspricht neun Prozent aller Beschäftigten in München. Die angrenzenden Stadtteile Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt sowie Maxvorstadt weisen 90 000 und 113 000 Erwerbstätige aus.

Spannende Zahlen zu den Besuchern der Münchner Altstadt: Wer wo wie viel Geld ausgibt

Wer gibt was aus? Besucher der Altstadt geben im Schnitt 143 Euro aus. Reist jemand explizit zum Shoppen an, sind es 196 Euro. Für weitere Aktivitäten (Essen & Trinken) werden 30 Euro ausgegeben. Die Geschäfte in der Innenstadt verantworten gut jeden fünften im Einzelhandel erwirtschafteten Euro. Durchschnittlich 30 Prozent der Bedarf an Klamotten werden dort gedeckt, bei den Innenstadtbewohnern sind es sogar 42 Prozent.

Fluktuation und Leerstand: Die Innenstadt wandelt sich stetig. Die höchst Fluktuationrate weist die Dienerstraße auf, 16 Veränderungen in den Geschäften gab es dort seit 2005. In der Sendlinger Straße waren es 69 Veränderungen, in der Kaufingerstraße 21 Veränderungen. Die Zahl der zwischenzeitlichen Leerstände hat sich zwischen 2012 und 2021 von 55 auf 115 mehr als verdoppelt. Die Leerstands-Quote von 5,9 Prozent ist im Vergleich zu anderen Innenstädten aber noch moderat.

Und wer kauft ein? Die meisten Passanten gibt es in der Kaufingerstraße (7718 am Tag), gefolgt von der Neuhauser Straße (6408). 23 Prozent der Besucher kommen aus dem Umland, 47 Prozent aus München. Zwei von drei Gästen (65 Prozent) nutzen den ÖPNV, bei Besuchern aus dem Umland liegt der Anteil sogar bei 73 Prozent. In anderen Städten liegt der Durchschnitt bei 53 Prozent). Das Auto nutzen 17 Prozent, außerhalb der MVV-Region 27 Prozent. 61 Prozent der Befragten bleiben mehr als zwei Stunden in der Innenstadt. (Schnitt Vergleichsstädte 53 Prozent), nur acht Prozent weniger als eine Stunde. Aber: 57 Prozent der Münchner und der Umlandbevölkerung kommen nicht oder nur ungern in die Innenstadt. Häufigster Grund sind die vielen Menschenmassen (58 Prozent), zu viele Baustellen (41 Prozent) und Probleme bei der Anreise mit dem Auto (31 Prozent). Probleme mit dem ÖPNV nannten 24 Prozent der Befragten als Grund. Und: Besucher, die von weiter her anreisen, geben im Schnitt mehr Geld aus, als die Münchner (125 Euro). Und: Wer mit dem Auto anreist, gibt im Schnitt 246 Euro aus, wer mit ÖPNV anreist nur 114 Euro.

Mehr News finden Sie in unserer brandneuen tz-App, jetzt im verbesserten Design mit mehr Personalisierungs-Funktionen. Direkt zum Download, mehr Informationen gibt es hier. Sie nutzen begeistert WhatsApp? Auch dort hält Sie tz.de/muenchen ab sofort über einen neuen Whatsapp-Kanal auf dem Laufenden. Hier geht‘s direkt zum Kanal.

Rubriklistenbild: © Felix Hörhager

Kommentare