- VonJennifer Battagliaschließen
Eisliebhaber müssen heuer tiefer in die Tasche greifen. Die Preise pro Kugel Gefrorenes sind so gut wie überall gestiegen. Und nicht nur das – manche Eisdielen mussten gar beliebte Geschmacksrichtungen aus dem Sortiment nehmen: Die Lebensmittelkosten sind zu teuer geworden.
Landkreis – In der Eisvitrine des Penzberger Eiscafés „Gelato Sì“ ist für jeden Geschmack etwas dabei: Zur Auswahl stehen viele klassische Eissorten wie Erdbeere, Vanille oder Haselnuss, aber auch die ausgefalleneren Geschmacksrichtungen „Kinderriegel“ oder Passionsfrucht lassen Eisliebhabern das Wasser im Mund zusammenlaufen.
Strom, Miete, Eis- und Milchprodukte: Alles ist teurer geworden
Eine Kugel Eis in der Waffel oder im Becher kostet hier derzeit 1,60 Euro. Eisdielen-Inhaber Salvi Mondo musste die Preise um 20 Cent pro Kugel erhöhen. Grund dafür sind die gestiegenen Kosten – in allen Bereichen. Und auch die Portion Sahne kostet zehn Cent mehr. „Strom, Miete, Eis- und Milchprodukte: Einfach alles ist teurer geworden“, sagt der gebürtige Brasilianer.
Für manche Eissorten rechnen sich nicht einmal die Kosten, denn die Preise für die jeweiligen Lebensmittel sind zu stark gestiegen. Das ist laut Mondo bei Pistazien oder dunkler Schokolade der Fall. Trotzdem bietet er beide Geschmacksrichtungen weiter an. „Es gibt Kunden, die nur diese eine Eissorten wählen. Deshalb kann ich sie nicht einfach so aus dem Sortiment nehmen.“ Himbeereis sucht man in der Eisvitrine hingegen vergeblich. „Das gibt es im Moment tatsächlich nicht“, so Mondo. Der Preis für das Kilo der rosafarbenen Frucht sei schlicht unbezahlbar.
Wer auf Himbeereis nicht nicht verzichten möchte, wird in der Seeshaupter Eisdiele „Allora Signora“ fündig. Zwar steht Himbeereis nicht täglich zur Auswahl – das Angebot in der Eisvitrine wechselt kontinuierlich –, aus dem Sortiment haben die Geschwister Felicitas und Ferdinand Weber die Frucht aber noch nicht gestrichen.
Auch an den Preisen wurde nicht gedreht – eine Kugel kostet seit Beginn der Saison 1,60 Euro. „Wir haben von Anfang an anders kalkuliert“, so Ferdinand Weber. Er und seine Schwester verwenden zur Herstellung ihrer Eissorten und Soßen größtenteils Bioprodukte, darunter auch ausschließlich Biomilch. Weil die Biomilchpreise im Gegensatz zur konventionellen Milch nicht so stark gestiegen sind, müssen die Kunden des „Allora Signora“ für ihr Eis auch nicht mehr bezahlen. „Wir sind nicht so abhängig von den Konzernen wie manche anderen“, erklärt der Eisdielen-Inhaber.
Eismaschine kann zwischen 40 000 und 50 000 Euro kosten
Laut Weber gibt es aber immer Kunden, die das Eis als zu teuer empfinden. „Eispreise sind wie Benzinpreise“, sagt der 35-Jährige. „Die Menschen wissen immer ganz genau Bescheid.“ Was viele nicht bedenken würden: Nicht nur die Preise für die Rohstoffe sind teuer geworden, sondern auch das Equipment. So kann eine Eismaschine schon mal zwischen 40 000 und 50 000 Euro kosten. „Da muss man ein paar Eiskugeln verkaufen, bis man das verdient hat“, sagt Weber.
Davide Carbone von der Eisdiele „Quadriga“ in Weilheim ist zufrieden. „Das Eisgeschäft läuft gut“, sagt er. 1,40 Euro pro Kugel kostet das Eis im „Quadriga“ und im dazugehörigen „Emporio“, 20 Cent mehr als in der Vorsaison. Noch weiter erhöhen möchte Carbone den Preis aber nicht – trotz gestiegener Kosten für den Eisdielen- und Restaurantbesitzer. „Zu uns kommen viele Familien mit Kindern, da muss das Eis noch bezahlbar sein“, sagt Carbone. Vielen Menschen sei es wichtig, im Eiscafé sitzen und Zeit miteinander verbringen zu können. „Wir versuchen deshalb, die Preise bei Eis und Kaffee zu halten“, so der Süditaliener. „Eigentlich müssten wir pro Kugel 1,80 oder 1,90 Euro verlangen. Aber das kann man nicht machen.“
Eisdielenbetreiber meint: Eisessen soll nicht zum Luxus werden
Ähnlich sieht es Nina Peruto, die gemeinsam mit ihrem Mann Giulio die Eisdiele „Pinocchio“ in Peiting führt. Die Kugel Eis kostet hier 1,40 Euro. Zwar würde man schon mit einer Preiserhöhung liebäugeln, Peruto möchte aber nicht, dass Eisessen zum Luxus wird. „Wir wollen, dass sich eine Familie mit drei Kindern ein Eis leisten kann“, sagt sie.
Aktuell findet man in der Eisvitrine des „Pinocchio“ kein Pistazieneis. Das habe aber nichts mit den Preisen zu tun. „Wir brauchten einfach Platz für ein sommerlicheres Eis“, erklärt Peruto. Eisliebhaber können sich stattdessen über Joghurt mit Granatapfel freuen. „Eisessen soll glücklich machen“, sagt die Italienerin. „Wer zu uns kommt, soll glücklich wieder gehen.“
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