VonAndreas Högerschließen
Holzkirchen lädt sich auf: Die Gemeindewerke wollen im Frühjahr mit dem Bau von Ladestationen für Elektroautos beginnen. Sieben Standorte sind geplant. Bei der Finanzierung hilft der Bund.
Holzkirchen – Der Verbrennungsmotor steckt in der Krise. Hersteller tricksen beim Schadstoff-Ausstoß, Städte drohen mit Fahrverboten. Der Trend zum emissionsfreien Elektro-Auto hat in Deutschland spät, aber zuletzt sehr kräftig Fahrt aufgenommen.
„Wir sind am Ende des fossilen Zeitalters“, stellt Wolfgang Kieslich fest, der als Energie-Beauftragter der Marktgemeinde Holzkirchen fungiert. Er prophezeit, dass die E-Mobilität spätestens 2020 einen Hype erlebt.
Im Landkreis sind auch schon Vorboten dieser Dynamik spürbar. Ende Oktober waren laut Landratsamt 145 reine Elektrofahrzeuge zugelassen. Seit April, innerhalb eines halben Jahres, kamen 40 Stromer hinzu.
Noch plagt das System eine entscheidende Schwachstelle: Fehlende Ladestationen. Um das Netz enger zu knüpfen, werden jetzt auch die Gemeindewerke aktiv. Im Holzkirchner Ortskern sollen zunächst sieben Ladestationen installiert werden. „Im Frühjahr 2018 fangen wir an“, kündigt Geschäftsführer Albert Götz an.
Die Standorte sind bereits definiert: Im Herdergarten, am Marktplatz, am Hallenbad Batusa, in der Tiefgarage (Baumgartenstraße), am Sitz der Gemeindewerke (Gewerbegebiet-Ost), am Großparkplatz vor der Kita Frühlingsdorf (Industriestraße) und am öffentlichen Parkplatz im Vilgertshofer-Wohnpark (ehemalige Baywa).
Laut Götz ist vorgesehen, jeweils zwei Anschlüsse anzubieten. Kieslich hätte sich Schnellladestationen gewünscht, die innerhalb weniger Minuten frische Energie für 100 Kilometer liefern. Geplant sind aber vorerst „nur“ technisch leichter zu installierende 22-kW-Stationen, wie Götz erklärt. Wer hier seinen Stromer ansteckt, muss etwas mehr Geduld mitbringen. Eine Stunde Laden bringt eine Reichweite von 30 bis 50 Kilometern.
Rund 50 000 Euro investieren die Gemeindewerke. „Irgendwer muss es ja machen“, sagt Götz, „außerdem passt E-Mobilität zu einem regionalen Energie-Unternehmen.“ Bei der Finanzierung hilft ein Förderprogramm des Bundesverkehrsministeriums: Der Topf „Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge in Deutschland“ stellt bis 2020 insgesamt 300 Millionen Euro bereit.
Normalladepunkte bis 22 kW, wie sie in Holzkirchen geplant sind, werden mit bis zu 60 Prozent gefördert. Voraussetzung ist: Die Strom-Tankstellen müssen öffentlich zugänglich und aus erneuerbaren Energien gespeist sein. Die Gemeindewerke dürfen mit diesem Geld planen, der Förderbescheid ist bereits eingetroffen.
Das Tanken funktioniert bargeldlos über eine spezielle Ladekarte oder via Smartphone – oder beides. „Das steht noch nicht fest“, sagt Götz. Großartigen Verdienst erwartet der Geschäftsführer nicht. „Wir schauen mal, wie das anläuft.“ In einem zweiten Ausbauschritt könnten weitere Standorte folgen, etwa am Bahnhof, vor Kirchen und Kindergärten.
Angesichts der zu erwartenden Ladestationen wollen Gemeinde und Gemeindewerke nach und nach ihren Fuhrpark auf Elektro umrüsten. Die Gemeindewerke überlegen, einen Street-Scooter, den man als Postauto kennt, für die Baustellen-Belieferung anzuschaffen. Bei Allrad-Fahrzeugen sei das schwieriger, sagt Götz, weil es den Stromern noch an Kraft und Ausdauer fehlt.
