VonSebastian Grauvoglschließen
Außenanlagen sind illegal rund um den Schoberhof im Ortsteil Fischhausen errichtet worden. Der Bauausschuss schäumt vor Wut - bis auf den Planer, der ebenfalls im Ausschuss sitzt.
Schliersee – „Die Bilder sprechen für sich“, sagte Bauamtsleiterin Birgit Kienast bei der Präsentation der Fotos vom Grundstück. Eine Stützmauer mit Mülltonnenhäuschen, eine Anböschung für Stellplätze, eine Begrünungshilfe mit Gartenhaus, eine Lärmschutzwand Richtung Bahngleis sowie eine Stützmauer: An allen Ecken wurde fleißig gebaut – ohne Genehmigung.
Die Liste der Mängel reicht noch weiter, wie Kienast erklärte. So sei für einen Vorplatz zur Schneelagerung der öffentliche Straßengrund teilweise mit Pflastersteinen überbaut worden. Ferner seien die Darstellungen im Plan lückenhaft. Beispielsweise sei im Antrag von einer verputzten Mauer zum Mülltonnenhäuschen die Rede, im Bestand wurde diese aber mit Natursteinen ausgeführt. Die meisten Anlagen würden der gemeindlichen Gestaltungssatzung widersprechen.
Wolfgang Schauer konnte da nur heftig den Kopf schütteln. „Wir wollen in Schliersee keine Mauern“, schimpfte er. „Das ist ein großes Grundstück, da kann man anböschen.“ Für Schauer gab es nur eine Konsequenz: den Rückbau der Anlagen – vor allem Richtung Gleis. „Das sind massive Einschnitte, die gehen gar nicht“, stellte er klar.
Am Ratstisch erntete Schauer zustimmendes Nicken – und ein klares Votum. Mit 6:0 Stimmen – Gerhard Krogoll (CSU) hielt sich aus den Beratungen heraus, weil sein Büro die Pläne gezeichnet hatte – folgte das Gremium dem Vorschlag der Verwaltung, das gemeindliche Einvernehmen nicht zu erteilen. Zudem legte es der Antragstellerin nahe, sich von den Fachstellen am Landratsamt beraten zu lassen.
Gesprächsbedarf dürfte es genug geben. Denn auch die Behörde beschäftigt die Diskussion um den Schoberhof schon seit Jahren, wie Pressesprecher Birger Nemitz auf Anfrage bekannt gibt. Mit Teilabriss, Umbau oder Renovierung seien schon viele Varianten für den denkmalgeschützten Hof erwogen worden. „Allerdings wurden die Pläne oft durch tatsächliche Gegebenheiten zunichte gemacht.“ Als Beispiel nennt Nemitz die Idee, die Fassade des Gebäudes plus fünf Meter dahinter zu erhalten. Dies sei dann aber durch die „schlechte Substanz“ unmöglich gemacht worden.
Ob wegen des bereits vor zwei Jahren planabweichend errichteten Hofs ein Bußgeld verhängt wurde, will Nemitz nicht kommentieren. Ordnungswidrigkeiten könnten jedoch drei Jahre rückwirkend verfolgt werden. Offen bleibt ferner, ob der Schoberhof auch aus der Denkmalliste entfernt wird. Von der alten Bausubstanz ist jedenfalls nichts mehr übrig.
Die Geschichte des Schoberhofs
Erstmals erwähnt wurde der Schoberhof in Fischhausen im Jahr 1501. Er gehörte von 1936 bis 1945 Hans Frank, einem der Hauptkriegsverbrecher im Nazi-Deutschland, der in den Nürnberger Prozessen zum Tode verurteilt wurde. Als Generalgouverneur in Polen hatte Frank einst eine stattliche Kunstsammlung zusammengetragen. Teile davon ließ er wenige Monate vor Kriegsende nach Schliersee bringen. In der jüngeren Geschichte lag der Schoberhof dann längere Zeit brach. Dann wurde zuerst der hintere Teil abgerissen. Der Wohntrakt verfiel – obwohl der Denkmalschutz am Landratsamt ein Auge darauf hatte. Vor gut zwei Jahren wurde das Haus quasi neu errichtet.
sg
