Bürgerversammlung

Endgültige Absage an Geothermie in Puchheim

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Wenige Ortler folgten der Einladung der Stadt zur Bürgerversammlung.

Die Bürgerversammlung in Puchheim-Ort war eher spärlich besucht. Somit hielten sich die Wortbeiträge aus dem Publikum in Grenzen. Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) nutzte dennoch die Gelegenheit, um zu erklären, dass das Kapitel Geothermie für ihn beendet ist.

Puchheim – Bürgermeister Norbert Seidl (SPD) versicherte bei der Bürgerversammlung im Altdorf, dass er den Auftrag aus dem Bürgerentscheid zur Geothermie „engagiert und notfalls auch couragiert“ vertreten werde. Das deutliche Ergebnis biete auch keinen Interpretationsspielraum: „Ich arbeite nicht gegen die Leute, nicht gegen 75 Prozent.“

Die Stadt hat ihre Geschäftsbeziehungen mit der Bohrfirma Geysir Europe beendet. Abgeschlossene Verträge gibt es noch nicht, das für die Förderung vorgesehene Grundstück wird wieder als Erdbeerfeld verpachtet. Die Aufsuchungserlaubnis, also das Förderrecht, behält die Stadt noch bis zu deren regulärem Auslaufen im kommenden Juni. Geysir als Mitinhaber fordert sie nicht zurück.

Danach kann sich jedes Unternehmen wieder bewerben. Seidl geht allerdings davon aus, dass man in dem für die Vergabe zuständigen Wirtschaftsministerium, immerhin einer „politischen Behörde“, eine Art Moratorium befürworte. Also angesichts fehlender Akzeptanz in Puchheim erst mal Ruhe einkehren lassen wolle. Grundsätzlich glaubt der Bürgermeister, dass die Stadt aufgrund des deutlich bekundeten Bürgerwillens für die Geothermie-Branche generell nicht mehr der bevorzugte Standort ist. Für Seidl ist das Thema jedenfalls „durch“. Und auch im Stadtrat werde das Wählervotum wohl nicht mehr in Frage gestellt.

Enttäuscht zeigte sich der Rathauschef darüber, dass der Pfarrsaal in Puchheim-Ort so spärlich besetzt war. Denn lediglich 50 Ortler – genau genommen nur zwei Prozent der Einheimischen – hatten die jüngste Bürgerversammlung mit ihrem Besuch beehrt. Zum Leidwesen Seidls, der solche Termine als Gelegenheit sieht zu erfahren, wo der Schuh drückt. Denn schließlich lebe auch ein Bürgermeister nur in seiner „eigenen Blase“, wie er erklärte.

Große Sorgen scheint es im Altdorf aber sowieso nicht zu geben, denn nur etwa 0,1 Prozent aller Ortler (zwei Teilnehmer) meldeten sich nach dem Rechenschaftsbericht des Bürgermeisters noch mit Fragen zu Wort. Ein Thema war – wieder einmal – die Ampel an der Kreuzung von Augsburger- und Fischerstraße, die vielen als sinnfrei gilt, seit die B 2 auf einer Umfahrung verläuft. Als Tempobremse für den schnellen Verkehr aus Germering und als Abschreckung für den noch zu vielen Durchgangsverkehr könnte sie aber noch eine Funktion haben, meinen andere. Stadträtin Barbara Ponn (Grüne) schlug eine Verkehrszählung mit und ohne eingeschalteten Lichtzeichen vor, um nähere Aufschlüsse zu gewinnen.

Viel Zuspruch fand außerdem ein Redner, der sich nach der Zahl der Ausnahmegenehmigungen für den motorisierten Verkehr auf der Alten Bahnhofstraße erkundigte. Eine „sehr gute Frage“, fand auch der Bürgermeister: „Hinz und Kunz fahren da durch, für manche Leute gelten andere Gesetze.“ Aber solange der dortige Pferdehof mit dem Auto anfahrbar sei, öffne man dem Verkehr eben Tür und Tor. Auch wenn der eher den Stau auf der FFB 11 umfahren will.

Einige Themen, die nur Puchheim-Ort betreffen, waren schon in Seidls Bericht genannt worden. Beim geplanten Boarding-House für Zeitarbeiter herrscht nach einem Einspruch des Landratsamtes gerade Stillstand. Ob das Projekt überhaupt weiterverfolgt wird, weiß man im Rathaus nicht. Dafür soll jetzt im April mit dem Bau der anfangs umstrittenen Modulhäuser an der Schwarzäckerstraße begonnen werden. Ob sie tatsächlich auch noch für Obdachlose gebraucht werden, ist ungewiss. Erschwinglichen Wohnraum sollen sie mit ihrem Basisstandard aber auf jeden Fall bieten. Für das Projekt konnte mit Florian Nagler, der auch die Ständerhäuser über einem Parkplatz am Dantebad entworfen hatte, ein namhafter Architekt gewonnen werden.

Noch vor dem ersten Spatenstich dort steigt allerdings das große Silvesterfeuerwerk, zu dem natürlich auch die Ortler eingeladen sind. Der Termin stehe noch nicht fest, scherzte Bürgermeister Norbert Seidl, werde aber noch rechtzeitig bekannt gegeben.  (Olf Paschen)

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