Umweltausschuss

Energiekrise: Gauting verzichtet auf Lichterketten zu Weihnachten wählt aber Kompromiss

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Die Weihnachtsbeleuchtung (wie hier am Münchner Viktualienmarkt) fällt in Gauting heuer spärlicher aus, um Energie zu sparen.

Gauting verzichtet in der Energiekrise auf Lichterketten in der Adventszeit. Aber nicht auf sämtliche Weihnachtsbeleuchtung. Der Gemeinderat fand einen Kompromiss.

Gauting – Schwer taten sich die Gautinger Gemeinderäte im Umweltausschuss mit ihrer Entscheidung zur Weihnachtsbeleuchtung im anstehenden Energiekrisenwinter. Am Ende beschloss das Gremium aber mit nur zwei Gegenstimmen, auf die traditionellen Lichterketten über Gautings Einkaufsstraßen erstmals ganz zu verzichten. Beleuchtet werden heuer nur die Christbäume im Zentrum, in Stockdorf, Ober-, Unterbrunn und Buchendorf, erstmals begrenzt per Zeitschaltuhr von 16 bis 24 Uhr. Stimmungsvolles Licht wird die Besucher der Christkindlmärkte auch heuer wieder erfreuen.

„Wir sind alle aufgerufen, Energie einzusparen“, eröffnete Bürgermeisterin Dr. Brigitte Kössinger die Debatte. An der Rathausfassade werden deshalb weder Lichterketten noch Nikolaus mit Rentierschlitten leuchten. Kössinger erinnerte an die aktuelle Verordnung des Bundeskabinetts und das Verbot von Außenbeleuchtung an Gebäuden. Erschwerend hinzu kämen gerade die jüngsten Attacken auf die Gaspipelines in der Ostsee. Die Gemeindeverwaltung habe daher entschieden, auf die Fassadenbeleuchtung ganz zu verzichten.

Lichter täten den Menschen in der dunkelsten Jahreszeit zwar emotional gut, so die Bürgermeisterin weiter, aber: „Wir können den Leuten nicht sagen: Ihr müsst beim Heizen sparen“, aber dann Energie für Lichterketten über den Straßen verschwenden. Allein fürs Anbringen der vom Gewerbeverband „Zusammen für Gauting“ (ZfG) angeschafften Lichterketten mit 44 Sternen über Gautings Geschäftsstraßen zahlte die Gemeinde im Vorjahr 11 400 Euro, hatte Umweltmanager Wilhelm Rodrian errechnet. Hinzu käme der Stromverbrauch von circa 350 Kilowatt bei einer Brenndauer an 38 Tagen. Denn die Lichterketten, ohne LED, seien an die allgemeine Straßenbeleuchtung gekoppelt und strahlten deshalb bis am Morgen, so Kössinger.

Gewerbereferent: Die Furcht der Einzelhändler

Gewerbereferent Harald Ruhbaum (MiFü 82131) habe sich bereits bei den Geschäften umgehört. Die Meinungen gingen da auseinander, sagte er. Manche Einzelhändler wollten Straßen-Lichterketten mit Sternen wie bisher, andere nur mit verkürzten Zeiten, die dritte Gruppe wolle „gar keine“ Weihnachtsbeleuchtung. Letztlich hänge das Votum der Geschäftsleute aber von den umliegenden Gemeinden und München ab: Gautings Einzelhändler fürchteten nämlich, dass ihre Kunden abwanderten, wenn es woanders stimmungsvoller zugeht, berichtete Ruhbaum.

Benedikt Kössinger (CSU), Sohn der Bürgermeisterin, machte einen Kompromissvorschlag, der angenommen wurde. Demnach wird die Weihnachts-Straßenbeleuchtung heuer komplett entfallen – wie in den Nachbargemeinden Krailling und Neuried. „Auch wenn’s wehtut, müssen wir ein Signal zum Energiesparen senden“, betonte Axel Höpner (Menschen für Gauting).

Einmütig regten die Räte an, dass die Standbetreiber, dabei auch örtliche Vereine, bei den Christkindlmärkten wie dem im Gautinger Rathausgarten oder am Stockdorfer Harmsplatz nur „unbedingt notwendige“ Lampen installieren.

Christine Cless-Wesle

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