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Energiesparen in Krisenzeiten: Landkreis-Kommunen sehen sich „in einer Vorbildfunktion“

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Um Energie kosten zu sparen, tun die Kommunen im Landkreis mittlerweile viel.

Um Energie zu sparen und nachhaltiger zu werden, setzen viele Gemeinden im Landkreis auf LED-Technik, moderne Heizungsanlagen und Photovoltaik

Bad Tölz-Wolfratshausen – In der Südschule in Bad Tölz ging es kürzlich hoch her. Das lag allerdings nicht an den mehr als 400 Schülern dieser Grund- und Mittelschule, die täglich auf den Korridoren und in den Klassenzimmern Zeit verbringen. Während die Kids emsig lernten, wurde hier fleißig umgerüstet. Das gesamte Gebäude bekam neueste LED-Technik statt der bisher gängigen Glühbirnen.

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Falko Wiesenhütter ist Geschäftsleiter der Stadt Bad Tölz. Er erzählt von einer Reihe energetischer Upgrades, die Bad Tölz seit Jahren vorantreibt. „Wir haben viele Dinge einfach nicht groß kommuniziert“, meint er. „Trotzdem sehen wir uns in einer Vorbildfunktion. Das ist besonders in der heutigen Zeit wichtig.“ Wiesenhütter spricht beispielsweise ein Projekt an, das die Computer-Arbeitsplätze betrifft. In den dazu gehörenden Serverräumen entsteht viel Abwärme. „Mit viel Herzblut und innovativer Technik haben wir einen Weg gefunden, wie wir diese Serverwärme in den Eisspeicher des Rathauses fließen lassen“, sagt Wiesenhütter. Das sei eine Art neben dem Rathaus vergrabener Tank, der mit Wasser beziehungsweise Eis gefüllt ist. Dorthinein strömt unter anderem die Serverwärme und kann, je nach Jahreszeit, entweder kühlen oder wärmen. Für die Stadt eine beachtliche Innovation, die gleichzeitig Energie einspart.

Thomas Holz, Bürgermeister der Gemeinde Kochel am See

Auch in Kochel am See ist man schwer mit der Modernisierung des Rathauses beschäftigt. „Wir sind gerade dabei, die Heizung zu erneuern. Wir wollen von Öl auf Pellets umstellen. Und um die Dämmung des Gebäudes kümmern wir uns auch“, berichtet Bürgermeister Thomas Holz. Seit 15 Jahren im Amt versucht er Schritt für Schritt, ältere Liegenschaften zu sanieren. „Wenn man eh etwas tun muss, macht es auch Sinn, zu modernisieren.“ Vor zwei Jahren stellte Kochel die komplette Straßenbeleuchtung auf LED um. „Wir haben sofort erhebliche Stromkosten und CO2-Werte gespart. Das war und ist massiv.“ Auch im Schulgebäude und der Turnhalle habe sich einiges verändert. „Wir haben die gesamte Lüftungs- und Heiztechnik ausgetauscht. Unsere Turnhalle ist von Heizkörpern auf moderne Deckenstrahlern umgestellt.“

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„Was die Energiewende angeht, muss man das als Marathon sehen und nicht als Sprint“, sagt Thomas Loibl, Pressesprecher im Geretsrieder Rathaus. Die Stadt arbeite seit Jahren an innovativen Möglichkeiten, Energie einzusparen. „Unsere Straßenbeleuchtung wurde schon lange auf LED umgestellt. Inzwischen arbeiten wir sogar mit technischer Beleuchtung, die insektenfreundlicher ist.“

Thomas Loibl, Pressesprecher der Stadt Geretsried

Weitere öffentliche Gebäude haben große Schritte in Richtung Energiesparen gemacht. Beispiele sind laut Loibl „das Schulzentrum, das Hallenbad, die Bibliothek und das Jugendzentrum, die alle an unser neues Heizkraftwerk angeschlossen wurden. Das ist eine Hackschnitzanlage kombiniert mit Blockheizkraftwerken. Wir hoffen, dass wir mit der Geothermie bald weiterkommen, um alles optimieren zu können.“ Die bisherigen Maßnahmen trügen aber bereits Früchte. „Seit zehn Jahren nutzen wir grünen Strom. Darauf sind wir stolz. Und unsere Stromkosten sind seit 20 Jahren gleichgeblieben. Das klingt vielleicht nicht toll, ist es aber, denn die Strompreise haben sich in diesem Zeitraum verdoppelt.“

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In Wolfratshausen hat sich in Sachen Klimaschutz und Energiesparen ebenfalls viel getan. Laut Vivian Horngacher, der Umwelt- und Klimaschutzmanagerin der Stadt, wird zurzeit eine neue Heizungsanlage mit Pellets eingerichtet, die die HEP-Schule, das Stadtarchiv und die Kindertagesstätten versorgen wird. Ein Blockheizkraftwerk, zwei Photovoltaik- sowie solarthermische Anlagen unterstützen unter anderem die Warmwasseraufbereitung in den Duschen der Schule Waldram und der Turnhalle. Ebenfalls spannend ist der Einsatz von Elektro-Autos, mit denen die Mitarbeiter des Bauamts Dienstfahrten erledigen. „Drei E-Fahrzeuge wurden für den städtischen Fuhrpark bestellt. Wir setzen aber auch eine sogenannte Vermeidungsstrategie ein“, berichtet Horngacher. „Wir versuchen, den Verbrauch so gut es geht zu vermeiden. Mitarbeiter der Verwaltung nutzen gerne die städtischen Dienstfahrräder, um schnell und ohne Emissionen und Stau in Wolfratshausen voranzukommen.“

In Bad Tölz setzt man neben nachhaltiger Mobilität auch auf Energieeffizienz der neuen Sozialwohnungen. Ein aktuelles Projekt steht in der Königsdorfer Straße. Hier weist moderne Dämmung, Bindung und Statik ökologisches Bauen vor. Gespart wird so an CO2 und Energie. Rathaus-Geschäftsführer Falko Wiesenhütter sieht Energiesparen als ein Thema, das in der Kommune jeden etwas angeht. Das reiche von der Glühbirne bis hin zur Kläranlage. Letztere benötige viel Energie, „aber es gibt auch Sparpotenzial. Der Klärschlamm wurde immer nass mit Lkw weggefahren. So eine Ladung wiegt natürlich sehr viel.“ Inzwischen setzt die Gemeinde auf solare Klärschlammtrocknung. „Das spart nicht nur Energie, sondern hilft auch CO2-Werte zu verringern.“

„Viele Gemeinden tun wirklich ihr Bestes,“ betont Kochels Bürgermeister Thomas Holz. „Wir schauen, dass wir – im Rahmen der Möglichkeiten – Energie sparen und das so umsetzen können.“ In Wolfratshausen hat Vivian Horngacher den Wunsch, dass noch mehr regenerative Energien und die Forschung dazu, immer mehr Menschen eine Versorgung frei von fossilen Energieträgern ermöglicht.

Karin Holly

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