VonMagnus Reitingerschließen
Jetzt ist es fix: Das bisherige Erdbeerfeld am Südrand von Weilheim wird zum Solarpark. Der Stadtrat machte mit 18 zu 9 Stimmen den Weg frei für die große Photovoltaik-Anlage, die direkt an Wohnhäuser angrenzt und Strom für rund 500 Haushalte erzeugen soll.
Weilheim – Die Zustimmung war am Ende deutlich – und doch geringer als bei vielen anderen Entscheidungen im Weilheimer Stadtrat. Er sehe die Freiflächen-PV-Anlage an dieser Stelle „nach wie vor kritisch“, hatte auch Manfred Stork, der Leiter der städtischen Bauverwaltung, in der jüngsten Ratssitzung noch einmal betont: „Das ist städtebaulich nicht die richtige Entscheidung für Weilheim.“ Grundsätzlicher war die Kritik von Romana Asam, die von „wildem Aktionismus“ sprach: Solarfelder würden in Weilheim derzeit „wie Pilze aus dem Boden wachsen“, konstatierte die FW-Vertreterin, die selbst Landwirtin ist. Dabei sollten landwirtschaftliche Böden ihrer Meinung nach doch „für den Anbau erhalten bleiben“ und nicht an Investoren gehen.
„Die Flächen werden ja nicht von Investoren okkupiert“, meinte dazu Klaus Gast (CSU): Es gehe nur um Areale, bei denen die Eigentümer, in der Regel Bauern, solche Anlagen selbst wollten. Beim bisherigen Erdbeerfeld am Südrand von Weilheim – zwischen Waxensteinstraße, Pollinger Straße und Prälatenweg gelegen – ist der Investor die Schwabsoiener Volllast GmbH, die bereits zahlreiche Anlagen inner- und außerhalb des Landkreises konzipiert hat und betreibt. Mit gut 3000 Solarmodulen will das Unternehmen bei seinem neuen Weilheimer Projekt auf zwei Hektar Fläche jährlich rund zwei Millionen Kilowattstunden Strom erzeugen.
Ablehnung wohl bald nicht mehr möglich
Bei der Vorberatung im Bauausschuss stand auch die Befürchtung im Raum, ob damit auf der „Schokoladenseite“ von Weilheim ein Bezugsfall geschaffen werde, der allerlei Folgeanträge nach sich ziehen könnte (wir berichteten). Die wären dann stets als Einzelfälle zu betrachten, beschwichtigte im Stadtrat CSU-Vertreter Gast; die PV-Anlage südlich der Waxensteinstraße sei „kein Präzedenzfall“. „Das ist sie schon“, widersprach Bürgermeister Markus Loth (BfW), „da müssen wir ehrlich sein“.
Doch ab dem kommenden Jahr könnten Kommunen solche Anlagen ohnehin nicht mehr aus städtebaulichen Gründen ablehnen, betonte Karl-Heinz Grehl (Grüne), der Energiereferent des Stadtrates. Entsprechende Gesetze würden im Bund gerade vorbereitet. Die Vorbehalte bezüglich des neuen Projektes am Südrand von Weilheim könne er verstehen, so Grehl weiter: „Das hat den Touch des Ungewohnten, so nah an der Wohnbebauung.“ Und doch sei es im Sinne der Energiewende richtig, diese Anlage zu errichten. Ein Gegeneinander von Landwirten und Investoren sieht der Grünen-Vertreter bei dieser Thematik nicht: „Die arbeiten da heute zusammen.“
Bestehender Solarpark wird erweitert
Der Stadtrat machte am Ende mit 18 zu 9 Stimmen den Weg für die PV-Anlage frei. Nun wird der Flächennutzungsplan entsprechend geändert und ein Bebauungsplan für eine „Sonderbaufläche Photovoltaik“ aufgestellt.
Einen Schritt weiter ist bereits die vorgesehene Vergrößerung des bestehenden Solarparks zwischen Jörg-Ganghofer-Straße und Trifthof-Anbinder. Wie berichtet, soll die Fläche der PV-Module dort in etwa verdoppelt werden. Der vorgelegten Planung zur Erweiterung des Bebauungsplans hat der Stadtrat in der selben Sitzung einhellig zugestimmt. Grünen-Stadträtin Brigitte Gronau wollte wissen, ob eine bestehende Hecke, die in diesem Zuge versetzt werden soll, nicht erhalten bleiben könnte. Wohl nicht, meinte das Stadtbauamt, die Hecke stünde dem Ausbau im Weg. Bürgermeister Loth versprach jedoch, diese Anregung „dem Betreiber mitzugeben“.
Rubriklistenbild: © picture alliance/dpa/Marcus Brandt

