VonHans Moritzschließen
Bei der Hitze am Wochenende war der Zustrom am Kronthaler Weiher unendlich. Weil reihenweise Rettungswege zugeparkt wurden, beschwerte sich die Wasserwacht.
Erding – Den Rettern der Wasserwacht Erding stand am Wochenende nicht nur wegen der Hitze der Schweiß auf der Stirn. Viel mehr als die 35 Grad im Schatten beschäftigten sie die reihenweise zugeparkten Rettungswege. „So schlimm war’s noch nie. Vor allem am Sonntag herrschte die reinste Anarchie“, beschwert sich Bernd Janowsky, Vorsitzender der Wasserwacht Erding.
Es kam einiges zusammen: Fürs Wochenende hatten die Meteorologen die heißesten Tage in einem Juni vorhergesagt. Am Samstag musste das Freibad wegen der Beseitigung der Weltkriegsbombe um 14 Uhr gesperrt werden und öffnete an diesem Tag auch nicht mehr. Und der Parkplatz im Süden des Kronthaler Weihers steht wegen der Erweiterung nur eingeschränkt zur Verfügung.
Die Folge war an beiden Tagen laut Janowsky ein Verkehrsinfarkt: „Die halbe Freisinger Siedlung war zugeparkt, die Autos standen bis nach Siglfing.“ Denn die meisten der tausenden Besucher kamen mit dem Auto, die regulären Stellflächen waren schon vormittags besetzt. „Es ist dann passiert, was leider immer passiert“, klagt Janowsky. „Die Leute stellen ihre Autos in jede Lücke.“ Die zahlreichen Halteverbotsschilder mit dem Zusatzhinweis „Rettungsweg“ wurden reihenweise ignoriert. Die Straße „In den Hacken“ war zeitweise beidseitig zugestellt.
„Für uns ist das ein dramatischer Zustand. Denn wir kommen vielleicht gerade noch mit einem Wasserrettungszug durch. Aber wenn uns dann einer entgegenkommt, verlieren wir möglicherweise lebensrettende Sekunden“, sagt der Erdinger Wasserwacht-Chef. Zwar habe man immer ein Boot an der Station einsatzklar. Aber wenn eine ertrinkende Person gemeldet werde, kämen weitere Fahrzeuge mit Bootsanhänger dazu. Die brauchen wir, um schnellstmöglich viele Taucher ins Wasser zu bekommen.“ Der einzige, der problemlos durchkomme, sei der Rettungshubschrauber.
Im Umkehrschluss werde die Erdinger Wasserwacht im Alarmfall auch an andere Badeseen im Umland alarmiert – laut Janowsky bis Moosburg, Taufkirchen oder an den Klostersee in Ebersberg.
Doch nicht nur die Wasserwacht hätte im Ernstfall große Probleme gehabt. Janowsky berichtet, dass auch das Gerätelager der Feuerwehren an der benachbarten Stoibermühle kaum oder gar nicht erreichbar gewesen wäre.
Am vergangenen Wochenende war die Wasserwacht weitgehend auf sich alleine gestellt. Janowsky berichtet, dass die Polizei wegen zahlreicher anderer Einsätze, darunter die beiden Bombenfunde, angebunden gewesen sei. „Und beim Ordnungsamt haben wir niemanden erreicht.“ Der Wasserwacht-Chef fordert schnell einen Runden Tisch einzurichten und, dass Falschparker konsequent abgeschleppt werde. Rathaussprecher Christian Wanninger erwidert: „Eine ständige Rufbereitschaft gibt es nicht, das weiß die Wasserwacht auch.“ Zudem seien sehr wohl Kontrolleure am Weiher gewesen – und hätten Strafzettel verteilt.
Noch etwas macht Janowsky Sorgen: „Die Leute werden immer aggressiver. Weist man etwas an, wird man blöd angeredet.“ Er bittet darum, auch den abgesperrten Bereich um die Wachstation freizuhalten. „Im Ernstfall brauchen wir sofort Platz für anrückende Fahrzeuge.“
Aus sanitätsdienstlicher Sicht verlief das Wochenende ruhig: „Wir hatten einige Insektenstiche und von Scherben aufgeschlitzte Füße, selbst im Wasser. Auch die Hitze forderte Opfer.“
Ein geringeres Problem sind für die Wasserwacht feiernde Schüler. „Da hatten wir früher viel mehr alkoholbedingte Abtransporte“, so Janowsky. „Die große Mehrheit feiert friedlich und hält sich an die Anweisungen.“ Erst einmal habe heuer ein sturzbetrunkener 15-Jähriger ins Klinikum gebracht werden müssen. Und: Die Schüler kommen ohne Autos.
