VonHans Moritzschließen
Keine Panik, aber mit dem Schlimmsten rechnen: Das ist die Devise von Landratsamt, Klinikum und Ärzten im Kampf gegen das sich weiter rasant ausbreitende Corona-Virus. Im Landkreis gibt es einen dritten Fall, ein weiterer Kindergarten wurde zeitweise geschlossen.
Erding - Am heutigen Mittwoch nimmt um 13 Uhr am Bildungszentrum für Gesundheitsberufe eine neu gegründete zentrale Screening-Stelle ihre Arbeit auf. Mit Unterstützung von Rettungsorganisation werden Ärzte bei all jenen Verdachtsfällen einen Abstrich nehmen, die von ihrem Hausarzt dorthin geschickt wurden. Die Anlaufstelle bekommt rechtzeitig Listen mit den sich vorstellenden Bürgern geschickt. Selbst kann man sich nicht dorthin begeben. Es darf auch jeweils nur ein Verdachtsfall das Foyer betreten.
Coronavirus: Täglich 100 Verdachtsfälle können abgearbeitet werden
Der Pflegeschulbetrieb wird abgetrennt. Die Screening-Stelle ist von 9 bis 17 Uhr besetzt. „In besonderen Fälle können Abstriche auch direkt aus dem Auto heraus genommen werden“, erläuterte Landrat Martin Bayerstorfer gestern in einer Pressekonferenz. „Die Personen sollen mit niemandem anderen in Kontakt kommen.“ Deshalb bleiben auch die Parkplatzschranken offen, damit der Druckknopf nicht zur Virus-Schleuder wird.
Wer immobil ist, bekommt weiter zu Hause Besuch vom Kassenärztlichen Bereitschaftsdienst. „Wir bitten dringend darum, sich an diese Abläufe zu halten“, appelliert der Landrat. Bis zu 100 Verdachtsfälle können hier täglich abgearbeitet werden.
Coronavirus: Landrat Bayerstorfer sieht Landkreis „gut vorbereitet und handlungsfähig“
„Wir sind gut vorbereitet und handlungsfähig“, bekräftigt der Landrat. Das gilt auch für das Klinikum selbst. Dessen Direktor Dr. Dirk Last berichtet: „Wir haben drei zusätzliche Beatmungsmaschinen angeschafft. Ein OP kann sofort für die Behandlung von Corona-Patienten genutzt werden.“ Auch das Gartengeschoss des Kreiskrankenhauses steht nach den Worten von Ärztlichem Direktor PD Dr. Lorenz Bott-Flügel bereit, „um hier im Extremfall eine Art Lazarett unterbringen zu können“. Last ist überzeugt: „Wir stehen erst vor einem Ausbruch.“ Man ergreife deshalb so weitreichende Maßnahmen, „damit wir möglichst nicht überrollt werden“, stellt er klar.
Für die Klinik und vor allem das Personal sei das eine enorme Herausforderung, „denn auch ohne Virus sind wir aktuell zu 93 Prozent ausgelastet“. Dennoch habe man sich selbst das Motto gegeben: „Wir packen es an.“ Verbunden mit der Hoffnung: „Niemand kann sagen, ob wir all diese Schutzeinrichtungen wirklich brauchen, aber wir wollen gerüstet sein“, so der Landrat. Bott-Flügel ergänzte: „Wir haben den Vorteil, dass wir von den Erfahrungen in Italien lernen können.“ Dort sei man vom Virus regelrecht überrollt worden. „Das Gesundheitswesen dort ist quasi lahmgelegt“, meint der Ärztliche Direktor. „Wir haben kein Problem, kleinere Gruppen von Erkrankten zu versorgen, sehr wohl aber bei hunderten.“ Im Falle von Engpässen denkt man sogar über die Gründung einer Ethik-Kommission nach. Andreas Münsch vom Fachbereich Gesundheitswesen erklärte: „Die Bekämpfung des Virus ist kein Sprint, sondern ein Dauerlauf.“
Coronavirus im Landkreis Erding: 30 bis 40 Verdachtsfälle
Die Zahl der Verdachtsfälle im Landkreis beziffert Gesundheitsamtsleiterin Dr. Kathrin Mariß-Heinrich mit „30 bis 40“. Zum Glück würden die meisten negativ getestet.
Erdingerin ist dritte Corona-Patientin
Auf drei angestiegen ist gestern die Zahl der Corona-Erkrankten. Nach den Familienvätern aus Dorfen hat es eine Frau aus Erding erwischt. Laut Bayerstorfer hielt auch sie sich während der Faschingsferien in Südtirol auf. Nach Angaben Bott-Flügels musste noch kein Patient auf der Isolierstation am Klinikum aufgenommen werden.
Dr. Markus Marschall, Vorsitzender des Ärztlichen Kreisverbands, berichtete, die niedergelassenen Ärzte begrüßten die Epidemie-Maßnahmen, vor allem, weil die Verdachtsfälle nicht mehr in die Praxen kommen müssten. Auch dem ärztlichen Bereitschaftsdienst tue die Entlastung gut.
Erdinger Antonius-Kindergarten kurzzeitig geschlossen
Bott-Flügel warnte vor Hysterie: „Das Erschreckende an Corona ist die sehr schnelle Verbreitung eines Virus, den wir erst seit neun Wochen kennen. Meistens nimmt die Krankheit einen leichten Verlauf.“ Nur sechs Prozent gerieten durch die Infektion in Lebensgefahr.
Nach dem BRK-Kinderhaus in Altenerding wurde am Dienstag auch der städtische Antonius-Kindergarten in Erding zeitweise geschlossen, nachdem ein Kind mit entsprechenden Symptomen gekommen war. Die Sperre konnte aber noch am selben Tag wieder aufgehoben werden, das Kind fällt nicht mehr in die Ansteckungszeit.
