Das Gros kommt aus Afghanistan und Afrika – Nur noch vereinzelt Ankünfte aus der Ukraine

Flüchtlingszahlen steigen wieder an

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Auf der Flucht, unter anderem in Schlauchbooten übers Meer, sind wieder deutlich mehr Menschen als noch vor ein paar Monaten. Foto: Fabian Heinz/Sea Eye/dpa
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Die Flüchtlingswelle wogt wieder hoch. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann spricht bereits von einer Lage wie im Herbst 2015. Das bekommt auch der Landkreis zu spüren. 

Erding - Die neuen Wanderungsbewegungen haben aber kaum noch etwas mit der Ukraine zu tun.

Aktuell sind dem Landkreis 1384 Flüchtlinge bekannt, die in seinen Unterkünften leben, berichtet Landratsamtssprecherin Claudia Fiebrandt-Kirmeyer auf Anfrage unserer Zeitung. Davon sind nur 438 ukrainische Kriegsflüchtlinge.

Von ihnen kommen kaum noch welche neu im Erdinger Land an. „Derzeit werden aufgrund der Überquote in Bayern die neuankommenden Ukrainer in andere Bundesländer verteilt“, erklärt die Sprecherin. Ausnahmen bestünden lediglich bei familiären Bindungen. „Insoweit bewegt sich der Zustrom aktuell im Vergleich zu Beginn des Krieges auf einem niedrigen Niveau. Dasselbe gilt nach den vorliegenden Informationen für Ukrainer, die einreisen und privat unterkommen“, so die Sprecherin.

Dafür kommen wieder deutlich mehr Geflüchtete aus anderen Ländern an, und das bereits seit Mitte August. Fiebrandt-Kirmeyer zitiert die Regierung von Oberbayern, der zufolge „das Ankunftsgeschehen derzeit sehr hoch ist“. Seither träfen jede Woche mehrere Flüchtlinge im Landkreis ein. 30 seien es seit Mitte August gewesen, weitere 30 werden es in den kommenden Wochen sein.

Es handelt sich in erster Linie um Menschen aus Afghanistan, die nach dem Abzug der westlichen Kräfte vor dem wiedererstarkten Regime der Taliban flüchten, die nicht zuletzt Frauen unterdrücken und ihnen den Zugang zu Bildung verwehren. Aber auch aus Afrika findet laut der Erdinger Ausländerbehörde wieder verstärkt Zuwanderung statt, vor allem aus dem Jemen, Somalia und Nigeria.

Für den Landkreis stellt sich damit die Frage der Unterbringung wieder verschärft. Aktuell hat er nach Angaben der Sprecherin 140 dezentrale Quartiere angemietet. In 73 davon sind schwerpunktmäßig Ukrainer untergebracht. Bei ihnen spielt aber nach wie vor die Unterbringung bei Privatleuten eine große Rolle.

Fiebrandt-Kirmeyer räumt ein: „Ja, der Platz wird wieder knapp.“ Deshalb sei die Behörde „ständig auf der Suche nach neuen Unterkünften und dankbar für weitere Angebote“. Verschärft werde die Lage durch Ukrainer, die bislang privat einquartiert waren, dort aber nicht mehr bleiben können.

Am Gymnasium Dorfen ist der Unterricht am Dienstag nur mit zwei statt drei Turnhallen gestartet. Eine wird bekanntlich als vom BRK betriebenes Ankunftszentrum auf Standby gehalten, sollten doch wieder mehr Ukrainer hier ankommen. Zum Monatsende will der Landkreis laut Fiebrandt-Kirmeyer entscheiden, ob die dritte Halle noch benötigt wird. Das Haupt-Ankunftszentrum befindet sich nach wie vor in Altenerding. Betrieben wird es von den Maltesern. Benötigt worden ist es zuletzt aber ebenfalls nicht.

ham

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