Heizungswende und Atomausstieg

Kommentar: Grüne Ideologie als gesellschaftlicher Klimakiller

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Stromgewinnung aus Atomkraftwerken ist Geschichte. Aber kann sich Deutschland das leisten?
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Ja, Klimaschutz ist alternativlos - und das geht nicht ohne teils schmerzhafte Einschnitte. Umso schwerer wiegen politische Fehler, wie sie vor allem die Grünen gerade begehen - unser Kommentar zum Wochenende.

Mit die größte Gefahr für die so dringende Energiewende stellen jene dar, die sich besonders engagiert, sagen wir übermotiviert, für sie einsetzen – die Grünen in der Ampel-Regierung und die Aktivisten der Letzten Generation. Letztere haben mittlerweile nahezu alle Sympathien verspielt, die Grünen sind gerade drauf und dran.

Die „Heizungswende“ ist sicher notwendig, aber sie ist fachlich und sozial unausgegoren. Es steht der soziale Friede auf dem Spiel, wenn Hausbesitzer – die großen Immobiliengesellschaften stellen nicht die Mehrheit dar – finanziell schlicht überfordert werden. Und: Viele ältere Gebäude sind für Wärmepumpen überhaupt nicht geeignet, etwa weil Flächenheizungen aus architektonischen Gründen ausscheiden.

Die Politik der Grünen mag, nüchtern betrachtet, nachvollziehbar sein: Jahrzehntelang ist viel zu wenig getan worden, um den Klimawandel zu bremsen. Und, seien wir ehrlich, auf freiwilliger Basis passiert nicht viel – dafür sind wir zu bequem.

Gehen wir das Thema mal psychologisch an: Warum fällt es uns so schwer, klimafreundlicher und nachhaltiger zu agieren, wenn uns doch bewusst ist, was auf uns zukommt – längere Dürren, extremere Wetterereignisse? Der österreichische Psychologe und Autor Thomas Brudermann hat eine plausible Erklärung: Der Klimawandel ist schwer greifbar, weil er nicht direkt sichtbar ist. Er stellt, anders als 2020 Corona, auch keine unmittelbare Bedrohung dar. Wer etwa weniger Auto fährt, merkt nicht, dass er damit was fürs Klima tut. Und: Der Bürger mag von der Politik nichts verboten bekommen.

Brudermann empfiehlt die „Kraft sozialer Dynamiken“, also den Austausch mit anderen Menschen darüber, wie man dem Klimawandel begegnen kann.

Das würde aber leichter funktionieren, ginge die Politik nicht so stümperhaft vor. Der Atomausstieg zum jetzigen Zeitpunkt ist aus ideologischen Gründen erfolgt, für die Grünen hat sich dieses Fenster geöffnet, also raus damit. Doch viele einfache Bürger mit dem übereilten Heizungstausch in Existenznot zu bringen, während zeitgleich Kohlekraftwerke hochgefahren werden, ist dumm – weil es eine Politik ist, die die Menschen nicht mitnimmt, sondern sie vor den Kopf stößt.

Bei allem Furor muss uns aber klar sein, dass Klimaschutz ganz ohne Zwang und Beschränkungen leider nicht zu haben ist. ham

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