- VonJörg Domkeschließen
Vor 30 Jahren gingen die ersten dezentralen Komposthöfe im Landkreis Ebersberg in Betrieb. Damals wurde man durchaus belächelt. Heute spricht man stolz von einer Erfolgsstory.
Anzing/Landkreis – Als sich der Landkreis Ebersberg Ende der 80er/Anfang der 90er Jahre auf den Weg machte, um politische Lösungen zu suchen, wie man dem täglich anfallenden Müll Herr werden und zugleich die Kapazität der bestehenden Deponie strecken könnte, kamen alle möglichen Ideen auf den Tisch. Trotz so mancher Widerstände setzte sich am Ende etwas durch, das sich bis heute „Ebersberger Weg“ nennt.
Ein nicht unwesentlicher Bestandteil dieses Gesamtkonzepts: Deponieraum einsparen, indem man organischen Abfall erst gar nicht annehmen muss, sondern an anderer Stelle einem eigenen Kreislauf zuführt.
Insbesondere CSU und Grünen waren es, so erinnert sich der christsoziale Kreisrat Martin Lechner, die eine dezentrale Kompostierlösung in möglichst allen Kommunen des Kreises protegierten. Doch das war etwas, so der Straußdorfer, wofür man damals im Landkreis Ebersberg eher belächelt wurde.
Erstes großes Beispiel einer engen Zusammenarbeit von CSU und Grünen
Er und einige seiner damaligen Weggefährten aber blieben standhaft. Trugen ihre Anliegen sogar persönlich dem damaligen Umweltminister Peter Gauweiler vor. Und der ließ sich, so Lechner, dann doch überzeugen. Und ebnete vor allem Wege im einst recht komplizierten Genehmigungsverfahren, das die damals für solche Vorgänge zuständige Regierung von Oberbayern stets als größtes Hindernis auf dem Ebersberger Weg zur dezentralen Eigenkompostierung anführte.
Heute, 30 Jahre danach, gibt es die lange und von vielen totgesagte dezentrale Kompostierung noch immer. Landrat Robert Niedergesäß sagt längst, dass es sich um eine wahre Erfolgsgeschichte handele. Nicht nur, weil es mit dem eingeschlagenen Weg in der Tat glückte, Deponielaufzeiten zu strecken, sondern auch die Suche nach anderen Deponiestandorten im Landkreis quasi obsolet wurde; bis heute.
30 Jahre Komposthöfe im Landkreis: Das war gestern der offizielle Anlass für eine Feierstunde, zu der der Landkreis geladene Gäste auf den Kandlerhof nach Anzing einlud. Dort, wo alles begann.
Feierstunde mit geladenen Gästen
Ohne den starken Willen des Kreistages wäre das alles nicht möglich geworden, meinte der Sprecher der hiesigen Kompostbauern, Christian Maier aus Baiern. Schließlich habe sich aber das Prinzip von Regionalität und kurzer Wege durchgesetzt. Bioabfall, der im Landkreis entstehe, werde im Landkreis zu Kompost verarbeitet und als solcher auch wieder auf die Felder und Äcker im Landkreis ausgebracht. Und genau das ersetzte nicht nur Gas, sondern auch Treibstoffe und nicht zuletzt Dünger, dessen künstliche Herstellung bekanntlich sehr gasintensiv sei.
Niedergesäß sprach derweil mit Blick auf die letzten drei Jahrzehnte Kompostierung von einem besonderen Tag für den Landkreis. Einfach sei das alles aber nicht gewesen. Immerhin habe es auf Kreisebene alleine 27 Sitzungen gegeben, ehe das Konzept mehrheitsfähig geworden sei. Das schließlich Gauweiler zur Einweihung nach Anzing kam und sich auch Exministerpräsident Edmund Stoiber sowie der frühere Bundesumweltminister Klaus Töpfer an Ort und Stelle informierten, seien mehr als nur erfreuliche Nebeneffekte gewesen.
Landrat erinnert an einen mühevollen Weg hin zum „Ebersberger Weg“
Für die Gemeinde Anzing dankte Bürgermeister Kathrin Alte gestern den Kompostbauern. Anzing ist gleich mit zwei Standorten vertreten. Im Ortsteil Boden sitzt mit der Familie Peis ein zweiter Betreiber. Die Rathauschefin nutzte das Forum gestern, um mehr Tempo in die ewig dauernde Debatte um ein mögliches Wasserschutzgebiet zwischen Anzing und Markt Schwaben zu bringen. Der Komposthof Peis läge mittendrin.
An wohlwollenden Worten mangelte es freilich nicht. Offenbar wollte auch keiner der Redner die Feststimmung trüben. Doch es gibt freilich auch gestern unerwähnte Probleme: Störstoffe. Also Funde im Biomüll, die alles andere als Bio sind: Messer, Joghurtbecher, Windeln, Plastikmüll aller Art. Schon vielfach wiesen die Profi-Kompostierer darauf hin. Wirklich verbessert hat sich das alles bis heute nicht. Negative Vorreiter sind, so hörte man gestern, nach wie vor Markt Schwaben und Kirchseeon. Bis zu sechs Prozent Störstoffe sind es dort im Bioabfall. Bei Poing geht es je nach Jahreszeit und immer mal schwankend um drei bis vier, bei anderen Gemeinden wie Anzing um zwei Prozent.
Kontrollen, sagen Komposthofbetreiber, seien hilfreich. Und umgehend spürbar. Etwa in Steinhöring, wo es schon Sanktionierungen gab. Seither ist Bioabfall aus diesem Ort nicht mehr das Problem. Eine vereinfachte Formel lautet: Je mehr Geschosswohnungsbau und je höher der Grad an Anonymität, umso höher der Anteil von Störstoffen. Übrigens: Die 14 Höfe verarbeiten derzeit jährlich 10 000 Tonnen Biomüll sowie 90 000 Tonnen Garten- und Grüngut.
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