Der bekannte Tenor Peter Schreier ist im ersten Weihnachtsfeiertag gestorben. In Bad Tölz hinterlässt er eindrückliche und einmalige Erinnerungen.
Bad Tölz – Bei Konzerten mit klassischem Programm ist das Tölzer Kurhaus meist nur zur Hälfte gefüllt, mehr gibt eine Kleinstadt mit 18 000 Einwohnern einfach nicht her. Nicht so in jener „magischen Nacht“ am 18. Januar 1986, als der Tenor Peter Schreier mit Franz Schuberts melancholischem Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ gastierte. Schreier ist am ersten Weihnachtsfeiertag im Alter von 84 Jahren gestorben.
Opernlegende gestorben
Gut drei Jahre vor dem Mauerfall war es dem Tölzer Kunstverein gelungen, den in der DDR ansässigen, weltweit führenden lyrischen Tenor des 20. Jahrhunderts nach Bad Tölz zu holen. Für den Kunstverein, der damals keine Künstlervereinigung war, sondern ein Verein von Honoratioren, der große Kunst in die Provinz bringen wollte, war dies vielleicht der absolute Höhepunkt seines Wirkens. Die Vereinsführung um Adalbert Diegmann und Walter Frei machte aus dem Auftritt des weltbekannten Künstlers mehr als ein Konzert: Man machte daraus ein gesellschaftliches Ereignis, bei dem man einfach nicht fehlen durfte. Der Tölzer Kurier schrieb damals vom „Kunststück“ des Vereins, dass es ihm „nach wiederholten Initiativen gelungen ist, den weltbekannten DDR-Tenor für einen Liederabend in der Kreisstadt zu gewinnen“.
Kunstverein lies „Bösendorfer“-Konzertflügel anliefern
Für seinen Auftritt ließ der Kunstverein eigens einen „Bösendorfer“-Konzertflügel ins Kurhaus anliefern, denn die alte Drahtkommode des Hauses wäre auf keinen Fall gut genug gewesen für Schreiers Klavierpartner Norman Shetler. Am Ende dieses denkwürdigen Konzertes im überfüllten Kurhaus gab es minutenlange Ovationen, nicht enden wollende Bravo-Rufe und eine Zugabe.
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Für Künstler aus der DDR war es fast ein Ding der Unmöglichkeit, eine Ausreise zu bekommen, doch in dieser Hinsicht genoss Peter Schreier viele Privilegien auch ohne SED-Parteibuch. Er war der wichtigste DDR-Export auf dem Gebiet der Musik, gastierte auf allen wichtigsten Opernbühnen der Welt von Bayreuth über Salzburg und Mailand bis nach New York, verkörperte 60 Partien und wurde international ausgezeichnet. Es war tatsächlich nichts weniger als eine Sensation, dass dieser Weltstar damals auch nach Bad Tölz gekommen ist. (Rainer Bannier)
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