Bierbrauen in der Großen Kreisstadt

Der erste Gerstensaft aus Germering

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Erstmals in der Geschichte von Germering und Unterpfaffenhofen wird vor Ort Bier hergestellt. Am 14. Juli will das neue „Brauhaus Germering“ seine Gerstensaft-Kollektion der Öffentlichkeit vorstellen. Nicht weniger als vier Sorten hat die kleine Privatbrauerei im Angebot.

Germering – Der Bürgermeister und der örtliche Landtagsabgeordnete waren die ersten, die beim Wirtschaftsempfang schon mal einen Probeschluck nehmen durften. Am Donnerstagabend waren drei Pressevertreter in den Innenhof der neuen Produktionsstätte eingeladen, um vorzukosten. Beim Test des „nach irischem Rezept und bayerischem Reinheitsgebot“ hergestellten „Porter“ – Beiname: „Die dunkle Seite Germerings“ – schien zwar einer von der schreibenden Zunft etwas das Gesicht zu verziehen. Aber das Weißbier mit dem ungewöhnlichen Namen „Don’t call me Weißbier“ (Nenn’ mich nicht Weißbier) schien allgemein zu munden. Außerdem in 0,33-Liter-Fläschchen zum Preis zwischen 1,80 und zwei Euro erhältlich: Ein natürlich „natürliches“ Ur-Helles und das „Germeringer Bavarian Ale“.

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Das Projekt ist an einem Stammtisch entstanden. Welches traditionelle Bier dort lange den Durst löschte, verraten die Brauerei-Gründer nicht. Man habe aber „die Notwendigkeit gespürt, eigenes Bier zu machen,“ meint einer der elf Initiatoren. Eine Gesellschaft mit einem Stammkapital von 33 000 Euro wurde gegründet, ein Keller angemietet, der lange Behörden- und Genehmigungsweg eingeschlagen: Hygiene-Bestimmungen, europäische Getränkeverpackungsordnung, Etiketten-Schriftgrößen und und und waren zu beachten. Schließlich wurden noch einige 10 000 Euro für die Produktionsanlagen investiert, darunter Fermenter aus chinesischer Prouktion. Geholfen hat bei der Unternehmensgründung sicherlich, dass viele Gesellschafter Erfahrung als Selbstständige oder, wie der in Germering lebende Puchheimer Stadtkämmerer Harald Heitmeir, in der Welt der Finanzen haben.

Gäbe es ausreichend Lagerkapazität, könnten maximal 300 Liter täglich abgezapft werden. Die Zutaten sind aus biologischer Produktion und von regionaler Herkunft, wenn man die Holledau, von wo der Bio-Hopfen stammt, zur engeren Heimat zählt. Vertrieben werden soll der neue Trunk über zwei örtliche Getränkehändler und zwei Hofläden, jeden Samstag ist Verkauf direkt an der Brauerei. Wobei auch „loses Bier“ in eigene Behälter abgefüllt werden kann.

Nach dem ersten Bier wurde viel über die eigenen Ambitionen gespöttelt. Von dem „erweiterten Hobby von elf Wahnsinnigen“ war die Rede oder auch von der „elegantesten Art der midlife-crisis“. Außerdem würden sich die Ehefrauen freuen, „dass wir aufgeräumt und von der Straße sind“. Und wenn es doch nicht funktioniere oder keinen Spaß mehr mache, werde man das Abenteuer halt wieder beenden und „die Reste selber trinken“, hieß es nach dem zweiten Bier. Aber eine reine Gaudi soll das Unternehmen nicht bleiben. Gewinn zu machen sei nicht vordringlich, aber doch ein Ziel, meinte Kämmerer Heitmeir.

Bleibt nur eine Frage: Müssen die Elf jetzt für immer bei dem eigenen Gebräu bleiben? Er tue sich mit dem „Industriebier“ inzwischen schwer, meinte einer der Brauer. Aber zur Entrüstung der Kollegen gestand ein Mitgesellschafter, dass er „schon auch mal was anderes“ trinke.(op)

Service:

Die erste öffentliche Verköstigung des Biers ist am 14. Juli von 13 bis 19 Uhr in der Friedenstraße 23.

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