- VonChristof Schnürerschließen
Der „Aldi“ soll‘s machen: Thomas Albrecht (34) könnte 2026 der siebte Nachkriegsbürgermeister von Krün werden. So zumindest lautet das Drehbuch seiner Partei und des amtierenden Rathauschefs Thomas Schwarzenberger.
Krün – Auftritte vor großem Publikum sind ihm nicht fremd. „Ich singe schon mal vor 5000 Zuschauern in einem Bierzelt“, erzählt Thomas Albrecht von seinen Erlebnissen als Frontmann der Isartaler Partyband Deerisch. Seine Zukunft sieht der „Aldi“, wie er in seinem Heimatdorf Krün gerufen wird, allerdings nicht in der Musik, sondern in der Politik. Der dreifache Familienvater soll im März 2026 bei den Kommunalwahlen für die CSU den Rathaus-Chefsessel verteidigen.
Den hat seit 1. Mai 2002 sein Parteifreund Thomas Schwarzenberger inne, gleichzeitig oberbayerischer Bezirkstagspräsident. Er ist über die Entscheidung von Thomas 2.0 sehr glücklich. „Denn er hat Aus㈠strahlung, die auf Menschen wirkt.“ Heuer im Juni haben der Bürgermeister und CSU-Ortsvorsitzender Stephan Seestaller erstmals bei Albrecht vorgefühlt. Natürlich erbat sich der potenzielle Hoffnungsträger Bedenkzeit.
Es folgten Gespräche innerhalb der Familie – auch mit der Mama. Anneliese Albrecht (58), seit 2008 CSU-Gemeinderätin, soll laut Filius eine mögliche Kandidatur „erst mal kritisch“ gesehen haben. Auch der Großvater, Altbürgermeister und Ehrenbürger Sepp Zahler, wirkte offenbar überrascht, als sein Enkel ihm diese Neuigkeiten eröffnete. „Aber der Opa zeigt seine Freude nicht so.“ Mentor Schwarzenberger ergänzt: „Ich glaube schon, dass der Sepp stolz ist.“
Und ich bin überzeugt, dass der Thomas der richtige ist. Er wird seinen Weg finden.
Und dann gibt es ja noch Anna-Maria, die Ehefrau, die Thomas Albrecht die gemeinsamen Kinder Ludwig (5), Helena (3) und Luisa (1) geschenkt hat. Das Ende vom Lied: „Wir wollen das probieren“, vermeldet Thomas Albrecht. „Ich gehe mit viel Demut und nicht mit Hurra an die Sache.“ Denn diesen Makel hat der stellvertretende CSU-Ortsvorsitzende: Er hat bislang keinerlei Gemeinderatserfahrung. Doch die hatte Thomas Schwarzenberger auch nicht, bevor er Krün vom Armenhaus zu einer wohlhabenden Kommune verwandelte. Wer seinen Job liebt, der wird es schaffen, findet Schwarzenberger. „Und ich bin überzeugt, dass der Thomas der richtige ist. Er wird seinen Weg finden.“
Der potenzielle politische Erbe kommt am 20. Juni 1990 im Klinikum Garmisch-Partenkirchen zur Welt. Die ersten Jahre verbringt der kleine Thomas in Wallgau, im Kindergarten wirbelt er in der Tigergruppe. Nach dem Realschulabschluss absolviert er zunächst eine Lehre als Einzelhandelskaufmann, dann eine Ausbildung zum Informatik-Kaufmann. Seit 2017 arbeitet Albrecht bei den Gemeindewerken Garmisch-Partenkirchen. Dort betreut er kritische Systeme. „In der IT ist man immer mal im Krisenmodus.“ Beste Voraussetzungen also für einen kühlen Kopf in der Kommunalpolitik.
Inzwischen hat Albrecht auch seine Spezl von „Deerisch“ informiert. „Wir ziehen 2025 komplett durch“, verspricht der 34-Jährige Sänger und Gitarrist, wohlwissend, dass seine gefragte Band so etwas wie Kultstatus weit über die Landkreisgrenzen hinaus genießt. Für den heimatverwurzelten Albrecht ist Familie ein fester Anker. Kein Wunder also, dass er in einem Viergenerationenhaus lebt.
Er liebt auch Fußball, auch wenn seine Karriere beim SV Krün langsam ausklingt. Zudem hat der „Aldi“ 20 Jahre Eishockey beim EV Mittenwald gespielt. Bei diesem Club hat er auch bei einem Trainingslager in Südtirol seinen Spitznamen verpasst bekommen. „Viele wissen gar nicht, wie ich richtig heiße.“ Als Hypothek nimmt Albrecht sein Faible für den SV Werder Bremen mit in den Wahlkampf. Doch bei dieser fußballerischen norddeutschen Entgleisung spielt sein Vater Matthias, ein gebürtiger Bremer, eine zentrale Rolle.
Mit Thomas Schwarzenberger verbindet ihn nicht nur der gleiche Vorname, die selbe politische Überzeugung und die Tatsache, ihr Amt als Polit-Novizen gestartet zu haben. Ihre bein Großväter Johann Neuner (1956 bis 1972) beziehungsweise Josef Zahler (1972 bis 2002) waren beide Bürgermeister. Steckt sozusagen in den Genen. „Ich habe keine Scheu, etwas Neues zu lernen“, sagt Albrecht. Mehr noch: „Ich bin schon heiß darauf.“
Thomas Albrecht könnte nach Mathias Kriner (1945 bis 1948), Albert Holzer (1948 bis 1952), Josef Brumbauer (1952 bis 1956), Johann Neuner (1956 bis 1972), Josef Zahler (1972 bis 2002) und Thomas Schwarzenberger (seit 2002) der siebte Nachkriegsbürgermeister seiner Heimatgemeinde werden.