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12,5 Millionen Euro investiert Median in das neue Bettenhaus der Tölzer Buchbergklinik. Die Stadt ist begeistert. Der Betriebsrat aber sieht skeptisch in die Zukunft.
Bad Tölz – Die Innenausstattung der Patientenzimmer soll Hotelqualität haben, Flachbildfernseher inklusive. Keine Frage: Südlich der Tölzer Buchbergklinik entsteht in den kommenden 15 Monaten ein neues Bettenhaus der Extraklasse. „Privatpatienten sollten künftig nicht mehr an Bad Tölz vorbei in andere Klinken fahren“, sagte Median-Geschäftsführer André Schmidt am Freitag beim Spatenstich.
Neues Bettenhaus schafft Platz für 80 Privatpatienten
Dieses Ziel stand für Schmidt bereits fest, als die Einrichtung im Jahr 2013 in den Besitz von Median – nach eigenen Angaben der größte deutsche Betreiber von Rehakliniken – überging. 12,5 Millionen Euro investiert Median nun in den Erweiterungsbau. Er soll bis Anfang 2021 Platz für 80 zusätzliche Patienten schaffen. Schmidt: „Wir erweitern das Angebot nicht nur in den bestehenden Indikationen, sondern schaffen auch die Möglichkeit, Patienten mit schwerwiegenden neurologischen Erkrankungen zu behandeln.“ Im bestehenden Gebäude an der Wengleinstraße aus dem Jahr 1973 gibt es aktuell 230 Betten – und eine „lange Warteliste“, wie Schmidt betonte.
Zweiter Bürgermeister Andreas Wiedemann bedankte sich in seinem Grußwort bei Schmidt dafür, dass er Bad Tölz als Premiumstandort sehe. „Für uns als Stadt ist das sehr wichtig.“ Schließlich sei die Stadt auf Unternehmen angewiesen, die investierten. „Wir können nur die Rahmenbedingungen schaffen.“ Bebauungspläne und Vorschriften machten es Investoren aber nicht immer leicht. Viele Pläne scheiterten inzwischen auch an der Bevölkerung. „Bei jedem Projekt, das angesprochen wird, haben wir sofort Gegenwind“, klagte Wiedemann. „Jeder ist nur noch ein Ich-Mensch.“
Vize-Bürgermeister freut sich über neue Arbeitsplätze
Umso erfreuter zeigte sich der Vize-Rathauschef, dass im Fall der Buchbergklinik alles glattgegangen sei – auch, wenn es seine Zeit gedauert habe. Wiedemann verwies auch auf die Arbeitsplätze, die dank der Erweiterung entstünden, und die Zusammenarbeit von Median mit den örtlichen Unternehmen.
Nicht ganz so positiv bewertet Susanne Pienkowski die Erweiterung. „Wir machen uns Sorgen, wie es weitergeht“, sagt die Betriebsratsvorsitzende mit Blick auf den Fachkräftemangel. „Wir müssen die hohe Belegung ja auch irgendwie bewältigen und die Patienten weiterhin gut versorgen können – und die Betonung liegt auf gut.“ Entsprechend attraktiv müssten die Angebote von Median sein, um Pfleger, Ärzte und Therapeuten zu halten und neues Personal zu gewinnen.
Stellvertretend für die rund 160 Beschäftigten überreichte die Betriebsratsvorsitzende am Rande des Spatenstichs einen Brief an Median-Geschäftsführer Schmidt. Darin macht Pienkowski den Standpunkt der Mitarbeiter klar. Schmidt nahm den Brief entgegen, ohne groß darauf einzugehen. Das findet Pienkowski nicht weiter schlimm: „Er muss ihn ja erst lesen.“
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