- VonBarbara Falkenbergschließen
Das Projekt Stimmlos gibt Jugendlichen eine Stimme. Zur Kommunalwahl 2014 startete es, auch zu den Landtagswahlen im Oktober läuft es. Nun befragten Jugendliche die Kandidaten für die Stimmkreise Garmisch-Partenkirchen und Weilheim-Schongau. Ihre Interviews gibt‘s online zu sehen.
Garmisch-Partenkirchen – Die Jugend möchte gehört werden – und mitreden. Auch, wenn es um die bayerische Landtagswahl geht, die am 8. Oktober ansteht. Gemeinsam mit den Kreisjugendringen Weilheim-Schongau und Garmisch-Partenkirchen hat die Kommunale Jugendarbeit im Landratsamt daher eine Interview-Aktion auf die Beine gestellt. Mitten in Garmisch-Partenkirchen, am Bischoffeck in der Garmischer Fußgängerzone, durften Jugendliche Kandidaten verschiedener Parteien an zwei Tagen befragen. Alles lief unter dem Motto des Projekts „Stimmlos?!“, das zur Kommunalwahl 2014 eingeführt worden war und seither bei allen Wahlen läuft. Heuer wurden 16 Direktkandidaten der beiden Stimmkreise live vor laufender Kamera interviewt.
Jasper Rave aus Eberfing bekam es mit Jakob Koch von den Grünen zu tun. Für den 17-jährigen Schüler ist es wichtig, sich politisch zu engagieren. „Es geht schließlich um unsere Zukunft.“ Das Prozedere war relativ einfach: Alle durften die Fragen nur sachlich stellen, bohrende Nachfragen waren nicht erlaubt. „Es waren keine Zwiegespräche, die wir geführt haben, auch deshalb, damit man am Ende die Antworten vergleichen und auswerten kann“, erläutert Rave. Fanden die Teilnehmer mit zunehmender Dauer eher schade, weil sie gerne doch mal nachgehakt hätten, dem einen oder anderen Kandidaten auf den Zahn fühlen wollten.
Jasper Rave: Verbesserung des Schulsystems als wichtiges Thema
Rave interessiert sich in erster Linie für sozialpolitische Themen, insbesondere für eine Verbesserung des Schulsystems. „Der immense Leistungsdruck ist für viele ein großes Problem. Dazu kommt, dass oft altes, überholtes Wissen vermittelt wird, anstatt sich realitätsnahen Themen wie beispielsweise aus dem IT- oder Steuerbereich zu widmen, also Dingen, die man im Alltag anwenden kann“, sagt der 17-Jährige, der nach der Schule entweder im Tourismus arbeiten oder Kommunikations- und Politikwissenschaften studieren möchte.
Die Inerviews online zu sehen
Die Interviews haben eine Länge von jeweils 30 Minuten und können ab Ende Juli auf der Homepage www.stimmlos-gap.de sowie über das Internetangebot der Kommunalen Jugendarbeit und des Kreisjugendrings sowie über die Social-Media-Kanäle der Organisationen abgerufen werden.
Saphira Beige aus Garmisch-Partenkirchen sprach unter anderem mit Manuel Tessun von der ÖDP und Florian Streibl von den Freien Wählern. Die 17-Jährige bemühte sich, dass sich die Kandidaten in den Interviews wohlfühlten, „damit sie möglichst ehrlich antworten“, begründet Beige ihre neutrale, offene Haltung im Gespräch. Allgemein ist es ihr wichtig, das Selbstvertrauen und die Persönlichkeiten junger Menschen zu stärken. „Es darf kein Bulimie-Lernen mehr geben, bei dem man nur für Prüfungen lernt und danach sofort wieder alles vergisst.“
David De Leon spricht mit AfD-Kandidat Ingo Hahn
Der Gesprächspartner von David De Leon, der sich aktiv bei den Jusos engagiert, war Ingo Hahn von der AfD. Wenige Tage zuvor hatte er in Weilheim bereits ein Interview mit Andreas Krahl von den Grünen geführt und war dementsprechend in Übung. Klima- und Naturschutz liegen dem 16-Jährigen aus Peißenberg am Herzen. Das Bafög-System sollte vereinfacht werden, findet er, der später gern Fluglotse werden möchte und derzeit seinen Segelflugschein macht.
Alle drei Interviewer sind Schulsprecher und hatten sichtlichen Spaß an ihren Rollen als Reporter. Insgesamt haben sieben Jugendliche aktiv mitgewirkt. Als eine Art Koordinator und Organisator arbeitete mit ihnen Florian Wink vom Kreisjugendring. Dank tatkräftiger Hilfe von Fachleuten des Bayerischen Rundfunks nahm das Projekt schnell Gestalt an. Das Ziel ist nun, dass die Inhalte auch bei den Menschen draußen ankommen, damit sie sich ein Urteil bilden können, bevor sie zur Urne gehen oder die Briefwahl erledigen. „Wir möchten bis zur Wahl immer wieder Aufmerksamkeit auf die Interviews lenken“, betonte der Farchanter. Für den Pädagogen war es interessant zu sehen, dass trotz der sehr kurzen Zeit von nur 30 Sekunden pro Antwort inhaltliche Unterschiede zwischen den Kandidaten zu erkennen waren. „Ich bin stolz auf die Jugendlichen, denn sie haben dafür gesorgt, dass alle Interviews in einer angenehmen, stressfreien Atmosphäre gelaufen sind.“
