- VonThomas Gautierschließen
Das Chaos bei E-Scootern nervt die Münchner – und OB Dieter Reiter. Jetzt stellt er den Roller-Betreibern ein Ultimatum – und droht mit Verbot!
München – Reiter sagte unserer Redaktion: „Es vergeht keine Woche, keine Bürgersprechstunde, bei der nicht das Thema E-Scooter kritisch angesprochen wird. Erst letzte Woche bei einem Besuch im ASZ Maxvorstadt haben mich die Seniorinnen und Senioren dringend gebeten, etwas gegen die wild und achtlos herumliegenden E-Scooter und deren oft rücksichtslose Nutzer zu unternehmen.“
Oberbürgermeister Dieter Reiter bekommt viele Beschwerden aufgrund der E-Scooter in München
Reiter: „Ich habe ihnen gesagt, dass ich das Verhalten vieler Nutzer auch durchaus kritisch sehe und die derzeitigen Maßnahmen zur Verbesserung erläutert. Insbesondere die Abmarkierung festgelegter Abstellgebiete soll helfen, die Nutzer dazu zu bringen, die Roller nur dort abzustellen, weil nur dadurch die Gebührenuhr gestoppt wird. Die Ausweisung dieser Gebiete muss allerdings deutlich schneller vorankommen als bisher – daher werde ich das Mobilitätsreferat beauftragen, hier unbedingt mehr und schneller solche Gebiete auszuweisen.“
Da hat die Stadt noch viel aufzuholen: Nach Informationen unserer Redaktion plant das Mobilitätsreferat 675 Roller-Parkflächen. Doch von denen sind erst 107 fertig.
(Unser München-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Isar-Metropole. Melden Sie sich hier an.)
In München fehlt es vor allem auch an Parkflächen für die E-Scooter
Reiter deutlich: „Sollte diese Maßnahme nicht kurzfristig zu Verbesserungen führen, dann werde ich versuchen, dafür zu sorgen, dass deutlich weniger Scooter zugelassen werden können, wenn der Freistaat dazu die notwendigen Vorschriften erlässt. Und sollte auch das nicht nachhaltig zu mehr Sicherheit insbesondere für die Jüngsten und die älteren Bürgerinnen und Bürger führen, würde ich ein Verbot der E-Scooter durchaus in Betracht ziehen.“
Auch die Münchner sind genervt von den Zweirädern. Erst neulich sperrte ein Anwohner ein herumliegendes Teil einfach mit einem Schloss an einem Zaun ab (wir berichteten). Im April sprachen sich in einer Umfrage (6000 Befragte) 88 Prozent für ein Verbot aus!
Roller-Rage gibt‘s auch anderswo: Gelsenkirchen und Paris haben E-Scooter verboten. Bald auch München?
Immer mehr Unfälle mit Elektro-Rädern
Der Elektro-Rad-Boom hat eine Schattenseite: Laut einer Statistik des Automobilclubs KS ist die Zahl der Unfälle mit E-Bikes explodiert. So gab es 2023 ganze 223 900 Unfälle mit Personenschaden – zehn Mal so viele wie 2014! Damals gab es rund 2200 Unfälle. Dabei trifft es immer öfter Jüngere: 2014 waren nur 10 Prozent der Unfallopfer jünger als 45 Jahre. 2023 machten sie 31 Prozent aus.
Die Ursache ist klar: Immer mehr Menschen fahren E-Bikes. Laut Statista wurden 2023 insgesamt 2,1 Millionen E-Bikes in Deutschland verkauft. 2014 waren es 480 000.
Damit steigt die Zahl der Unfälle. Auch der tödlichen: Laut Autoclub starben 2023 188 Menschen bei Unfällen mit den Elektro-Radln. 2014 waren es 29. Vor allem Ältere sind gefährdet, so Sprecherin Isabella Finsterwalder: „Die Statistiken zeigen uns, dass sich ältere Menschen im Gegensatz zu den jüngeren bei einem Sturz meist schwerer verletzen oder dabei sterben.“
Rubriklistenbild: © Michael Nagy


