- VonNadine Zellschließen
Die Zahl der Verkehrstoten soll sinken, eine Führerscheinreform soll helfen. Die EU will einen Fahrtauglichkeitstest für Senioren ab 70. Diesem sollen sich Rentner in regelmäßigen Abständen unterziehen. Die Meinungen dazu sind gespalten.
Im vergangenen Jahr ließen EU-weit 20.600 Menschen ihr Leben im Straßenverkehr. Diese Zahl soll deutlich reduziert werden und letztlich soll es gar keine Verkehrstoten mehr geben. Das Ziel ist die Zahl bis 2030 zu halbieren und bis 2050 die Nullgrenze zu erreichen. Ein sehr ambitionierter Plan der Europäischen Union. Die große Führerscheinreform soll der Verbesserung der Verkehrssicherheit dienen. Bei einem Teil dieser Reform handelt es sich um Tests zur Fahrtauglichkeit von Senioren. Ab 70 soll alle fünf Jahre überprüft werden, ob Führerscheinbesitzer noch sicher im Verkehr unterwegs sind.
Führerschein hat in Deutschland kein Verfallsdatum
Die Durchfallquote bei der Führerscheinprüfung befindet sich derzeit auf einem Rekordniveau. Hat man die Führerscheinprüfung einmal bestanden, gilt die Fahrerlaubnis in der Regel ein Leben lang. Eine Ausnahme stellt hier nur ein Teil der früheren Führerscheinklasse 3 dar, die Fahrberechtigung für Gespanne über 12 Tonnen. Hält man sich an die Regeln im Straßenverkehr, kann einem der Führerschein folglich nicht einfach entzogen werden. Anders verhält es sich natürlich bei einem Verstoß gegen die Verkehrsregeln.
Die Fahrtauglichkeit der Verkehrsteilnehmer wird in Deutschland derzeit nicht regelmäßig überprüft. Behörden können in bestimmten Situationen Fahrtauglichkeitstests anordnen, wenn sie der Meinung sind, dass eine Person nicht mehr am Straßenverkehr teilnehmen sollte. In diesen Fällen wird dann durch einen Gutachter entschieden, ob die Fahrerlaubnis entzogen wird. Natürlich können Senioren freiwillig ihre Fahrtauglichkeit testen lassen oder entscheiden dem Autofahren den Rücken zu kehren. Doch ist das für viele ein schwieriger Schritt, denn wer gibt schon gerne einen Teil seiner Unabhängigkeit her? Hat man sein ganzes Leben lang von der Mobilität, die man durch ein Auto besitzt, profitiert, wird man ungern aus freien Stücken darauf verzichten.
Außer Frage steht jedoch: Mit dem Alter nehmen die körperlichen Fähigkeiten ab. Die Reaktionsfähigkeit und das Sehvermögen lassen nach und auch das Gehör funktioniert nicht mehr so gut wie im jungen Alter. Diese Beeinträchtigungen sind bei dem einen schwächer und bei dem einen stärker. Aus diesem Grund wird in einigen EU-Mitgliedsstaaten die Verkehrstauglichkeitsprüfung bei Senioren ab 70 bereits regelmäßig durchgeführt. Diese Idee wird auch in Deutschland immer mehr begrüßt.
ADAC steht dem Vorschlag kritisch gegenüber
Aber nicht jeder befürwortet den Vorschlag der EU-Kommission. Der ADAC hält die Pläne der EU für unverhältnismäßig, denn Senioren sind nicht per se die schlechteren Autofahrer. Im Gegensatz zu jungen Verkehrsteilnehmern, bringen sie meist schon viel Erfahrung beim Autofahren mit und können mit bestimmten Situationen entsprechend umgehen. Laut ADAC Verkehrspräsident Gerhard Hillebrand gehe der EU-Vorschlag zu Fahreignungstests ab dem 70. Lebensjahr an der Realität vorbei und könne so nicht bleiben. Der Faktor „Alter“ darf nicht der einzige Grund für die Anordnung eines Fahrtauglichkeitstests sein.
Aufgrund des Alters zu einem Test verpflichtet zu werden ist in Hillebrands Augen diskriminierend. Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) hält von der Idee der Union, die Fahrtauglichkeit von Senioren ohne bestimmten Anlass zu überprüfen, gar nichts, wie er in einem Interview mit der „Bild am Sonntag“ verrät. „Ich setze hier ganz klar auf die Eigenverantwortlichkeit. Verpflichtende Gesundheitstests, wie sie der EU vorschweben, lehne ich ab.“, so der Bundesverkehrsminister. Auch der ADAC teilt die Meinung, dass selbstkritisches Hinterfragen der eigenen Fahrtüchtigkeit für alle Verkehrsteilnehmer sehr wichtig ist, um sich bei bestehenden Unsicherheiten Unterstützung holen zu können.
Sollten gesundheitliche Probleme bestehen und Medikamente eingenommen werden, ist ein Gespräch mit dem behandelnden Arzt ratsam, da diese Faktoren die Fahrtüchtigkeit einschränken können. Der Mediziner kann einschätzen, ob weitere Maßnahmen erforderlich sind oder nicht. Dieser Hinweis richtet sich an alle Menschen, unabhängig vom Alter.
nz